Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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diese Anschauung ist doch nicht recht verständlich. Kaninchen gehen nach kaum 2 Tagen von der 
Impfung an gerechnet zu Grunde mit ausgesprochener Diphtherie und an Leichen von Menschen, 
die zuerst an Diphtherie erkrankten und zwar an einer so heftigen, dass dadurch ein secundärer 
Krup entstand, der dann erst den Tod herbeiführte, ohne dass man in der Leiche Symptome von 
Allgemeinerkrankung fand; mir scheint darin liegen geringe Widersprüche. Die Ansicht Oertels 
über den secundären Krup ist meines Wisses auch anders als bei andern Autoren. Buhl ist der 
Meinung, dass er durch die Schwere der Allgemeinerkrankung hervorgerufen wird, Andere sehen 
den Krup an als eine Steigerung des die Diphtherie begleitenden Katarrhs der Luftwege, Manche 
halten Krup und Diphtheritis für denselben Process, aber dass ein Autor meint, von der diphtheritisch 
afficirten Stelle gehe ein agens aus, welches in nächster Nähe einmal Krup erzeuge, während 
meistens nur ein Weiterschreiten des diphtheritischen Belages stattfindet, das finde ich nirgends 
angegeben. 
Den geringsten positiven Erfolg habe ich bei meinen Impfungen durch die Tracheotomie 
gehabt. Nur bei 3 Thieren von 15 durch Tracheotomie geimpften habe ich eine Membran in der 
Trachea erzeugen können; allerdings ist T rend eien bur g nicht glüchlicher gewesen. Gestorben sind 
mir von den 15 geimpften Kaninchen S und zwar alle unter fast ganz gleichen Erscheinungen. Es 
entwickelte sich schon am zweiten Tage eine rasch zunehmenden Entzündung mit hochgradiger 
seröser Exsudation in der Gegend um die Wunde. Die am ersten Tage meist noch wenig afficirten 
Thiero bekamen Dyspnoe, die drei bei denen sich Membranbildung fand etwas heftiger und in 
48 — 80 Stunden trat der Tod ein. 
Die Membran, welche sich gebildet hatte, war in keinem Falle so hochgradig, dass dadurch 
zunächst der Tod eintrat. Ausserdem haftete dieselbe nur ganz lose an der Schleimhaut. Katar 
rhalische Affection der Schleimhaut zeigte sich in weit grösserer Ausdehnung während die eigentliche 
Membran nur in einer Länge von 1 bis 2 Ctm. um die Wunde sich erstreckte. Alle drei Thiero waren 
mit dem schmierigen oberii Theil von Membranen aus dein Rachen geimpft, bei einem derselben 
vom Lebenden genommen, bei zweien von einer Leiche wenige Stunden nach dem Tode. 
Die Trachealwunde — der Hautschnitt war natürlich genäht - fand sich in diesen Fällen 
verklebt; in der Umgebung derselben war von der Wundfläche ausgehend eine eitrig-jauchige Ent 
zündung entstanden. Die ganze untere Halsgegend war stark geschwollen, und in mehreren Fällen fand 
sich schon massenhafter Eiter beim Einschnitte, während in andern Fällen mehr seröse Infiltration 
die Schwellung bewirkt hatte. Vielfache kleine Blutungen fanden sich meistens in nächster Um 
gebung der Wunde, mehr noch auf der Schleimhaut der trachea. 
Bei der makroskopischen Besichtigung habe ich an den innern Organen eigentlicli weiter 
nichts als in einigen Fällen kleine Blutaustritte gesehen, die Nieren zeigten ebenfalls kaum eine 
Veränderung ausser einer leichten Hyperämie. 
Das^ Blut zeigte in allen Fällen keine Spur von Pilzen weder während des Lebens noch 
wahrend des Todes ; ein einziger Fall könnte vielleicht ausgenommen werden, wenn ich nicht Grund 
hatte anzunehmen, dass beim Auffangen dos Blutes aus dem Herzen Verunreinigungen passirten; 
während des Lebens hatten bei diesem Thiero die mehrfachen Untersuchungen auf Pilze im Blute 
ein unzweifelhaft negatives Resultat ergeben. 
In der Muskulatur des Halses, ganz nahe der Trachealwunde, an einer Stelle wo ein 
Muskel direct angeschnitten und diphtheritisches Secret in die Continuitätstrennung hineingelangt schien, 
fand sich die Pilzvegetation und Zerstörung des Gewebes ziemlich ähnlich, wie es die Oertelschen 
Abbildungen zeigen. Ebenso wie die unversehrte Schleimhaut der Infection sehr constant wieder 
steht, jedenfalls bei Thier eil, scheint mir auch nach meinen Untersuchungen ein Gewebe des Körpers
	        

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