Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

sich zu verhalten, auf desseu unversehrte Oberfläche der Impfstoff gebracht wird. Eberth ist der 
Ansicht, dass von einer Wunde aus gelegentlich sehr leicht eine Pilzinvasion vor sich gehen kann, 
während er bei den schwersten Formen von Rachendiphtherie niemals Pilze im Blnte und den 
Geweben gefunden hat. 
Die mikroskopische Untersuchung der Nieren zeigte in den meisten Fällen eine trübe 
Schwellung der Epithelien in den Harnkanälchen. 
Einige Male fand ich die Nieren vollständig normal. Die Trübung und Schwellung der 
Epithelien war niemals so hochgradig, wie sie bei schwerer Rachendiphtherie des Menschen zu sein 
pflegt; namentlich sah ich keine körnige Degeneration die zur Verwechslung mit Pilzen hätte Ver 
anlassung geben können. Durchaus keine Veränderung Hessen die Blutgefässe erkennen; Blutaus- 
austritte innerhalb des glomerulus habe ich nur selten beobachtet. 
Die Membran in der Trachea sass, wie schon bemerkt, stets nur lose auf, unter derselben 
fand sich die Schleimhaut hyperämisch, mit manchen Ecchymosen versehen und aufgelockert. Die 
Epithelien befanden sich in ziemlich hochgradiger Entartung; sie waren stark gequollen, der Kern 
vergrössert und mehr oder Weniger Alveolcnbildung emgctieten Auch fanden sich hier und da 
grössere und kleinere Lucken in der Zellmembran, die an andern Stellen vdeder mit der Nachbar 
wand fest verbunden schien. Zum Theil waren noch Reste der Flimmerkrone erhalten, aber gewöhnlich 
war dieselbe verloren gegangen. Das submücöse Gewebe fand ich kaum irgendwie verändert, während 
das zunächst unter dem Epithel gelegene Gewebe mit Eiterkörperchen und freien Kernen durch 
setzt war. Der grösste Theil der eigentlichen Membran bestand lediglich aus Eiterkörperchen ver 
schiedener Degeneration. 
Die Hauptsache von Allem aber, die Mikrokokken fanden sich in verhältnissmässig geringer 
Anzahl. Einzelne Klümpchen Zoogloea, geringe Anhäufungen von Mikrokokken in Colonien; einzelne 
Mikrokokken durchsetzten die Membran, aber im Schleimhautgewebe sah ich keinen Pilz. 
Nasssilo ff tracheotomirte ein Kaninchen — Tod nach 30 Stunden — und erzielte eine 
feine Membran aus Fibrin und Eiterkörperchen, dem aber das Thier keineswegs erlägen sein konnte, 
sondern wahrscheinlich dem rasch entstandenen Abscesse in der Umgebung der Hautwunde. Pilze 
fand er ebenfalls in verschwindend kleiner Menge in der Membran. 
T rcudelenburg fand wie ich nur Membranen von geringer Ausdehnung, während 0 e r t e 1 
zolllange Belä-m aufzuweisen hatte; in manchen tödtlioh verlaufenden Fällen fand er nur einen 
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Katarrh der Luftwege 
Ich glaube darnach, dass meine Todesfälle in Folge der Impfung durch Tracheotomie, 
jedenfalls nicht mit der Membranbildung und dem Katarrh der Luftwege in unmittelbare Verbindung 
zu bringen sind, sondern mit der Entzündung um die Wunde. 
Nassiloff gab das Impfen auf diesem Wege ganz auf, weil ihm die Thiere gleichfalls an 
der Entzündung um die Wunde zu sterben schienen. Es bliebe uns daher nur noch als Hauptmerkmal 
für die Diphtherie die Membranbildung. Wie lange aber mag noch darüber hingehen, bis man auch 
durch andere Substanzen ähnliche Bildungen hervorruft, hat doch Eberth durch sehr verschiedene 
Stoffe Diphtherie der cornea erzielt, und Dotschenkow*) durch schmierigen Belag auf faulenden 
Leichentheilen fast dieselben Vorgänge auf der cornea von Kaninchen, mit Mikrokokken und den 
schönsten Sternfiguren aus denselben bestehend, hervorzubringen vermocht. 
Die Membranen, welche ich bei meinen Kaninchen gesehen trugen kein besonderes Gepräge; 
*) Centralbl. für d. med W. Nr. 42.
	        

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