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Schon längst war man darin übereingekommen, in der Chorioidea den wichtigsten Regu
lator für die Ernährungsverhältnisse des Auges zu sehen. Man wusste, dass die Constanz der
Spannung des Auges auf dem normalen Funetioniren dieses Organes beruhe und dass pathologische
Zustände in demselben leicht ausgiebige Schwankungen des intraocularen Druckes nach beiden
Richtungen hin auslösen können.
Die nachgewiesene umfangreiche Betheiligung dieser Membran bei der Accommodation
musste also bei schon bestehender Entzündung der innern Häute, insbesondere bei Sclerotio-Cho-
rioideitis posterior, selbst wenn sie sich streng in den Grenzen des Physiologischen hielt, wenn An-
und Abspannung sich in gesetsmässiger Weise folgten, von direct schädlichem Einfluss sein;
dieser Einfluss musste an Bedeutung noch in hohem Grade gewinnen, wenn es sich — bei der
Complication mit Krampf des Ciliarmuskels — um eine dauernde Verrückung der Chorioidea aus
ihrer Ruhelage, um eine anhaltende Dehnung und Zerrung dieser Membran handelte.
Diese Schlüsse ergaben sich aus den gemachten Beobachtungen von selbst und fanden auch
schon in der oben citirten Arbeit ihren Ausdruck. An derselben Stelle fand die Anwendung des
Atropins bei den tiefer greifenden Entzündungen des Auges eine neue Begründung, schätzenswerth
nicht nur deshalb, weil sie die früheren, theils unklaren, theils unbewiesenen Erklärungen von der
Heilwirkung dieses Mittels beseitigte, nicht blos, weil sie auch in diesem Punkte die Uebereinstim-
mung in dem therapeutischen Handeln der Ophthalmologen mit den Priucipien der allgemeinen
Chirurgie nachwies, sondern vor Allem auch dadurch von Bedeutung, dass sie die heilsame Wirkung
dieses Mittels bei der progressiven Myopie vielleicht nicht zum ersten Male betonte, jedenfalls aber
zuerst durchaus befriedigend erklärte.
So fanden die Ergebnisse des physiologischen Experimentes ohne Weiteres ihre "Verwendung
in der Pathologie des Auges.
Schon vor seinen Untersuchungen über den Mechanismus der Accommodation hatte mein
Hochverehrter Lehrer, Herr Professor Völckers gleich andern Beobachtern die häutige Complication
der progressiven Myopie mit Accommodationskrampf, bei Hypermetropen und Emmetropen nicht
selten das Vorkommen von atrophischen Veränderungen um die papilla nerv, opt., identisch mit
denen, welche früher für die Myopie als characteristisch galten, und selbst den Uebergang von
Hypermetropie in Myopie beobachtet.
Diese Beobachtungen mehrten sich, seitdem man dureh die Resultate des Experimentes
auf die Wichtigkeit solcher Befunde aufmerksam geworden und von Neuem die Lehre von der
Myopie einer allseitigen Erörterung unterzogen wurde.
War somit der Accommodation die Stellung als wesentlicher Factor bei dem Zustande
kommen der Myopie gewonnen, so konnte es nicht Wunder nehmen, wenn Andere noch den einen
Schritt weiter gingen, die Accommodation allein für die Entstehung des hinteren Staphyloms verant
wortlich machten und die von Früheren so stark betonten Momente, insonderheit die Convergenz,
entweder als völlig unwesentlich hinstellten, oder ihre schädliche Wirkung auf die Vermittelung der
Accommodation zurückzuführen versuchten. . .
Dobrowolsky, der diese Lehre am Energischsten vertrat, stützte sich dabei auf klinische
Beobachtungen, im Wesentlichen denen gleich, die auch schon auf der hiesigen Klinik gemacht
waren und oben erwähnt wurden.
Abgesehen davon, dass in den Dobrowolsky’schen Ausführungen sich so manches Unhaltbare
fand, wie die schon längst widerlegte Ansicht von der Heilbarkeit der wirklichen Myopie durch
Blutentziehungen, dass sie den ursächlichen Zusammenhang zwischen Accommodationskrampf und
der Entstehung der hinteren Sclerectasie unerklärt Hessen — abgesehen davon konnte es zweifelhaft

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