Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Wenn ich nun hiermit meine Untersuchungen vorläufig schliesso, so bin ich mir der geringen 
Resultate, die ich gewonnen, namentlich der positiven Resultate sehr wohl bewusst. 
Die ganze Pilzfrage ist selbst abgesehen von den feinsten Studien derselben immerhin 
noch so schwierig, erfordert namentlich so grosse Hebung, dass mann eigentlich täglich pathalogische 
Anatomie treiben und besonders täglich mit dem Mikroskope einige Stunden arbeiten muss um sich 
mit absoluter Sicherheit bei so feinen Untersuchungen auf die richtige Deutung dessen, was man 
sieht, verlassen zu können. Mit grosser Mühe, Aufopferung von viel Zeit ist das Studium immer 
verbunden, ganz besonders aber für den Anfänger. So kann denn glaube ich auch der schwächste 
Untersucher darauf rechnen, durch die Schwierigkeit der Verhältnisse eine gelindere Beurtheilung 
seiner schwachen Leistungen zu finden. 
Meine Resultate kann ich rasch zusammenfassen; sie sind eigentlich nur negativer Matur 
und ich würde garnicht gewagt haben, dieselben der Oeffentlichkeit, wenn auch nur einer beschränkten 
zu übergeben, wenn nicht, wie auch seiner Zeit angeführt, manche der Hauptautoren selbst die 
widersprechendsten Ansichten aufgestellt und mit klaren Worten absolut verschiedene Thatsachen 
berichtet hätten. 
Die einzD sichere Ueberzeugung, welche ich mit vollem Recht nach meinen Untersuchungen 
über die Diphtheritis gewommen habe, geht dahin, dass ich behaupte: Das Vorkommen der 
specifischen Pilze bei der Diphtheritis in allen Organen entsprechend dem 
Grade der Allgemeinerkrankung ist durchaus kein so constantes, wie es von 
manchen Autoren behauptet wird. 
Da in den localen Veränderungen bei der Diphtheritis ein Pilz in so massenhafter Weise 
vorkommt, da man ausserdem in den letzten Jahren alle Augenblick hie und da Pilzinvasionen be 
obachtet, die-gewiss nicht ohne Folge geblieben waren, da man ausserdem die Aetiologie mehrerer Krank 
heiten ohne Frage anf Pilze zurückführen darf, so liegt es sehr nahe, dasselbe auch für die Diphtheritis 
anzunehmen. Allein bis jetzt halte ich dies nicht für bewiesen. Dass die Pilze bei der Diphtheritis 
eine Rolle spielen, glaube ich entschieden, aber welche und wie, auf welchem Wege wage ich weder 
zu entscheiden, noch glaube ich, dass es bis jetzt jemand siehe, bewiesen hat. "Wenn dei Pilz der 
einzige Träger des Contagiums wäre, welches ursprünglich ohne Frage durch die Luft übertragen 
wird, somit also der Pilz selbst durch die Luft wandern muss, warum genügt es dann nicht für die 
Infection, wenn man von einem Diphtheritisehen angehaucht wird, warum braucht man sich garnicht 
zu fürchten, einen Diphtheritisehen viele läge hindurch zwischen andern Kianken liegen zu lassen ? 
Dafür aber, dass man dies ohne Gefahr thun kann, bin ich in der glücklichen Lage Herrn Prof. 
Bartels als Gewährsmann anführen zu können, dem bekanntlich auch auf dem Gebiete der Diphtherie 
eine so reiche Erfahrung zur Seite steht. 
Koch andere Fragen drängen sich uns in dieser Beziehung auf. Warum nimmt die Infections- 
kraft des von den Membranen genommenen virus so rasch nach dem Tode ab. oder nach der Ent 
fernung vom Lebenden, während doöh dieselben Pilze in äusserster Lebhaftigkeit weiter existiren ? 
Jedenfalls kann man sagen, ist ein Pilz das actiologische Moment, so muss er wenigstens zum Theil 
andere Eigenschaften haben, sich mindestens in einem andern Entwickelungsstudium befinden, welches 
uns jedenfalls noch unbekannt ist. Mögen die vielen Untersuchungen der Diphtherie, welche noch 
immerfort angesellt werden, bald zu einem sicheren Auffinden des krankmachenden agens führen, 
da wir alsdann auch hoffen können ein wirksames Heilmittel gegen dasselbe ausfindig zu machen, 
denn so viel ich erfahren, steht bis jetzt der Arzt, besonders in den Fällen, wo seine Hülfe Noth 
thut. fast grade so hülflos da, wie jeder Uaio. 
Meinem früheren Lehrer Herrn Professor Heiler, dem ich hinsichtlich dieser Arbeit in 
vieler Beziehung mich verpflichtet fühle, spreche, ich hiermit meinen besten Dank aus.
	        

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