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(iarix anders verhält es sich mit dem aus der Leiche genommenen Blute
Lm nur einen Gewährsmann anzuführen, so sagt Nassiloff*) in der Leiche finde man
in den Muskeln, kurz allen Gewebstheilen und Flüssigkeiten oft eine Unzahl kleinster Körperchen,
die er kurz Vibrionen nennt, während dieselben im lebenden Organismus nicht vorhanden waren.
Blut von Lebenden entnommen in einer zugeschmolzenen Glasröhre aufbewahrt, enthielt noch nach
Monaten keine Pilze. Die Erfahrung, dass man in dem Leichenblute massenhafte, als Pilze anzu
sprechende Körperchen findet, wo bei Lebzeiten keine gefunden waren, habe ich sehr häufig gemacht
und mehrmals sogar im Leichenblute von Personen, die in Folge einer Verletzung plötzlich zu Tode
gekommen waren. Bei diesen hatte ich natürlich alle Ursache vorauszusetzen, dass vor dem Tode das
Blut normal gewesen. Da sich nun ausserdem noch oft constatiren Hess, dass die Menge der Pilze
mit dem Alter der Leiche zunehmen, so wird man gewiss manche Pilzbefunde an der Leiche als
Leichenerscheinung zu deuten haben.
Oertel hat, soviel mir bekannt, stets nur das bei der Section aus dem rechten Herzen ge
nommene Blut untersucht, und da die Fäulniss bei an schwerer Bachendiphterie Gestorbener gewiss
nicht langsam eintritt, so wird der erste Anfang dazu und damit sofort auch jenes von Nassiloff
ausgesprochene Verhalten der Pilze 10 — 20 Stunden nach dem Tode wohl schon zu erwarten
sein dürfen.
Weit entfernt irgend einen Z weitel in 0 e r t e 1 s Untersuchungen zu setzen, glaubte ich doch mit
gewissem Rechte auf die möglichen Fehlerquellen hinweisen zu müssen, um gegen Angriffe auf die eignen
Befunde nicht ganz ungedeckt zu sein. Noch viel weniger möchte ich das gelegentliche Einwa ndern des
Mikrokokkus ins Blut, wo man ihn dann in grosser Menge finden würde, in Abrede stellen; dagegen
muss ich wenigstens für unsere Rachendiphtherie, alle Fälle, welche ohne mit Larynxstenose combinirt
zu sein, zum Tode führten, mit eingerechnet, behaupten, dass ein paralleles Verhältniss zwischen
schwerer Allgemeinaffection und Menge des specifischen Pilzes in allen Organen nicht zutrifft. Dazu
kann ich die Versicherung geben, dass schon seit Jahren hier in Kiel die Mortalität an Diphtheritis
eine sehr erhebliche ist, und namentlich in letzter Zeit wieder Fälle, in denen die Rachendiphtherie
ohne Complication rasch tödtet, durchaus nicht selten sind; an geeigneten Fällen für meine Unter
suchungen hat es also nicht gefehlt.
Harn. Gleichzeitig mit dem Blute habe ich auch, wo es mir nur irgend möglich war den
Harn einer mikroskopischen Untersuchung unterworfen und denselben auf die Gegenwart von Albumen
untersucht. Wenn es nun auch nach dem Auffinden des Mikrokokkus im Blute zu schliessen von
vorneherein unwahrscheinlich ei'schien, dass man irgend bedeutende Pilzmassen im Ham finden
werde, so wäre doch noch der Umstand denkbar, dass eine schubweise Aufnahme von Pilzen ins
Blut stattgefunden habe, welche der Beobachtung entgangen, und daher sich ein eventuelles Vor
kommen von Pilzen in der Niere und im Harn erklären Hesse. Somit ist noch die Harnuntersuchung
ein sehr guter Controlversuch. Selbstverständlich ist wieder die erste Bedingung, will man Resultate
von irgend welchem Werthe erzielen, die, dass man den Harn untersucht, sowie er entleert ist und
zwar entleert in ein absolut reines trockenes Gefäss; am besten thut man, von Knaben den Harn
zu nehmen und zwar durch Auffangen der nöthigen Menge aus dem vollen Urinstrahle heraus. Wo
ich dies gethan, habe ich niemals erhebliche Mengen kleinster Körperchen, welche man für Pilze
halten konnte, gefunden. Anders erging es mir häufig, sobald ich nach vorausgegangener genauer
Instruction der Eltern in verschiedenen Reagensgläsern, die durch Wattepfropfen verstopft wurden,
*) Ueber die Diphth. Virch. Aich. 1870.

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