Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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sie hätten nach Oertel vielleicht noch diphtheritisch entarten können, aber vorläufig schienen sie 
nicht specifischer Natur. Impfversuche mit denselben schlugen gänzlich fehl; die Tracheotomie 
wunden der geimpften Thiere heilten p. prim. int. und in dem Befinden derselben trat nicht die 
leiseste Störung ein, Selbstverständlich bleibt bis jetzt diese Membranbildung charakteristisch , und 
wenn ich keine Erfolge gehabt mit der zweiten Impfung, so ist die Zahl der Versuche viel zu gering, 
um darauf irgend grösseres Gewicht zu legen. Wie schon angedeutet, wäre es leicht denkbar, dass 
ich einen secundären Krup, nach Oertel, erzeugt hätte 
Bluteinspritzungen* Einen Versuch, der von nicht geringer Wichtigkeit sein musste 
bei der Entscheidung, ob nur der Pilz Träger des Contagium oder ob dasselbe auch ohne Pilz 
irgendwo vorhanden, habe ich leider zu selten machen können, ich meine die Uebertragung von Blut 
eines Diphtheriekranken aut ein Thier. In letzter Zeit war Herr Prof. Bartels so gütig, mir die 
Erlaubniss zu geben, einem derartigen Kranken eine kleine Portion Blut zu entziehen, sobald Ge 
legenheit vorhanden, aber leider fehlte diese bis jetzt. Natürlich musste man Blut von einem an der 
sg. septischen Form erkrankten nehmem, und desshalb ist es unschwer verständlich, wesshalb man 
sich nur ungerne zu einer geeigneten Blutentziehung versteht, Einmal bin ich nur [in der Lage 
gewesen reichlich 20 Grm. defibrinirten Blutes von einem schwer an Rachendiphtherie erkrankten 
Knaben zu nehmen und mittelst einer kleinen Injectionsspritze 2 Kaninchen die Quantität unter 
die Haut zu spritzen. Ich hatte vor der Blutentziehung auf mikroskopischem Wege von der Ab 
wesenheit der Pilze im Blute mich überzeugt. Beide Kaninchen blieben ohne die leisesten Symptome 
einer Erkrankung. 
Anders verhielt es sich mit der Injection von Leichenblut unter die Haut. Von einem an 
heftiger Rachen- und Nasendiphtherie gestorbenen 15jährigen Knaben nahm ich aus dem Herzen 
so viel Blut, als ich bekommen konnte. Bei der Untersuchung des Blutes vor dem Tode waren keine 
Pilze gefunden. Die Section konnte erst etwa 20 Stunden nach dem Tode gemacht werden und in 
dem Blute, welches ich jetzt zur Impfung benutzte fanden sich allerdings grosse Mengen von rund 
lichen und länglich geformten Pilzen in lebhafter Bewegung begriffen. Jedes Kaninchen von drei 
dazu verwandten, bekam an drei Stellen zusammen ungefähr 15 Grm. unter die Haut gespritzt. 
Gleich nacher befanden sich die Thiere äusserst wohl und zeigten auch während des Tages keine 
Symptome einer Erkrankung. Am nächsten Morgen indess sassen alle drei traurig in einer Ecke des 
Stalles, waren leicht zu fassen und in ihren Bewegungen sehr lahm. Die Injectionsstellen schienen 
etwas geschwollen und die Berührung derselben war den Thieren augenscheinlich schmerzhaft. Die 
Athmung frequenter als in der Norm; hin und wieder schienen sie Hunger zu spüren, begannen 
auch zu fressen, standen indess stets bald wieder davon ab. Am nächsten Morgen waren alle drei 
dem Tode nahe, sassen ruhig, langsam und selten respirirend in der Ecke und noch vor Mittag 
starben sie sämmtlnch, reichlich 48 Stunden nach der Injection. Bei der Section fand sich das 
Unterhautzellgewebe nicht nur, sondern auch die Muskeln in grossem Umkreise um die Injections- 
stelle stark blaugrau verfärbt, am stärksten die Parthie in unmittelbarer Nähe der Injectionsstelle, 
welche selbst noch eine schmutzig schwärzlich braune Färbung zeigte; hier fanden sich auch Pilze, 
rundlich wie länglich in nicht geringer Zahl; die Muskeln hatten das Aussehen wie früher bei 
Impfungen mit Membranen geschildert; Ecchymosen in nicht geringer Zahl und Verbreitung fielen 
besonders bei einem Kaninchen auf, welches auch auf sämmtlichen serösen Häuten dieselbe Er 
scheinung zeigte. Die Nieren unmerklich vergrössert, Gefässe normal, Blutungen in einzelnen glomerulis 
Epithelien der Harnkanälchen bedeutend geschwollen und in verschiedenen Stadien der körnigen 
Degeneration befindlich. Mikrokokken im Blute und den Geweben nur in verschwindend kleiner 
Zahl vorhanden, mit Sicherheit nicht nachzuweisen.
	        

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