nach der verschiedenen Localität ihrer Entstehung, nach der Dauer des diphtheritischen Prozesses,
je nachdem sie vom Lebenden oder von der Leiche genommen sind, sich sehr bedeutend unterscheiden.
Wenn es auch nicht der Zweck meiner Arbeit ist, die pathologisch-anatomischen Verände
rungen bei der Diphtheritis in allen Einzelheiten zu beschreiben, und desshalb auch die selbständig
beobachteten Vorgänge bei Entstehung der diphthcritschen Auf- oder Einlagerungen unberücksichtigt
gelassen werden, so will ich doch kurz die Ansichten der ersten Autoren über diesen Gegenstand
erwähnen.
Durch Virchow wurde zuerst eine auf pathologisch - anatomischer Grundlage beruhende
Erklärung des localen Vorganges bei Bildung einer diphtheritischen Membran gegeben. Nach ihm
findet sich kein Exsudat, sodern die sog, Membran entsteht durch Nccrobiose des Schleimhautge
webes ; die Gewebselemente, besonders die Zellen füllen sich rasch mit einer trüben Substanz und
zerfallen unter Freiwerden von Fett.
Buhl bezeichnet den Vorgang als „acute Verschorfung, acute Gewebsnccrose“ und erklärt
das Zustandekommen derselben durch die sog. diphtheritische Infiltration aus Zellen bestehend
analog den farblosen Blutkörpern und besonders aus freien Kernen; durch die massenhafte Ivern-
wucherung werden die Gefässc comprimirt und so das Absterben des Gewebes bewirkt.
Wagner ist der Ansicht, dass die Membranen durch eine faserstoffige Metamorphose der
Epithelien zu Stande komme. Die erste Veränderung einer befallenen Schleimhautstelle beginnt
mit einer allseitigen Vorgrösserung der Zellen, erzeugt durch Vermehrung des Protoplasma. Dann
sieht man zuerst an der Peripherie, später auch im Centrum ovale oder rundliche Lücken auftreten,
der Kern verschwindet und die Zellmembran wird an verschiedenen Stellen durchbrochen; so be
kommt die Zelle ein zackiges Ansehen, die Zacken stehen mit den benachbarten Zellen in Ver
bindung, die Lücken werden grösser und in ihnen sieht man je nach der Beschaffenheit, ob rein
krupös oder krupös-diphthcritisch oder rein diphtheritisch, Eiterkörperchen, Blutkörperchen, freie
Kerne sich ablagern und wir haben darnach die Zusammensetzung der einzelnen Membran W. un
terscheidet die Membranen nicht so streug, wie die meisten andern Autoren, sondern noch immer
mehr graduell.
Nassiloff hat die Verbindung der Zacken verschiedener Epithelien (Wagner) niemals
gesehen und sucht die eigenthümliche Gcstaltveränderung der Epithelien dadurch zu erklären, dass
er meint die Zellen seien in ähnlicher Weise contractil geworden, wie dies bei den Hornhautepi-
thelien nach Beizung beobachtet ist von v. Böcklinghauseu, Hoffmann und Stricker.
Oertel lässt die eigenthümlichen grossen Zellen einer Krupmembran durch Gerinnung
von hyalinem bewegungsfähigem Protoplasma entstehen. Er nimmt zuerst besondere Bücksicht auf
die Pilze, indem er den Unterschied von Krup und Diphtheritis streng aufrecht erhält und hierin
den Ansichten Buhls beitritt. Sodann kann nach ihm eine Krupmembran diphtheritisch entarten;
übrigens hat er eine eigenthümliche Ansicht über den secundären Krup, wovon später.
Die von Oertel beschriebenen Formen von Mikrokokken sind nun in den Membranen un
schwer aufzufinden. Meine ersten Impfungen an Kanninchen machte ich durch Einbringen mehrerer
Membranstückchen unter die Haut dos Bückens neben der Wirbelsäule.
Impfungen mit Membranen unter die Haut von Kaninchen. Das Impfmaterial
war 24 Stunden nach dem Tode aus der Leiche eines an reiner Baehendiphtherio gestorbenen
10jährigen Knaben genommen. Bei der mikroskopischen Untersuchung fand man die obersten
Schichten der Membran fast ganz aus ruhendem Mikrokokkus in Colonien oder als zoogloea in
einzelnen Klümpfehen; in der Objectflüssigkeit enorme Mengen von einzelnen theils rundlicher
theils mit einem bisweilen mit zwei kleinen Fortsätzen versehenen Kokken; dann längliche Formen
alle in lebhaftester Bewegung; auch Leptothrix buccalis in nicht geringer Anzahl.
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