Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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bei den hochgradigen Fällen dieser Krankheit, auch eine auffallende anatomische Veränderung an 
der Muskulatur bemerkbar sei. Dies ist nun freilich nicht immer der Fall, was wohl meistens darin 
seinen Grund hat, dass die Affection des Muskelsystems auf der Höhe der Krankheit, wo gewöhn 
lich der Tod eintritt, noch keineswegs ihr Ende erreicht hat; da nun aber nach Ablauf der primären 
Erkrankung, die Zahl der Todesfälle nur gering ist, bekommt man die bedeutenderen Veränderun 
gen nur selten zu sehen. Garnicht selten findet man in allernächster Nähe des localen Processes 
die Muskulatur dem Anscheine nach vollständig normal. Andererseits habe ich auch in der ober 
flächlichsten Muskulatur des weichen Gaumens an einer schwer befallenen Stelle die Mikrokokken 
aufgefunden, nachdem die Structur des Gewebes gänzlich aufgehoben war; im Ganzen habe ich selten 
Gelegenheit gehabt bei Eachendiphtherie Pilze auch nur in den oberflächlichsten Muskeln zu finden, 
während ich bei einem Falle von Wunddiphtherie, bei der die blossliegenden Muskeln direct be 
befällen waren den Oertel’schen Abbildungen ähnliche Zerstörungen der Muskulatur gesehen habe, und 
namentlich Bilder, wo der Mikrokokkus sich zwischen die Muskelfibrillen hineinschob, ähnlich wie 
bei dipbtheritischer Keratitis in die Hornhautspalten hinein. 
Am häufigsten habe ich eine körnige Trübung, fettige Degeneration der Muskulatur ge 
funden; die Querstreifung ist aufgehoben entweder auf weite Strecken oder nur stellenweise, so dass 
normale Partien kleinere oder grössere Inselchen von fein und ziemlich regelmässig durch körnige 
Trübung schön punktirtem Aussehen zwischen sich fassen, die aber einem nüchternen Beobachter 
niemals als Pilzbilder imponiren, während Pilzfanatiker durchaus mit dem Befunde zufrieden sind 
Allerdings ist es leicht ersichtlich, dass mancher wenig geübte Untersucher aus verzeihlichem 
Irrthume Pilze gefunden zu haben glaubt, wenn man sieht wie Hiebt er, der Redacteur der 
Schmidt’schen Jahrbücher, denen viele Aerzte ihre ganze wissenschaftliche Fortbildung entnehmen, 
jede Fettmetamorphose, käsige Entartung, eitrige eingedickte Massen, in fettiger Degeneration be 
griffene Gewebstbeile als auf Pilzbildung beruhend ausgiebt. 
Daher ist es denn auch kein Wunder wenn auf diesem Gebiete so viel Confusion herrscht, 
so viel Verwirrendes und Verwirrtes fast täglich auch über die Diphtherie erscheint. 
Unter theilweisem Verschwinden der Querstreifung, bei körniger Trübung kommt auch 
Zerbröcklung in Schollen und ein pflastersteinartiges Ansehen der Muskelfasern vor, kurz alle Ver 
änderungen der Muskulatur, welche Zenker an den Typhusleichen beobachtete und als wachsartige 
Degeneration bezeichnete, Koch will ich bemerken, dass die von Buhl beschriebene Kerninfiltration 
auch hier ganz evident war, zwischen normalen und kranken Fasern fanden sich zahlreiche freie Kerne. 
Bei dem hier sehr seltenen Vorkommen der Diphtheritis conjunctivae et corneae habe ich 
nur einmal Gelegenheit gehabt einen Fall derart zu sehen und zwar erst am Ende der Erkrankung; 
in dein abfliessenden Secrete fanden sich keine characteristischen Pilze, auch keine besonders grosse Zahl 
von Pilzen überhaupt, Ueber Diphtheritis corneae bei Thieren werde ich bei den Impfungen berichten. 
In der Uebertraguug einer menschlichen Krankheit auf Thiere bietet sich uns zum Er 
forschen derselben die schönste Gelegenheit. Selbstverständlich muss man sich zuvor davon über 
zeugen, ob auch die erzeugten Veränderungen im thierischen Organismus denen des menschlichen 
genau entsprechen. Sicherer geht man schon, wenn dieselbe Krankheit idiopatiseh beim Menschen 
und Thier vorkommt. Sehen wir, wie es sich mit der Diphtheritis verhält. 
Wie Nassiloff angiebt, legte zum ersten Male Hufs im Jahre 1861 der pariser Akademie, 
ein Präparat von einer an Diphtheritis gestorbenen Henne vor.
	        

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