Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

20 
Die Impfung wurde gemacht bei zwei Kaninchen, einem grossen grauen und einem eben 
falls sehr kräftigen schwarzen Exemplar. Beide befanden sich nach dem operativen Eingriffe durch 
aus wohl. Am nächsten Tage begann bei dem grauen Kaninchen eine Schwellung in der Umgehung 
der Wunde, die sich in den nächsten Tagen noch bedeutend vergrösserte. Das Thier schien in 
seinem subjectiven Befinden durchaus nicht davon afficirt zu sein, es war munter, frass gut und 
bewegte sich lebhaft. Schon vor der Impfung hatte ich das Blut des Thieres untersucht und einzelne 
kleine rundliche Körperchen darin gefunden; ich pflegte mir das Blut durch einen Einstich in eine 
kleine Arterie des vorher sehr sorgfältig rasirten und gereinigten Ohres zu verschaffen. Diese 
Untersuchung setzte ich bei dem Thiere täglich fort ohne eine Veränderung zu bemerken. Die 
genähte Wunde that sich am 7. Tage auseinander und zeigte eine grosse Abscesshöhle. Leider 
vergass ich von nun an das Secret dieses Abscesses täglich zu untersuchen, nur weiss ich, dass 
ich nach 14 Tagen, wo noch immer eine grosse Höhle auf dem Rücken des Thieres bestand, nur 
eine ganz verschwindend kleine Anzahl von Mikrokokken in Colonien und in Gail jrtmassen antraf. 
Zu derselben Zeit, das Thier hatte nicht unerheblich abgenommen, war auch häufig still in einer 
Ecke sitzend gefunden, hatte aber stets gut gefressen und erholte sich schon wieder — bemerkte 
ich auch im Blute eine nicht geringe Zahl kleinster rundlicher Körperchen in lebhafter Bewegung, 
ebenfalls einzelne länglich geformte; ausserdem farblose Blutkörperchen in grosser Anzahl und von 
verschieden degenerirter Beschaffenheit. Allerdings muss ich unentschieden lassen, in welchem 
ätiologischen Zusammenhänge die kleinen Körperchen zu den degenerirten farblosen Blutkörperchen 
standen. Alle Erseheinungen schwanden indess, und nach etwas mehr als 6 Wochen war das Thier 
vollständig genesen. 
Das zweite Kaninchen erkrankte garnicht Es etablirte sich an der Schnittwunde und in 
nächster Umgebung ein kleiner Abscess mit geringer Schwellung der Gewebe, ohne dass im Be 
finden des Thieres eine Aenderung eintrat; nach einigen Wochen vollständige Heilung der Impf 
stelle. Auf dieselbe Weise habe ich noch andere 8 Kaninchen geimpft, wovon 5 rasch starben, 
während 3 mehr oder weniger in der Weise wie das zuerst geimpfte graue Kaninchen erkrankten. 
Die letztgenannten drei Thiere waren wie die ersten beiden mit unzweifelhaft diphtheritisdien Mem 
branen, aber erst reichlich 24 Stunden nach dem Tode von den Tonsillen genommen geimpft. 
Von den Thieren, welche der Impfung erlagen wurden 2 mit diphtheritischen Membranen 
von den Tonsillen eines schwer erkrankten Mädchens am 7ten Tage der Krankheit geimpft. Dnrch 
einen Schnitt von der Länge eines Ctm. neben der Wirbelsäule wurde der Impfstoff unter die Haut 
gebracht, und die Wunde durch zwei Nähte sorgfältig verschlossen. Die am Morgen geimpften 
Thiere befanden sich bis gegen Abend vollständig wohl; dann aber wurden sie ruhig, sassen traurig, 
rasch athmend in einer Ecke. Am andern Morgen hatten sie noch dieselbe Stellung innegehalten, 
Hessen sich kaum fortbringen und machten nur sehr lahme Bewegungen; im Laufe des Vormittages 
— die Impfstellen beider waren nicht unbedeutend geschwollen — starb unter zunehmender Ath- 
mungsfrequenz das eine Thier und schon um Mittag das andere. 
Die Section wurde sogleich gemacht. Weder während des Lebens noch bei der Section 
zeigte das Blut etwas Abnormes. Die Wunde in der Haut war leicht verklebt und in der Umge 
bung derselben nach allen Seiten eine seröse Infiltration des subsutanen Gewebes vorhanden. An 
der Impfstelle fand sich eine Abscesshöhle deren Wandungen einen schmutzig grauen Belag zeigten, 
welcher gegen das darunterliegende bläulich aussehende Muskelgewebe scharf abstach, gleichsam 
als wenn es einen Schutz gewährte gegen die Berührung der untenliegenden Theile mit den noch 
vorhandene Bröckeln des Impfmaterials. 
Einzelne Blutungen fanden sich in der Nähe der Abscesshöhle. Die Muskulatur der
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.