Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Impulse gehorcht — jedenfalls muss in beiden Fällen einer bestimmten gleichen ffrösse der 
Muskelverkürzung auch derselbe supponirte Effect auf den Bulbus entsprechen. 
Dennoch musste die klinische Beobachtung die oben aufgestellte Frage allein entscheiden, 
denn auch das Experiment, so werthvolle Aufschlüsse über die vorliegenden Fragen es uns schon 
geliefert, musste liier aus Gründen, die auf der Hand liegen, seine Dienste versagen. 
Solange man mit Donders fast allgemein glaubte, dass die geringeren Grade von Myopie, 
wenigstens in der grossen Mehrzahl, angeboren seien, konnten die nicht selten beoabachteten Fälle 
von Refractionsungleichheit, wo nur auf dem einen Auge Myopie mit allen den ihr zukommenden 
Zeichen bestand, für die Erklärung keine besondere Schwierigkeit bieten Man sah darin eben ein 
Spiel der Matur, wie es sich auch an andern Theilen unseres Körpers häutig wiederholt und das an 
sich wenig Auffallendes hatte. Diese Fälle gewannen an Interesse in dem Maasse, als mau auf das 
Moment der angeborenen Praedisposition verzichtete. 
Professor Völckers widmete diesen Fällen schon früh eine besondere Aufmerksamkeit, weil 
er hier den AVeg angedeutet glaubte, auf welchem man der uns beschäftigenden Frage näher 
kommen könne. 
Zahlreiche Beobachtungen, in dieser Richtung begonnen und eifrig fortgesetzt, lieferten 
denn auch eine Reihe von Fällen, welche die Behauptung: 
Die Accommodation allein kann unter günstigen äusseren Bedingungen die Ent 
wicklung des Staphyloma posticum hcrvorrufen — in überzeugender Weise erhärtete. 
Die erste der in dieser Hinsicht wichtigen Beobachtungen datirt aus dem Anfang des 
vorigen Jahres und betraf einen 42 Jahre alten Postbeamten hier aus der Stadt. Derselbe klagte 
über periodische Diplopie beim Sehen in mittleren Entfernungen, die besonders nach anhaltender 
Arbeit zusammen mit einem Gefühl von Ermüdung in den Augen auftrat und den Patienten sehr 
belästigte. Das Sehvermögen des linken Auges soll von frühster Kindheit an ein sehr massiges 
gewesen sein und behauptet Patient von diesem Auge beim Sehen in der Nähe nie Gebrauch 
gemacht zu haben. 
Die functionelle Prüfung ergab 
rechts E. und volle Sehschärfe 
links H. m. V30 O As. h. Vis S = 2 %o 
ohne Correction betrug S auf diesem Auge nur "%««■ 
Der Pupillenabstand betrug 63 mm. 
Dabei bestand geringe Insuificienz der Interni, ein Prisma 5° gleich dieselbe aus. 
Die äussere Betrachtung ergab weder in dem Bau der beiden Gesichtshälften noch in dem 
beider Augen einen auffallenden Unterschied. 
Der Augenspiegel zeigte 
rechts an der temporalen Seite der Papille ein völlig abgegrenztes Staphylom von mindestens 
Vs P. D. in der horizontalen Axe 
links abgesehen von der schon functioneil nachgewiesenen Meridianasymmetrie keine Spur 
einer Veränderung um die Papille.
	        

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