Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

naheliegenden Theile, hatte ein bläuliches Ansehen und bei der mikroskopischen Untersuchung fand 
sich vielfach körnige Trübung bei aufgehobener Querstreifung. Die innern Organe zeigten weder 
makroskopisch noch mikroskopisch auffallende Yeränderungen. Die Nieren speciel verhielten sich 
vollkommen normal. Von Blutungen auf den serösen Häuten war keine Spur zu finden. Die 
Wandung der Abscesshöhle bestand grösstentheils aus Eiterkörperchen; Pilze fand ich nur wenige 
darin. Im Blute keine Spur von Pilzen. 
So rasch nun wie diese Thiere starben, habe ich sonst keine der Impfung erliegen sehen, und 
es ist besonders der geringe positive Sectionsbefund zu bewundern. Die eigentliche Todesursache 
lässt sich nicht ersehen, nur wage ich zu behaupten, dass sie in einer Pilzinvation nicht lag. 
Drei Thiere mit festen Membranen geimpft gerade so wie die vorigen gingen ebenfalls 
zu Grunde und zwar das erste nach etwa 48 Stunden, das andere nach 60 und das dritte naeh 
reichlich 70 Stünden. Alle wurden kurz nach dem Tode secirt und während bei dem ersten und 
letzten nur die früher geschilderten Erscheinungen sich zeigten, verhielt das zweite Thier sich etwas 
anders. Bei ihm fand ich die Wände der Abscesshöhle aneinanderliegend; in der Umgebung nach 
allen Seiten seröse Infiltration des Zellgewebes, so dass bei einem Schnitte erhebliche Mengen blutig 
seröser Flüssigkeit abflossen; in den nächstliegenden Geweben vielfache kleine Blutungen; die 
Muskeln stark verfärbt und vollständig degenerirt. Die Brusthöhle und deren Organe normal, 
nur vielfache kleine Blutungen auf den serösen Ueberzügen. Auch die Peritonealauskleidung war 
nicht frei von Blutungen und der seröse Ueberzug des ganzen Darmtractus reichlich damit versehen. 
Ebenfalls der Ueberzug aller Organe der Bauchhöhle. Die Nieren waren mikroskopisch 
vielleicht etwas hyperämisch aber eine bedeutende Veränderung an ihnen nicht wahrzunehmen. 
Mikroskopisch fanden sich in der Abscesswand besonders aber da, wo beide Wände anein 
ander lagen zahlreiche Mikrokokken in allen Formen. Gegen die Muskeln hin nahmen die Pilze 
rasch ab° und in den unterliegenden Geweben habe ich keine als Pilze anzusprechende Körperchen 
gefunden; die schon früher beschriebenen Veränderungen in der Muskulatur fanden sich auch hier, 
aber keine mit Pilzanhäufung zu verwechselnde Stellen. Die verschiedenen Organe befanden sich 
im Anfann-sstadium der parenchymatösen Veränderungen; die Niere zeigte an den Blutgefässen 
keine Abnormität, während die Epithelien der Harnkanälchen mannigfach getrübt erschienen. 
Pilze konnte ich nicht erkennen. Das Blut war während des Lebens sowohl wie auch in der Leiche 
vollständig normal. 
Wenn ich nun diese Versuche zusammenfasse, so will ich hier über die Wirksamkeit des 
Impfmaterials noch nichts sagen, sondern erst nach den andern Imptversuchen. Vor allen Dingen 
aber muss ich einen Umstand besprechen, nämlich den raschen Tod der Thiere. Mir will es scheinen 
als wenn die Dauer der Erkrankung zu gering sei, als dass man erwarten dürfte, dass die Verände 
rungen analog sein könnten denen, die wir bei Menschen beobachten, die am 7 bis 12 Tage, oder 
noch später gestorben sind; somit würden auch diese Impfungen nicht zum gewünschten Ziele führen. 
Die & vou Oertel auf dieselbe Weise geimpften Thiere gingen nach 46 bis 48 Stunden zu 
Grunde; er fand verschieden hochgradige Veränderungen. Im Blute bald grössere Mengen von 
Pilzen bald geringe; in den Muskeln bedeutende Zerstörungen, was wohl davon herrühren mag, 
dass er auch dirlct in dieselben tineinimpfte. Bei eiucm tracheotomirten Kaninchen in dessen 
Muskeln zufällig Impfstoff hineingekommen, habe ich auch einmal ähnliche Zerstörungen beobachtet. 
Wenn nun aber Oertel in der Leiche von solchen Kindern, die an secundärem 
Larynxkrup gestorben waren, welcher durch die ursprüngliche Rachendiphtherie bedingt gewesen, 
keine Veränderungen findet, so erklärt er dies allerdings damit, dass er sagt, der Tod durch 
Larynxkrup trat ein bevor es zu allgemeiner Blutvergiftung durch die Diphtherie kam. Indess
	        

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