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bei den hochgradigen Fällen dieser Krankheit, auch eine auffallende anatomische Veränderung an
der Muskulatur bemerkbar sei. Dies ist nun freilich nicht immer der Fall, was wohl meistens darin
seinen Grund hat, dass die Affection des Muskelsystems auf der Höhe der Krankheit, wo gewöhn
lich der Tod eintritt, noch keineswegs ihr Ende erreicht hat; da nun aber nach Ablauf der primären
Erkrankung, die Zahl der Todesfälle nur gering ist, bekommt man die bedeutenderen Veränderun
gen nur selten zu sehen. Garnicht selten findet man in allernächster Nähe des localen Processes
die Muskulatur dem Anscheine nach vollständig normal. Andererseits habe ich auch in der ober
flächlichsten Muskulatur des weichen Gaumens an einer schwer befallenen Stelle die Mikrokokken
aufgefunden, nachdem die Structur des Gewebes gänzlich aufgehoben war; im Ganzen habe ich selten
Gelegenheit gehabt bei Eachendiphtherie Pilze auch nur in den oberflächlichsten Muskeln zu finden,
während ich bei einem Falle von Wunddiphtherie, bei der die blossliegenden Muskeln direct be
befällen waren den Oertel’schen Abbildungen ähnliche Zerstörungen der Muskulatur gesehen habe, und
namentlich Bilder, wo der Mikrokokkus sich zwischen die Muskelfibrillen hineinschob, ähnlich wie
bei dipbtheritischer Keratitis in die Hornhautspalten hinein.
Am häufigsten habe ich eine körnige Trübung, fettige Degeneration der Muskulatur ge
funden; die Querstreifung ist aufgehoben entweder auf weite Strecken oder nur stellenweise, so dass
normale Partien kleinere oder grössere Inselchen von fein und ziemlich regelmässig durch körnige
Trübung schön punktirtem Aussehen zwischen sich fassen, die aber einem nüchternen Beobachter
niemals als Pilzbilder imponiren, während Pilzfanatiker durchaus mit dem Befunde zufrieden sind
Allerdings ist es leicht ersichtlich, dass mancher wenig geübte Untersucher aus verzeihlichem
Irrthume Pilze gefunden zu haben glaubt, wenn man sieht wie Hiebt er, der Redacteur der
Schmidt’schen Jahrbücher, denen viele Aerzte ihre ganze wissenschaftliche Fortbildung entnehmen,
jede Fettmetamorphose, käsige Entartung, eitrige eingedickte Massen, in fettiger Degeneration be
griffene Gewebstbeile als auf Pilzbildung beruhend ausgiebt.
Daher ist es denn auch kein Wunder wenn auf diesem Gebiete so viel Confusion herrscht,
so viel Verwirrendes und Verwirrtes fast täglich auch über die Diphtherie erscheint.
Unter theilweisem Verschwinden der Querstreifung, bei körniger Trübung kommt auch
Zerbröcklung in Schollen und ein pflastersteinartiges Ansehen der Muskelfasern vor, kurz alle Ver
änderungen der Muskulatur, welche Zenker an den Typhusleichen beobachtete und als wachsartige
Degeneration bezeichnete, Koch will ich bemerken, dass die von Buhl beschriebene Kerninfiltration
auch hier ganz evident war, zwischen normalen und kranken Fasern fanden sich zahlreiche freie Kerne.
Bei dem hier sehr seltenen Vorkommen der Diphtheritis conjunctivae et corneae habe ich
nur einmal Gelegenheit gehabt einen Fall derart zu sehen und zwar erst am Ende der Erkrankung;
in dein abfliessenden Secrete fanden sich keine characteristischen Pilze, auch keine besonders grosse Zahl
von Pilzen überhaupt, Ueber Diphtheritis corneae bei Thieren werde ich bei den Impfungen berichten.
In der Uebertraguug einer menschlichen Krankheit auf Thiere bietet sich uns zum Er
forschen derselben die schönste Gelegenheit. Selbstverständlich muss man sich zuvor davon über
zeugen, ob auch die erzeugten Veränderungen im thierischen Organismus denen des menschlichen
genau entsprechen. Sicherer geht man schon, wenn dieselbe Krankheit idiopatiseh beim Menschen
und Thier vorkommt. Sehen wir, wie es sich mit der Diphtheritis verhält.
Wie Nassiloff angiebt, legte zum ersten Male Hufs im Jahre 1861 der pariser Akademie,
ein Präparat von einer an Diphtheritis gestorbenen Henne vor.

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