Dar rach sah Diphtheritis hei zwei Hühnern einer Familie, deren Mitglieder an dieser
Krankheit litten; man muss natürlich annehmen, dass die Thiere zufällig geimpft waren.
ITebrmens will ich hier bemerken, dass eine so zarte Uebertragung auf Thiere nicht leicht
zu Stande kommt. Im Jahre 1872 hatte ich einen an Diphtheritis faucium erkrankten Knaben in
poliklinischer Behandlung, welcher gewohnt war fast den ganzen Tag über mit zwei Kaninchen zu
spielen. Bei seiner Krankheit wurden dieselben zu ihm ins Bett gelegt, und ich ermunterte den
Knaben, das von ihm selbst schon begonnene zeitweise Küssen der Thiere recht eifrig fortzusetzen,
womöglich ihnen etwas Speichel in den Mund zu bringen. Allein obgleich ich noch ausserdem dem
Futter der Kaninchen ausgeworfene Membranfetzen beimengte, gelang mir dennoch die Impfung
auf diesem Wege nicht. Die Schleimhaut der Thiere ist für die Uebertragung viel zu normal und
derb, als dass dieselbe ohne vorangehende, gröbere mechanische Verletzungen zu Stande kommen sollte.
Pferde hat man an Diphtheritis der Nasenschleimhaut erkranken sehen, auch Schweine an dieser
Krankheit leiden gefunden. Interessant ist der Fall von Diphtheritis faucium et largugis bei einem
Schimpanse des zoologischen Gartens inHamburg, von Dr. Paulicki undHi lg endo rf*) beschrieben.
Schon diese wenigen Fälle rechtfertigen vollständig die Versuche künstlich Diphtheritis
auf Thiere zu übertragen. Begonnen wurde hiermit zuerst von Bretonneau und Trousseau,
allein, obgleich sie durch mechanische oder vielmehr chemische Reize, durch Injection von Olivenöl
und tinct. canthar., eine krupöse Entzündung der Trachea zu erzeugen vermochten, gelang ihnen
die Uebertragung von Diphtheritis durch Einbringen von Membranstückchen in die Trachen nicht.
Nach ihnen haben manche mit wechselnden Erfolgen (Albers, Duval, Schoepfer,
Valentin) durch chemischen Substanzen krupöse Processe in der trachea zu erzeugen versucht.
Del a fond hatte positive Resultate mit Ammoniak, Sublimat, Schwefelsäure u. s. w.
Reitz experimentirte mit Ammoniak. Oertel hat um die specifische Natur des diphtheriti-
schen Contagiums zu beweisen, ebenfalls mit Ammoniak Controlversnche gemacht.
Trendelenburg hat zuerst eine grosse Reihe von Impfversuchen veröffentlicht und zwar
in.68 Fällen 11 positive Resultate bei 8 Kaninchen und 3 Tauben erzielt, denen er diphtheritische
Massen in die Trachea brachte. Ueber die Bedeutung des allerdings von ihm aufgefunden und be
schriebenen Pilzes lässt er sich nicht weiter aus; es geht ihm wie Buhl, er lässt es dahingestellt
ob derselbe wesentlich oder nicht.
Erst nachdem Oertel seine Ansicht über die ganz besondere Bedeutung des Pilzes aus
sprach und zugleich eine ganze Reihe exacter \ ersuche anstellte, die, was das positive Resultat
anbetrefl'en, namentlich mit den Impfungen von Trendelenburg contiastiren, erst dann wurden
die Versuche, auf diesem Wege das Wesen der Diphtheritis zu erforschen, häufiger. Hüter und
Oertel stimmen in ihren Ansichten und Resultaten vollständig überein. Wie beim Menschen so
fanden sie auch bei inficirten Thieren ein ganz constantes Uebereinstimmen zwischen Menge der
Pilze im Organismus und dem Grade der Allgemeinerkrankung. Ich komme übrigens noch mehr
fach bei meinen eignen Experimenten auf diese Arbeiten zuiück und kann desshalb von weiterer
Besprechung abstehen.
Nassiloff, der 1870 in Virch. Arch, eine Arbeit über Diphtheritis veröffentlichte, hält
die Pilzentwicklung für das Primäre bei der Diphtheritis und die Ursache der Nekrose. Während
v. Recklinghausen durch frische nekrotische Massen eines Hospitalbrandkranken auf die Horn
haut eines Kaninchen geimpft „diphtheritische Keratitis erzeugte, hatte N. nur positive Resultate
durch Impfung mit diphtheritischen Belegen; damit aber auch ziemlich regelmässig; es folgte der
localen Erkrankung eine allgemeine Infection und der lod.
*) Centralblatt f. med. W. 1869. N. 47.
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