Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Welche sein Beruf erfordere und die ihm früher auch äusserst leicht gefallen, jetzt seit circa ein 
Vierteljahr anfange, ihm ernstliche Schwierigkeiten zu bereiten. Wenn er längere Zeit hinter einander 
geschrieben oder gelesen habe, so stelle sich ein unangenehmes Gefühl von Druck über dem rechten 
Auge ein, dieses Auge fange an zu thränen und wenn er jetzt trotz dem die Arbeit fortzusetzen 
versuche, so werde des Gesehene immer undeutlicher, bis schliesslich Zahlen und Buchstaben, Alles 
durcheinander laufe. Diese unangenehmen Zufälle sollten sich besonders häufig nach längerer Arbeit 
hei künstlicher Beleuchtung zeigen. Auf’s Höchste beunruhigt bittet Patient um Aufschluss über 
die Ursache dieses Uebels und eventuelle Abhülfe. 
Das linke Auge, welches von jeher amblyopisch gewesen, verursacht dem Patienten keine 
Beschwerden. 
Wir konnten schon nach diesen Symptomen nicht zweifelhaft sein, dass wir es hier mit 
einem Hypermetropen zu thun hatten und dass sein Accommodationsmuskel es war, der in solche 
Weise gegen die unerträgliche Last, die man ihm aufgebürdet, reagirte. 
Die functionelle Untersuchung ergab denn auch 
rechts links 
H. m. Vi5 S = 1 H. m. y« circa S = 2 %oo 
Der ungleichen Refraction entsprach ein unsymmetrischer Bau des Gesichtes. Die linke 
Kopfhälfte steht zurück und ist merklich kleiner, als die rechte. 
Die Pupillardistance beträgt 56 Mm. 
Patient convergirt vortrefflich bis auf 6 Ctm. Entfernung und hält noch in dieser Distance 
die Convergenz längere Zeit mit Leichtigkeit fest. Der Augenspiegel bestätigt links das Ergebniss 
der functioneilen Untersuchung in Bezug auf die Refraction. In den brechenden Medien, ebenso 
auf dem Augenhintergrunde findet sich nichts Abnormes. 
Rechts besteht ein mehrzoniges mittelgrosses temporalwärts gelegenes Staphylom, dabe 
massige Injection der Papille. 
Die Zumuthungen, welche Patient an die Accommodation des rechten Auges gestellt, waren 
also für dieses nicht gleichgültig geblieben. 
Eine Brille + 15 beseitigt die Athenopie und giebt dem Patienten die volle Herrschaft 
über das rechtejlAuge zurück. 
Fall V. 
Emil M., 22 Jahre alt, Rekrut, wird am 4. December 1873 von der Militärbehörde behufs 
Feststellung seiner Refraction und Sehschärfe auf die Klinik geschickt. 
Die Befangenheit des Patienten, verbunden mit einem nicht allzuhohen Maasse von Intelligenz 
gestatten nur eine sehr dürftige Anamnese. Soviel geht aus seinen Angaben mit Sicherheit hervor, 
dass das rechte Auge von frühster Kindheit an in hohem Grade schwachsichtig gewesen. 
Rechts findet sich H. m. 1 /s l /i S =r 20 /ioo.
	        

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