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Die Impfung wurde gemacht bei zwei Kaninchen, einem grossen grauen und einem eben
falls sehr kräftigen schwarzen Exemplar. Beide befanden sich nach dem operativen Eingriffe durch
aus wohl. Am nächsten Tage begann bei dem grauen Kaninchen eine Schwellung in der Umgehung
der Wunde, die sich in den nächsten Tagen noch bedeutend vergrösserte. Das Thier schien in
seinem subjectiven Befinden durchaus nicht davon afficirt zu sein, es war munter, frass gut und
bewegte sich lebhaft. Schon vor der Impfung hatte ich das Blut des Thieres untersucht und einzelne
kleine rundliche Körperchen darin gefunden; ich pflegte mir das Blut durch einen Einstich in eine
kleine Arterie des vorher sehr sorgfältig rasirten und gereinigten Ohres zu verschaffen. Diese
Untersuchung setzte ich bei dem Thiere täglich fort ohne eine Veränderung zu bemerken. Die
genähte Wunde that sich am 7. Tage auseinander und zeigte eine grosse Abscesshöhle. Leider
vergass ich von nun an das Secret dieses Abscesses täglich zu untersuchen, nur weiss ich, dass
ich nach 14 Tagen, wo noch immer eine grosse Höhle auf dem Rücken des Thieres bestand, nur
eine ganz verschwindend kleine Anzahl von Mikrokokken in Colonien und in Gail jrtmassen antraf.
Zu derselben Zeit, das Thier hatte nicht unerheblich abgenommen, war auch häufig still in einer
Ecke sitzend gefunden, hatte aber stets gut gefressen und erholte sich schon wieder — bemerkte
ich auch im Blute eine nicht geringe Zahl kleinster rundlicher Körperchen in lebhafter Bewegung,
ebenfalls einzelne länglich geformte; ausserdem farblose Blutkörperchen in grosser Anzahl und von
verschieden degenerirter Beschaffenheit. Allerdings muss ich unentschieden lassen, in welchem
ätiologischen Zusammenhänge die kleinen Körperchen zu den degenerirten farblosen Blutkörperchen
standen. Alle Erseheinungen schwanden indess, und nach etwas mehr als 6 Wochen war das Thier
vollständig genesen.
Das zweite Kaninchen erkrankte garnicht Es etablirte sich an der Schnittwunde und in
nächster Umgebung ein kleiner Abscess mit geringer Schwellung der Gewebe, ohne dass im Be
finden des Thieres eine Aenderung eintrat; nach einigen Wochen vollständige Heilung der Impf
stelle. Auf dieselbe Weise habe ich noch andere 8 Kaninchen geimpft, wovon 5 rasch starben,
während 3 mehr oder weniger in der Weise wie das zuerst geimpfte graue Kaninchen erkrankten.
Die letztgenannten drei Thiere waren wie die ersten beiden mit unzweifelhaft diphtheritisdien Mem
branen, aber erst reichlich 24 Stunden nach dem Tode von den Tonsillen genommen geimpft.
Von den Thieren, welche der Impfung erlagen wurden 2 mit diphtheritischen Membranen
von den Tonsillen eines schwer erkrankten Mädchens am 7ten Tage der Krankheit geimpft. Dnrch
einen Schnitt von der Länge eines Ctm. neben der Wirbelsäule wurde der Impfstoff unter die Haut
gebracht, und die Wunde durch zwei Nähte sorgfältig verschlossen. Die am Morgen geimpften
Thiere befanden sich bis gegen Abend vollständig wohl; dann aber wurden sie ruhig, sassen traurig,
rasch athmend in einer Ecke. Am andern Morgen hatten sie noch dieselbe Stellung innegehalten,
Hessen sich kaum fortbringen und machten nur sehr lahme Bewegungen; im Laufe des Vormittages
— die Impfstellen beider waren nicht unbedeutend geschwollen — starb unter zunehmender Ath-
mungsfrequenz das eine Thier und schon um Mittag das andere.
Die Section wurde sogleich gemacht. Weder während des Lebens noch bei der Section
zeigte das Blut etwas Abnormes. Die Wunde in der Haut war leicht verklebt und in der Umge
bung derselben nach allen Seiten eine seröse Infiltration des subsutanen Gewebes vorhanden. An
der Impfstelle fand sich eine Abscesshöhle deren Wandungen einen schmutzig grauen Belag zeigten,
welcher gegen das darunterliegende bläulich aussehende Muskelgewebe scharf abstach, gleichsam
als wenn es einen Schutz gewährte gegen die Berührung der untenliegenden Theile mit den noch
vorhandene Bröckeln des Impfmaterials.
Einzelne Blutungen fanden sich in der Nähe der Abscesshöhle. Die Muskulatur der

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