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verstopften. Dann sah man wieder Epithelien deren Kerne besonders scharf begrenzt und etwas
gequollen erschienen; gleichzeitig begann schon eine Trübung um dieselben und in noch andern
Hallen war von den einzelnen Epithelien kaum noch der Umriss zu sehen, das Ganze hatte das
Aussehen eines Steinpflasters; in noch andern Kanälchen zeigt sich eine ziemlich gleichmässige
körnige Trübung, ohne dass man von Epithel etwas sehen kann und dies sind die Pilze vortäu
schenden Bilder; indess ein genaues Beobachten zeigt uns, dass einmal die scharfe Begrenzung der
einzelnen Körner, zweitens die regelmässige Anordnung und die absolute Gleichheit in ihrer Grösse
fehlt. Auch in toto eine Strecke weit abgelöste Epitheleylinder, an denen man der körnigen
Trübung wegen nur wenige Umrisse der einzelnen Epithelien sehen kann, kommen vor; die Kerne
verschwunden. Diese Cylinder können wieder in einzelne Schollen zerbrechen, die
ein gleiches Aussehen zeigen; einzelne hyaline Cylinder bekommt man bei genauem
Suchen auch zu sehen.
Die Niere befindet sich in den Anfangs Stadien einer parenchymatösen Entzündung, wobei
die Degeneration der Auskleidung der Harnkanälchen nicht selten schon einen ziemlich hohen Grad
erreicht hat. Ein recht analoges "Verhalten zeigten die Nieren von Wöchnerinnen, die an Puer
peralfieber gestorben waren.
Die Abbildungen von Harnkanälchen und glomerulis welche 0 e r t e 1 seiner Arbeit
beigegehen, sind Bildern, die ich bekommen recht ähnlich; nur die Plasmakugeln sind mir nicht so
aufgefallen und dann habe weder ich mich noch auch hat Herr Prof. Heller, der so freundlich
war, öfter meine Präparate anzusehen, sich jemals von der evidenten Anwesenheit der Mikrokokken,
namentlich der länglichen Form überzeugen können. Es mögen immerhin Pilze dabei sein, aber
gewiss keine grosse Zahl, auch habe ich stets die characteristische Form derselben vermisst, wo
einmal mehrere verdächtige Körnchen aneinander lagen. Indess diese Ansicht kann leicht etwas
zu sehr subjeetiv erscheinen, desshalb ist es nöthig schlagende Gründe beizubringen. Sollen Pilze
in grösserer Anzahl in der Niere Vorkommen, so können sie bei reiner Diphtheritis nur durch das
Blut dahin gelangen. Da ich nun im Blute Lebender keine Pilze gefunden, können auch in den
Nieren keine Pilze von mir gefunden werden; sollte mir die Invasion aber zufällig entgangen sein,
so schützt mich das Fehlen der Pilze im Harne. Daraus ziehe ich meiner Meinung nach den
berechtigten Schluss, in den von mir untersuchten Nieren konnten Pilze in grösserer Menge nicht
vorhanden sein. Nun hat Oertel allerdings gefunden, dass, wo Pilze in der Niere in grösserer
Anzahl vorhanden waren, auch das Blut von denselben oft ungeheure Massen enthielt; auch Hüter
hat denselben Befund gemacht. Die Pilze im Blute sind also die Quelle der Nierenpilze, warum,
so fragt man sich, hat Oertel uns nicht diese Quelle, also eine mit Pilzen vollgestopfte Nierenarterie
in einer schönen den übrigen entsprechenden Abbildung gezeichnet; die Gelegenheit dazu konnte
doch nicht fehlen, und ein Bild von glaubwürdigen Autoren ist entschieden instructive!' Und bewei
sender als lange Auseinandersetzungen, Anders verfährt Eberth*) der zuerst von Pilzeu in den
Harnkanälchen spricht und alsdann sagt, was der Leser auch erwartet, dass er die Quelle der Pilze
gefunden, nämlich das Blut, denn die Nierenarterien waren vielfach mit Kugelbacterien vollständig
ausgestopft bis in die glomeruli hinein und standen sogar im dirceten Zusammenhänge mit der Ausfüllung
der Harnkanälchen. Wenn man diese Zeichnung sieht, ist man sofort von der Richtigkeit der
Deutung überzeugt. Oertel dagegen hat nicht einmal ausgesprochen, dass er jemals eine wirklich
von Mikrokokken vollgestopfte Nierenarterie hei Diphtheritis gesehen, sondern sagt nur, dass er auch
in den Gefässen, namentlich an den Wandungen Mikrokokken in grösser Menge beobachtet habe.
Hier
muss ic
h nothwendig noch über einen Punckt näher sprechen.
*} Zur Kermtniss <1. bact. Mykosen, Diphth.

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