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Die Impfungen mit diplitheritischen Stoffen auf die Hornhaut von Kaninchen, welche ich
versuchte gaben in den 4 Fällen jedesmal ein positives Resultat, und es stimmt dasselbe vollständig
überein mit den Versuchen obengenannter Autoren. Ich nahm eine Präparimadel, tauchte dieselbe
in diphtheritische Jauche, die alle Arten von Mikrokokken in enormer Menge enthielt und ritzte
damit die Hornhaut mehrfach ; ausserdem brachte ich noch ein kleines Stückchen einer Membran
in den Conjunctivalsack, welches allerdings durch häufiges Oeffnen und Schliessen der Lider bald
wieder entfernt wurde, allein es musste dann schon eine nicht unerhebliche Menge des virus den
Rissen der Hornhaut eingerieben sein.
Schon am nächsten Tage zeigte sich ein Conjunctivalkatarrh, und im Laufe der zweiten
24 Stunden trat bei allen Kaninchen ein so starke Schwellung der Conjunctiva auf, dass nur eben
noch die cornea zu sehen war. Die Lider befanden sich im Zustande einer starren Infiltration mit
glasigem Aussehen der Schleimhaut, auf derselben reichliche Eechymosen; nicht unbedeutende
Mengen eitrig seröser Flüssigkeiten träufelte aus dem Lidsack beständig heraus. Die eornea hatte
sehen am ersten läge in der Nähe der Risswunden ihren Glanz verloren und am Ende des zweiten
Tages v ai dieselbe gänzlich getrübt. Die Impfstellen zeigten der ganzen Länge nach ein weiss
graues Aussehen, welches sich auch gewöhnlich in den nächsten Tagen bei Ausbreitung des Pro
cesses nicht änderte, nur hie und da trat eine mehr bräunliche Färbung hervor. In einem Falle
entstand ein rundliches ulcus, welches sich schnell nach allen Seiten hin verbreitete. Der Grund
des Geschwürs hatte zwar kein reines Aussehen, wie ein im Reparationsstadium befindliches ulcus
auch war von Vascularisation nichts zu sehen, aber dennoch sah derselbe bei weitem nicht so
schmutzig und pernieiös aus, wie die zackigen, mit der Loupe geradezu unterminirt aussehenden
Ränder. Ich möchte dasselbe als ein dem ulcus serpens (Sämisch) der menschl'chen Hornhaut sehr
ähnliches bezeichnen und hätte grosse Lust einmal in dieser Richtung auch mit der bei jener Form
so heilsamen Spaltung der Hornhaut Versuche anzustellen. Leider musste ich um nicht ganz
degenerirte corneae zu bekommen meine Kaninchen am 4ten Tage spätestens tödten, so dass ich
auch nicht einmal die Allgemeinerkrankung abwarten konnte; meine jetzige Stellung, nöthigte mich
zu möglichst kurzem Aufenthalte im Pathalogischen Institut.
Wie schon gesagt, war bei allen Kaninchen wie, die Section zeigte, keine Allgemein-
erkrankuug cingefreten, obgleich dieselben an ihrer localen Entzündung schwer litten; mehrere von
ihnen pflegten mit dem kranken Auge auf (»der gegen kalte Steine zu liegen, jedenfalls der Kühlung
wegen; dabei frassen sie noch ganz gut und hatten auch bei der Section einen vollen Magen. Den
herausgenommenen bulbus erhärtete ich in Chromsäure und machte dann parallele Schnitte durch die
ulcera der eornea. Da wo der Schnitt den Geschwürsgrand getroffen — ich habe das vorhin be
schriebene Geschwür im Auge — fanden sich Mikrokokken zwar in grosser Menge aber einzeln
und ausserdem viel Detritus, Eiterkörperchen in verschiedenen Stadien — aus dem Conju'nctivalsacke
- Epithelien, während die schönsten Colonienmikrokokken an den Stellen zu sehen waren, wo der
Rand des Geschwürs getroffen. Spiessförmige, oder strahlenförmige Figuren, wie sie von allen
Beobachtern gefunden, waren in grosser Menge vorhanden, und besonders schön sah man ausser der
Anhäufung von Pilzen in den Saftkanälen, das Vordringen des Mikrokokküs zwischen die Fibrillen-
bündel. Keilförmig oder ein spitzes Oval bildend schoben sich die Massen vor, indem im spitzen
Winkel der auseinanderweichenden Fibrillen stets einige vereinzelte Kokken zu sehen waren. Die
bekanntlich vom Rande der eornea her beginnende Eiterung sah ich noch wenig weit vorgeschritten,
und ich befinde mich ja auch glücklicher Weise in der Lage die Anwesenheit der Eiterkörperchen
in' dem Geschwürsgrunde ganz ungezwungen als aus dem Conjunctivalsacko stammend ansehen
zu dürfen.

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