Flir meine Ansicht und Behauptung, dass wie im Blute so auch in den Nieren sich für
gewöhnlich höchstens unbedeutende Mengen von Pilzen finden, möchte ich wieder einmal E berth
anführen, welcher bekanntlich sagt: In den Nieren von an Rachendiphtherie Gestor
benen habe ich nie Pilze gefunden. Nun aber führt auch Oertel ihn für seine Ansicht an,
nach welcher massenhaft Pilze in den Nieren Vorkommen, indem er sagt, auch Eberth sah einmal
dasselbe.
Allerdings führt Eberth in seiner Schrift über Diphtherie einen Fall von Pilzembolie
in Nierengefässen und Harnkanälchen an, aber nicht bei einem an Diphtherie, sondern ohne Frage
an Pvämie Gestorbenen. Eberth sagt ausdrücklich er wolle einen Fall anführen, an dem man sehen
könne wie rasch überhaupt eine allgemeine Pilzinvasion zu Stande kommen könne; auch der Sectionsbe-
richt giebt gar keinen Anhalt für die Annahme, dass der erzählte Fall Diphtherie gewesen sei; ja es
heisst in dem Seetionsberichte gradezu: Die primäre Wunde von der eine Phlebothrombose ausge
gangen zeigte nichts Bemerkenswerthes; sie war also jedenfalls nicht diphtheritisch. Ich muss hier
nach jedem einzelnen Leser das Urtheil überlassen, ob Oertel berechtigt ist Eberth in diesem
Falle als Gewährsmann anzuführen, oder nicht.
Ebenderselbe Autor Eberth ist indess der Ansicht, dass Pilzembolien in der Niere bei
langdauernder Diphtherie sehr w r ohl Vorkommen können und Vorkommen. Faber (Oorrespondenzbl.
d. würtemb. ärtzl. Vereins B. LXVIL) führt einen Fall von Diphtherie an, wo am 12ten Tage
plötzlich hohes Fieber und schweres Allgemeinleiden eintrat; bald darauf fand er massenhafte Pilze
in den Niederschlägen des Harns und bei der späteren Untersuchung der Nieren auch in diesem
Organe; das Ende der tödtlich verlaufenden Erkrankung trug ebenso sehr den Character einer
gewöhnlichen pyämischen Affection und kann auch vielleicht als solche betrachtet werden. Vielleicht
mag eine derartige Beurtheilung überhaupt nicht von der Hand zu weisen sein.
Meine Ansicht ist nur dadurch von der Oertels verschieden, dass ich nicht ein
so constantes dem Grade der Erkrankung entsprechendes Vorkommen von Pilzen bei Diphtherie
annehmen kann; wie Eberth die ausgesprochendste Sepsis gesehen hat ohne eine Spur von Pilzen
im Blute und den Organen — was ich von mehreren Puerperen ebenfalls behaupten kann — so
glaube ich, dass ebenfalls die hochgradigste Diphtherie dasselbe Verhalten zeigen kann.
Muskeln. Wie bekannt ist, wird das ganze Muskelsystem hochgradig von der diphthe
rischen Erkrankung ergriffen. Die Todesfälle nach Diphtheritis in Folge von myokarditischen
Processen gehören gerade nicht zu den häufigen Eieigiiissen, aber sie kommen vor. Fast ausnahms
los klagen die Reöonvalescenten über eine grosse Kraftlosigkeit und leichte Ermüdung, so dass man
hieraus unter Umständen wohl noch nachträglich die Diagnose auf Diphtheritis stellen kann, wie
ich es wenigstens in einem Falle glaubte thun zu düifen. Eine äusserst rüstige, kräftige Frau, in
deren Hause mehrere Fälle von tödtlich verlaufender Diphtherie vorgekommen waren, klagte mir,
dass sie seit einigen Tagen eine Schwäche spüre, die sie hei sonstigem Wohlsein sehr beunruhige;
während sie früher täglich oftmals ohne Ermüdung \iele Treppen gestiegen, könne sie jetzt nur
mit Mühe einzelne steigen, und nachträglich stellten sich Schmerzen in den Muskeln des Ober
schenkels ein. Es war keine Ursache für diese Erscheinungen zu finden. Nach längerem Fragen
aber gab die Patientin an, sie habe es vor etwa 14 Tagen vorübergehend etwas im Halse gehabt;
bettlägerig sei sie nicht gewesen, auch ihrer Arbeit nachgegangen, und nach 2 bis 3 Tagen sei
Alles verschwunden. Die Kraftlosigkeit ^verschwand nun bei der Frau nach einiger Zeit, während
der sie sich ruhig verhielt bei kräftiger Diät, und ich bin der festen Ueberzeugung, dass es sich hei
derselben um eine leichte diphtheritis che Angina gehandelt, die hei äusserst geringer Lbcalaffection
dennoch nicht ohne Einwirkung auf das Muskelsystem gebliehen. Darnach sollte man annehmen, dass

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