Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Die Impfungen mit diplitheritischen Stoffen auf die Hornhaut von Kaninchen, welche ich 
versuchte gaben in den 4 Fällen jedesmal ein positives Resultat, und es stimmt dasselbe vollständig 
überein mit den Versuchen obengenannter Autoren. Ich nahm eine Präparimadel, tauchte dieselbe 
in diphtheritische Jauche, die alle Arten von Mikrokokken in enormer Menge enthielt und ritzte 
damit die Hornhaut mehrfach ; ausserdem brachte ich noch ein kleines Stückchen einer Membran 
in den Conjunctivalsack, welches allerdings durch häufiges Oeffnen und Schliessen der Lider bald 
wieder entfernt wurde, allein es musste dann schon eine nicht unerhebliche Menge des virus den 
Rissen der Hornhaut eingerieben sein. 
Schon am nächsten Tage zeigte sich ein Conjunctivalkatarrh, und im Laufe der zweiten 
24 Stunden trat bei allen Kaninchen ein so starke Schwellung der Conjunctiva auf, dass nur eben 
noch die cornea zu sehen war. Die Lider befanden sich im Zustande einer starren Infiltration mit 
glasigem Aussehen der Schleimhaut, auf derselben reichliche Eechymosen; nicht unbedeutende 
Mengen eitrig seröser Flüssigkeiten träufelte aus dem Lidsack beständig heraus. Die eornea hatte 
sehen am ersten läge in der Nähe der Risswunden ihren Glanz verloren und am Ende des zweiten 
Tages v ai dieselbe gänzlich getrübt. Die Impfstellen zeigten der ganzen Länge nach ein weiss 
graues Aussehen, welches sich auch gewöhnlich in den nächsten Tagen bei Ausbreitung des Pro 
cesses nicht änderte, nur hie und da trat eine mehr bräunliche Färbung hervor. In einem Falle 
entstand ein rundliches ulcus, welches sich schnell nach allen Seiten hin verbreitete. Der Grund 
des Geschwürs hatte zwar kein reines Aussehen, wie ein im Reparationsstadium befindliches ulcus 
auch war von Vascularisation nichts zu sehen, aber dennoch sah derselbe bei weitem nicht so 
schmutzig und pernieiös aus, wie die zackigen, mit der Loupe geradezu unterminirt aussehenden 
Ränder. Ich möchte dasselbe als ein dem ulcus serpens (Sämisch) der menschl'chen Hornhaut sehr 
ähnliches bezeichnen und hätte grosse Lust einmal in dieser Richtung auch mit der bei jener Form 
so heilsamen Spaltung der Hornhaut Versuche anzustellen. Leider musste ich um nicht ganz 
degenerirte corneae zu bekommen meine Kaninchen am 4ten Tage spätestens tödten, so dass ich 
auch nicht einmal die Allgemeinerkrankung abwarten konnte; meine jetzige Stellung, nöthigte mich 
zu möglichst kurzem Aufenthalte im Pathalogischen Institut. 
Wie schon gesagt, war bei allen Kaninchen wie, die Section zeigte, keine Allgemein- 
erkrankuug cingefreten, obgleich dieselben an ihrer localen Entzündung schwer litten; mehrere von 
ihnen pflegten mit dem kranken Auge auf (»der gegen kalte Steine zu liegen, jedenfalls der Kühlung 
wegen; dabei frassen sie noch ganz gut und hatten auch bei der Section einen vollen Magen. Den 
herausgenommenen bulbus erhärtete ich in Chromsäure und machte dann parallele Schnitte durch die 
ulcera der eornea. Da wo der Schnitt den Geschwürsgrand getroffen — ich habe das vorhin be 
schriebene Geschwür im Auge — fanden sich Mikrokokken zwar in grosser Menge aber einzeln 
und ausserdem viel Detritus, Eiterkörperchen in verschiedenen Stadien — aus dem Conju'nctivalsacke 
- Epithelien, während die schönsten Colonienmikrokokken an den Stellen zu sehen waren, wo der 
Rand des Geschwürs getroffen. Spiessförmige, oder strahlenförmige Figuren, wie sie von allen 
Beobachtern gefunden, waren in grosser Menge vorhanden, und besonders schön sah man ausser der 
Anhäufung von Pilzen in den Saftkanälen, das Vordringen des Mikrokokküs zwischen die Fibrillen- 
bündel. Keilförmig oder ein spitzes Oval bildend schoben sich die Massen vor, indem im spitzen 
Winkel der auseinanderweichenden Fibrillen stets einige vereinzelte Kokken zu sehen waren. Die 
bekanntlich vom Rande der eornea her beginnende Eiterung sah ich noch wenig weit vorgeschritten, 
und ich befinde mich ja auch glücklicher Weise in der Lage die Anwesenheit der Eiterkörperchen 
in' dem Geschwürsgrunde ganz ungezwungen als aus dem Conjunctivalsacko stammend ansehen 
zu dürfen.
	        

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