Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Nach Analogie von P an um ’ s*) Experimenten hinsichtlich der Bedeutung derBacterien für die 
putride Infection versuchte ich durch vielstündiges Kochen von Membranen und Filtriron die Pilze zu 
tödten und durch Impfung unter die Haut, in die Trachea, Injectionen unter die Haut und in die vena 
jugularis ähnliche Resultate zu erzielen, wie mit diphthermischem Impfmaterial bei den frühem Ver 
suchen, allein 5 hierzu verwandte Thiere blieben vollständig gesund. Nachträglich bin ich zu der 
Ansicht gekommen, dass schon die Zeit, welche mit dem Kochen (8 bis 10 Stunden) hingeht allein 
genügt, um die Membranen für specifisckc Infection bedeutend weniger geeignet zu machen, vollends 
wenn diese erst der Leiche entnommen sind ; letzteres aber ist fast nüthigo Bedingung für die Art 
der Impfung, weil man vom Lebenden meistens zu kleine Quantitäten bekommen kann. 
Impfungen in der cornea. Nassilotf der zuerst eine grössere Reihe von Unter 
suchungen mit Impfung verschiedener Substanzen in das Gewebe der cornea machte kam zu dem 
Resultate, dass man allerdings durch manche faulende Stoffe, Keratitis erzeugen könne, welche sich 
äusserlich und makroskopisch garnicht, mikroskopisch aber nur durch das Fehlen der Pilze von der 
durch diphtheritisches Gift hervorgebrachten Keratitis unterscheide. 
Eberth erzeugte sowohl durch Partikeln von diphtheritischen Membranen, von fibrinös - 
eitrigen Exsudaten, von cndocardialen Auflagerungen, durch Blut von Wöchnerinnen an Sepsis zu 
Grunde gegangen mit oder ohne diphtheritischen Wundbelag, durch puriformen Veneninhalt, ja selbst 
durch Kugelbacterien der Mundhöhle u. s. w. Erkrankungen der Hornhaut, die dem diphtheritischen 
Processe analog waren; nur die quantitative Wirksamkeit unterschied alles übrige Impfmaterial von 
dem diphtheritischen, und daraus schliesst Eberth auf die innere Verschiedenheit. 
Dolschenkow**) bekam dieselben mikrosk. Bilder von Hornhäuten, deren schmieriger Be 
lag von faulenden Leichentheilen eingeimpft wurde; nur gingen die Thiere nicht zu Grunde, auch 
fanden sich im Blute und den Geweben keine Pilze. 
0 rth***) hatte ganz dieselben Erfolge bei Impfung mit frischem peritonitischen Exsudate auf 
die Hornhaut von Kaninchen, wie Eberth bei denselben Impfungen mit diphtheritischen Mem 
branen ; die Mikrokokken lagen massenhaft im Cornealgewebe und er konnte beobachten, wie sich 
die Pilze zwischen die resistenten Hornhautfasern einschoben. Nur in sofern stehen die Resultate 
von Orth im Widerspruch mit denen von Eberth, als bei ersterem die Thiere keine Allgemein- 
affection zeigten. 
Dagegen hat Lebertf) durch Impfung mit Lepthotrix buccalis aus der normalen Mund 
höhle eine höchst intensive Hypopyon-Keratitis erzeugt, welche zuerst local bleibt, dann aber grosse 
Neigung zeigt sich auf die übrigen Theile des bulbus zu verbreiten, so dass die Möglichkeit einer 
allgemeinen Pilzinvasion nicht sehr ferne liegt. Wenn man aus diesen Thatsachen schliessen wollte 
dass manche rasch fortschreitende pernieiöse Formen von Keratitis auf Pizbildung beruhe, so ist 
die Erklärung gewiss nicht schwerfällig; nur muss man sich dann sagen, dass die mit Erfolg ein 
geschlagene Therapie vollständig unklar ist. Ich habe da als Beispiel im Auge das ulcus 
serpens“ (Saemisch); ist hier, wie manche Autoren behaupten, eine Pilzvegetation Ursache der 
Krankheit, so muss mir jeder Mensch zugeben, dass die Spaltung der Horhaut als therapeutischer 
Eingriff in diesem Falle nicht minder unverständlich als in seiner Wirkung erfahrungsgemäss sicher 
ist; man sollte doch denken, dass die Entspannung der Hornhaut den Pilzen die Invasion er 
leichtere. Andererseits haben wir bis jetzt, wie in so manchen Fällen, auch beim ulcus ser 
keine bessere Erklärung über die Aetiologie desselben. 
•) Virchow’s Arch. Bd„ LX. Heft 3 und 4. 
**) Centralbl. für die med. Wissensch. Nr. 42. 
***) Unters, üb. Erysipel. Arch, für experimentelle Path. 
f) Ueb. Entzündung der Hornhaut durch septische Infection. Centralbl. für die med. Wissensch. Nr. 9 1874
	        

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