Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Dieser Fall gab nach verschiedenen Richtungen hin Manches zu denken. 
Wir finden eine Störung des lateralen Gleichgewichtes gross genug, um sich in Form des 
Doppeltsehens unangenehm bemerkbar zu machen; trägt sie auch die Schuld an den auf dem 
rechten Auge gefundenen Veränderungen? Warum vertheilt sie so ungerecht ihre Wirkung unter 
die beiden Augen? Oder bestand beiderseits dies schädliche Agens in gleichem Maasso und leistete 
ihm nur das °linke Auge, durch seinen hypermetropischen Bau mehr geschützt, erfolgreichen 
Widerstand, während die Häute am hinteren Pole des rechten Auges der Gewalt des Convergenzzuges 
nachgaben ?’ Und thaten sie dies, so hätten wir es mit einem schon krankhaft veränderten Refrac- 
tionszustaude zu tliun, so bestand früher auch rechts Hypermetropie und das linke Auge hätte nichts 
vor dem rechten vorausgehabt. 
Gewährt der hypermetropische Bau überhaupt einen so sichern Schutz gegen die Entwicklung 
des Staphyloms oder wird dies nicht mit gutem Grunde bestritten? 
Und wie kommt es, dass gerade das sehtüchtige Auge die beschriebene Veränderung zeigt, 
dasjenige Auge welches allein den hohen Ansprüchen, welche der Beruf unseres Patienten an das 
zu welcher Patient durch seine Insufficienz 
Sehvermögen stellt, genügen konnte ? 
Die Annahme, dass die forcirte Convergenz, 
gezwungen war zu der Entstehung des Staphyloms Veranlassuug gegeben, liess sich, wie wir 
gesehen nicht rechtfertigen. Aber wie sollte man die Accommodation dafür verantwortlich machen? 
Die Ansprüche, welche die Beschäftigung des Patienten an dieselbe stellte, überschritten 
vielleicht das gewöhnliche Maass - aber die Leistung war doch auf beiden Augen dieselbe - 
zweckloser — aber konnte deshalb dieses Auge sich dem 
entziehen? — Wir werden dieser Frage im Laufe unserer 
diesem Grunde hier auf dieselbe nicht weiter 
ein 
links allerdings dieser Aufwand 
Zwange der gemeinsamen Innervation 
Erörterungen noch öfter begegnen — ich will aus _ 
eingehen. Bestand ja doch das Verdienst dieses Befundes mehr dann, zu solchen Erwägungen Anlass 
gegeben zu haben. Weitere Aufklärung konnte erst eine grössere Reihe gleicher Beobachtungen 
bringen. — 
Die Ueberzeugung gewannen wir übrigens schon aus dieser einen Beobachtung, dass 
Befunde wie der oben mitgetheilte — bei einseitiger Amblyopie ein Staphyloma posticum allein 
auf dem’ sehtüchtigen Auge - wohl von unserm Standpunkt aus eine leichte und gefällige Deutung 
finden konnten, dass sich aber, weil es sich hier doch immer nur um Schlüsse a posteriori handelte, 
ein völlig überzeugender Beweis für die Richtigkeit der oben aufgestellten Ansicht aus ihnen nicht 
schöpfen liess. Dazu gehörten ganz andere Bedingungen, Bedingungen, die nur das Experiment 
liefern, oder wie sie allein unter ganz besonders günstigen Umständen, die klinische Beobachtung 
vorfinden konnte. 
Ein glücklicher Zulall half uns auch über diese Schwierigkeit. 
Am 23. Aimust vorigen Jahres suchte ein junger Manu, — Friedrich L. 23. Jahr alt, 
Eisenbahnbeamter aus Schweden — die hiesige Klinik auf, um sich einer Schieioperation zu 
unterziehen. 
Von der Geburt an hatte bei ihm ein excessiver Strabismus divergens und Ptosis linkerseits 
bestanden Die Verdeckung des linken Auges durch das gelähmte obere Lid hatte ihn von Anfang 
an vor der Belästigung durch Doppelbilder geschützt; aus demselben Grunde hatte er sich von 
dem Sehvermögen des linken Auges nie Rechenschaft gegeben.
	        

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