Die wichtigen Aufschlüsse, welche in den letzten Jahren das Experiment über den Mechanismus
der Accommodation gegeben, mussten naturgemäss auf die Lehre von der Myopie, wie sie besonders
von Donders und Graefe aufgestellt und vorläufig abgeschlossen war, eine Rückwirkung üben, die
sich als eine wesentliche Aenderung der bis dahin allgemein acceptirten Anschauungen äusserte.
Während noch jene Autoren in der Accommodation einen Vorgang sahen, der, im vorderen
Bulbusabschnitt localisirt, mit der Gestaltveränderung der Linse und der daraus resultirenden
Aenderung der optischen Einstellung des Auges die Grenzen seiner Bedeutung für dasselbe erreichte,
deshalb auch als aetiologisches Moment für die Entwicklung und Progressivität der Myopie nur
eine untergeordnete oder keine Bedeutung haben konnte, gelang es nun den Herren Professoren
Völckers und Hensen durch umfassende Experimentaluntersuchungen zuerst am Thier-, später auch
am menschlichen Auge den Nachweis zu führen, dass es sich beim Accommodationsacte um eine
relativ ausgiebige Verschiebung der gesummten Chorioidea nach vornhin, also um Vorgänge handle,
die zu den vitalen Verhältnissen des Auges in innigster Beziehung stehen.
Damit war die Accommodation ein Factor geworden, mit dem man bei der Würdigung der
verschiedenen pathologischen Zustände des Auges unbedingt zu rechnen hatte, vor Allem aber war
damit für die Lehre von der Myopie eine Reihe neuer Gesichtspunkte gewonnen.
Dass anhaltende Beschäftigung mit nahen Gegenständen ein wesentliches Moment für die
Entstehung der Myopie, — oder wenn man mit Donders für die Mehrzahl der Fälle eine prae-
existirende“ angeborene Verlängerung der Sehachse annahm - eine der wichtigsten Ersuchen der
Progressivität der Myopie sei, war schon längst fast allgemein zugegeben; - aber mochte man die
erhöhten Ansprüche an die Convergenz und die Erschwerung des Blutrückflusses aus den Kopfge-
fässen bei vornübergebeugter Haltung eine noch so wichtige Rolle spielen lassen - die Erklärung
für das Zustandekommen der Sclerotico-Chorioideitis posterior war und blieb dunkel, und selbst
Graefe konnte die Frage nach dem ursächlichen Zusammenhang der von ihm über diesen Gegen
stand beigebrachten Thatsacheu, für den unbefangenen Beurtheiler wenigstens, nicht recht befrie
digend lösen.
Es fehlte eben noch ein wichtiges Zwischenglied in der Reihenfolge der gemachten Schluss-
folgerun-ou — dieses Zwischenglied war gefunden mit dem Augenblicke, wo man durch die er
wähnten Untersuchungen auf die physiologische Bedeutung des Accommodationsactes anfmerksam
geworden, demselben hei der Verkettung der verschiedenen Momente, welche die Myopie zum End
resultate liabePi die ihm gebührende Bolle einräumte,

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