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Nach Analogie von P an um ’ s*) Experimenten hinsichtlich der Bedeutung derBacterien für die
putride Infection versuchte ich durch vielstündiges Kochen von Membranen und Filtriron die Pilze zu
tödten und durch Impfung unter die Haut, in die Trachea, Injectionen unter die Haut und in die vena
jugularis ähnliche Resultate zu erzielen, wie mit diphthermischem Impfmaterial bei den frühem Ver
suchen, allein 5 hierzu verwandte Thiere blieben vollständig gesund. Nachträglich bin ich zu der
Ansicht gekommen, dass schon die Zeit, welche mit dem Kochen (8 bis 10 Stunden) hingeht allein
genügt, um die Membranen für specifisckc Infection bedeutend weniger geeignet zu machen, vollends
wenn diese erst der Leiche entnommen sind ; letzteres aber ist fast nüthigo Bedingung für die Art
der Impfung, weil man vom Lebenden meistens zu kleine Quantitäten bekommen kann.
Impfungen in der cornea. Nassilotf der zuerst eine grössere Reihe von Unter
suchungen mit Impfung verschiedener Substanzen in das Gewebe der cornea machte kam zu dem
Resultate, dass man allerdings durch manche faulende Stoffe, Keratitis erzeugen könne, welche sich
äusserlich und makroskopisch garnicht, mikroskopisch aber nur durch das Fehlen der Pilze von der
durch diphtheritisches Gift hervorgebrachten Keratitis unterscheide.
Eberth erzeugte sowohl durch Partikeln von diphtheritischen Membranen, von fibrinös -
eitrigen Exsudaten, von cndocardialen Auflagerungen, durch Blut von Wöchnerinnen an Sepsis zu
Grunde gegangen mit oder ohne diphtheritischen Wundbelag, durch puriformen Veneninhalt, ja selbst
durch Kugelbacterien der Mundhöhle u. s. w. Erkrankungen der Hornhaut, die dem diphtheritischen
Processe analog waren; nur die quantitative Wirksamkeit unterschied alles übrige Impfmaterial von
dem diphtheritischen, und daraus schliesst Eberth auf die innere Verschiedenheit.
Dolschenkow**) bekam dieselben mikrosk. Bilder von Hornhäuten, deren schmieriger Be
lag von faulenden Leichentheilen eingeimpft wurde; nur gingen die Thiere nicht zu Grunde, auch
fanden sich im Blute und den Geweben keine Pilze.
0 rth***) hatte ganz dieselben Erfolge bei Impfung mit frischem peritonitischen Exsudate auf
die Hornhaut von Kaninchen, wie Eberth bei denselben Impfungen mit diphtheritischen Mem
branen ; die Mikrokokken lagen massenhaft im Cornealgewebe und er konnte beobachten, wie sich
die Pilze zwischen die resistenten Hornhautfasern einschoben. Nur in sofern stehen die Resultate
von Orth im Widerspruch mit denen von Eberth, als bei ersterem die Thiere keine Allgemein-
affection zeigten.
Dagegen hat Lebertf) durch Impfung mit Lepthotrix buccalis aus der normalen Mund
höhle eine höchst intensive Hypopyon-Keratitis erzeugt, welche zuerst local bleibt, dann aber grosse
Neigung zeigt sich auf die übrigen Theile des bulbus zu verbreiten, so dass die Möglichkeit einer
allgemeinen Pilzinvasion nicht sehr ferne liegt. Wenn man aus diesen Thatsachen schliessen wollte
dass manche rasch fortschreitende pernieiöse Formen von Keratitis auf Pizbildung beruhe, so ist
die Erklärung gewiss nicht schwerfällig; nur muss man sich dann sagen, dass die mit Erfolg ein
geschlagene Therapie vollständig unklar ist. Ich habe da als Beispiel im Auge das ulcus
serpens“ (Saemisch); ist hier, wie manche Autoren behaupten, eine Pilzvegetation Ursache der
Krankheit, so muss mir jeder Mensch zugeben, dass die Spaltung der Horhaut als therapeutischer
Eingriff in diesem Falle nicht minder unverständlich als in seiner Wirkung erfahrungsgemäss sicher
ist; man sollte doch denken, dass die Entspannung der Hornhaut den Pilzen die Invasion er
leichtere. Andererseits haben wir bis jetzt, wie in so manchen Fällen, auch beim ulcus ser
keine bessere Erklärung über die Aetiologie desselben.
•) Virchow’s Arch. Bd„ LX. Heft 3 und 4.
**) Centralbl. für die med. Wissensch. Nr. 42.
***) Unters, üb. Erysipel. Arch, für experimentelle Path.
f) Ueb. Entzündung der Hornhaut durch septische Infection. Centralbl. für die med. Wissensch. Nr. 9 1874

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