Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

nach der verschiedenen Localität ihrer Entstehung, nach der Dauer des diphtheritischen Prozesses, 
je nachdem sie vom Lebenden oder von der Leiche genommen sind, sich sehr bedeutend unterscheiden. 
Wenn es auch nicht der Zweck meiner Arbeit ist, die pathologisch-anatomischen Verände 
rungen bei der Diphtheritis in allen Einzelheiten zu beschreiben, und desshalb auch die selbständig 
beobachteten Vorgänge bei Entstehung der diphthcritschen Auf- oder Einlagerungen unberücksichtigt 
gelassen werden, so will ich doch kurz die Ansichten der ersten Autoren über diesen Gegenstand 
erwähnen. 
Durch Virchow wurde zuerst eine auf pathologisch - anatomischer Grundlage beruhende 
Erklärung des localen Vorganges bei Bildung einer diphtheritischen Membran gegeben. Nach ihm 
findet sich kein Exsudat, sodern die sog, Membran entsteht durch Nccrobiose des Schleimhautge 
webes ; die Gewebselemente, besonders die Zellen füllen sich rasch mit einer trüben Substanz und 
zerfallen unter Freiwerden von Fett. 
Buhl bezeichnet den Vorgang als „acute Verschorfung, acute Gewebsnccrose“ und erklärt 
das Zustandekommen derselben durch die sog. diphtheritische Infiltration aus Zellen bestehend 
analog den farblosen Blutkörpern und besonders aus freien Kernen; durch die massenhafte Ivern- 
wucherung werden die Gefässc comprimirt und so das Absterben des Gewebes bewirkt. 
Wagner ist der Ansicht, dass die Membranen durch eine faserstoffige Metamorphose der 
Epithelien zu Stande komme. Die erste Veränderung einer befallenen Schleimhautstelle beginnt 
mit einer allseitigen Vorgrösserung der Zellen, erzeugt durch Vermehrung des Protoplasma. Dann 
sieht man zuerst an der Peripherie, später auch im Centrum ovale oder rundliche Lücken auftreten, 
der Kern verschwindet und die Zellmembran wird an verschiedenen Stellen durchbrochen; so be 
kommt die Zelle ein zackiges Ansehen, die Zacken stehen mit den benachbarten Zellen in Ver 
bindung, die Lücken werden grösser und in ihnen sieht man je nach der Beschaffenheit, ob rein 
krupös oder krupös-diphthcritisch oder rein diphtheritisch, Eiterkörperchen, Blutkörperchen, freie 
Kerne sich ablagern und wir haben darnach die Zusammensetzung der einzelnen Membran W. un 
terscheidet die Membranen nicht so streug, wie die meisten andern Autoren, sondern noch immer 
mehr graduell. 
Nassiloff hat die Verbindung der Zacken verschiedener Epithelien (Wagner) niemals 
gesehen und sucht die eigenthümliche Gcstaltveränderung der Epithelien dadurch zu erklären, dass 
er meint die Zellen seien in ähnlicher Weise contractil geworden, wie dies bei den Hornhautepi- 
thelien nach Beizung beobachtet ist von v. Böcklinghauseu, Hoffmann und Stricker. 
Oertel lässt die eigenthümlichen grossen Zellen einer Krupmembran durch Gerinnung 
von hyalinem bewegungsfähigem Protoplasma entstehen. Er nimmt zuerst besondere Bücksicht auf 
die Pilze, indem er den Unterschied von Krup und Diphtheritis streng aufrecht erhält und hierin 
den Ansichten Buhls beitritt. Sodann kann nach ihm eine Krupmembran diphtheritisch entarten; 
übrigens hat er eine eigenthümliche Ansicht über den secundären Krup, wovon später. 
Die von Oertel beschriebenen Formen von Mikrokokken sind nun in den Membranen un 
schwer aufzufinden. Meine ersten Impfungen an Kanninchen machte ich durch Einbringen mehrerer 
Membranstückchen unter die Haut dos Bückens neben der Wirbelsäule. 
Impfungen mit Membranen unter die Haut von Kaninchen. Das Impfmaterial 
war 24 Stunden nach dem Tode aus der Leiche eines an reiner Baehendiphtherio gestorbenen 
10jährigen Knaben genommen. Bei der mikroskopischen Untersuchung fand man die obersten 
Schichten der Membran fast ganz aus ruhendem Mikrokokkus in Colonien oder als zoogloea in 
einzelnen Klümpfehen; in der Objectflüssigkeit enorme Mengen von einzelnen theils rundlicher 
theils mit einem bisweilen mit zwei kleinen Fortsätzen versehenen Kokken; dann längliche Formen 
alle in lebhaftester Bewegung; auch Leptothrix buccalis in nicht geringer Anzahl. 
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