Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Flir meine Ansicht und Behauptung, dass wie im Blute so auch in den Nieren sich für 
gewöhnlich höchstens unbedeutende Mengen von Pilzen finden, möchte ich wieder einmal E berth 
anführen, welcher bekanntlich sagt: In den Nieren von an Rachendiphtherie Gestor 
benen habe ich nie Pilze gefunden. Nun aber führt auch Oertel ihn für seine Ansicht an, 
nach welcher massenhaft Pilze in den Nieren Vorkommen, indem er sagt, auch Eberth sah einmal 
dasselbe. 
Allerdings führt Eberth in seiner Schrift über Diphtherie einen Fall von Pilzembolie 
in Nierengefässen und Harnkanälchen an, aber nicht bei einem an Diphtherie, sondern ohne Frage 
an Pvämie Gestorbenen. Eberth sagt ausdrücklich er wolle einen Fall anführen, an dem man sehen 
könne wie rasch überhaupt eine allgemeine Pilzinvasion zu Stande kommen könne; auch der Sectionsbe- 
richt giebt gar keinen Anhalt für die Annahme, dass der erzählte Fall Diphtherie gewesen sei; ja es 
heisst in dem Seetionsberichte gradezu: Die primäre Wunde von der eine Phlebothrombose ausge 
gangen zeigte nichts Bemerkenswerthes; sie war also jedenfalls nicht diphtheritisch. Ich muss hier 
nach jedem einzelnen Leser das Urtheil überlassen, ob Oertel berechtigt ist Eberth in diesem 
Falle als Gewährsmann anzuführen, oder nicht. 
Ebenderselbe Autor Eberth ist indess der Ansicht, dass Pilzembolien in der Niere bei 
langdauernder Diphtherie sehr w r ohl Vorkommen können und Vorkommen. Faber (Oorrespondenzbl. 
d. würtemb. ärtzl. Vereins B. LXVIL) führt einen Fall von Diphtherie an, wo am 12ten Tage 
plötzlich hohes Fieber und schweres Allgemeinleiden eintrat; bald darauf fand er massenhafte Pilze 
in den Niederschlägen des Harns und bei der späteren Untersuchung der Nieren auch in diesem 
Organe; das Ende der tödtlich verlaufenden Erkrankung trug ebenso sehr den Character einer 
gewöhnlichen pyämischen Affection und kann auch vielleicht als solche betrachtet werden. Vielleicht 
mag eine derartige Beurtheilung überhaupt nicht von der Hand zu weisen sein. 
Meine Ansicht ist nur dadurch von der Oertels verschieden, dass ich nicht ein 
so constantes dem Grade der Erkrankung entsprechendes Vorkommen von Pilzen bei Diphtherie 
annehmen kann; wie Eberth die ausgesprochendste Sepsis gesehen hat ohne eine Spur von Pilzen 
im Blute und den Organen — was ich von mehreren Puerperen ebenfalls behaupten kann — so 
glaube ich, dass ebenfalls die hochgradigste Diphtherie dasselbe Verhalten zeigen kann. 
Muskeln. Wie bekannt ist, wird das ganze Muskelsystem hochgradig von der diphthe 
rischen Erkrankung ergriffen. Die Todesfälle nach Diphtheritis in Folge von myokarditischen 
Processen gehören gerade nicht zu den häufigen Eieigiiissen, aber sie kommen vor. Fast ausnahms 
los klagen die Reöonvalescenten über eine grosse Kraftlosigkeit und leichte Ermüdung, so dass man 
hieraus unter Umständen wohl noch nachträglich die Diagnose auf Diphtheritis stellen kann, wie 
ich es wenigstens in einem Falle glaubte thun zu düifen. Eine äusserst rüstige, kräftige Frau, in 
deren Hause mehrere Fälle von tödtlich verlaufender Diphtherie vorgekommen waren, klagte mir, 
dass sie seit einigen Tagen eine Schwäche spüre, die sie hei sonstigem Wohlsein sehr beunruhige; 
während sie früher täglich oftmals ohne Ermüdung \iele Treppen gestiegen, könne sie jetzt nur 
mit Mühe einzelne steigen, und nachträglich stellten sich Schmerzen in den Muskeln des Ober 
schenkels ein. Es war keine Ursache für diese Erscheinungen zu finden. Nach längerem Fragen 
aber gab die Patientin an, sie habe es vor etwa 14 Tagen vorübergehend etwas im Halse gehabt; 
bettlägerig sei sie nicht gewesen, auch ihrer Arbeit nachgegangen, und nach 2 bis 3 Tagen sei 
Alles verschwunden. Die Kraftlosigkeit ^verschwand nun bei der Frau nach einiger Zeit, während 
der sie sich ruhig verhielt bei kräftiger Diät, und ich bin der festen Ueberzeugung, dass es sich hei 
derselben um eine leichte diphtheritis che Angina gehandelt, die hei äusserst geringer Lbcalaffection 
dennoch nicht ohne Einwirkung auf das Muskelsystem gebliehen. Darnach sollte man annehmen, dass
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.