Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Inimers. 1200. Natürlich war ich nicht wenig erfreut hierdurch meine Resultate vollständig bestätigt 
zu sehen. 
Oertel führt an, dass auch Hueter und Tommasi im Blute von Thieren, denen sie 
diphtheritische Membranen unter die Haut gebracht, punktförmige Gebilde gesehen, ähnlich wie 
früher hei Patienten deren Wunden von Hospitalgangrän und Diphtheritis ergriffen waren. Sie 
glaubten daher, dass diese kleinen Gebilde die Ursache der diphtheritischen Allgemeinerkrankung 
seien. Indessen erschien kurz nach der Veröffentlichung ihrer Ansicht die Arbeit von Bit tel he im*) 
„lieber bewegliche Körperchen im Blute“, welche zeigte, dass nicht nur im Blute von Kranken, 
sondern ebenso häufig auch von Gesunden eine bald grössere, bald geringere Anzahl kleiner, runder, 
sich bewegender Körperchen von verschiedener Grösse Vorkommen. 
Schon vorher hatte M. Schnitze**) kleinste Körperchen verschiedener Grösse im eignen 
Blute gefunden und beschrieben. 
A Venn nun diese Thatsache auch überhaupt allgemein anerkannt ist, so kann ich doch nicht 
unterlassen hinzuzufügen, dass ich in meinem eigenen Blute und auch bei manchen andern gesunden 
Menschen, deren Blut ich zu diesem Zwecke untersuchte, in wechselnder Zahl kleinste Molekular 
körper ebenfalls beobachtet habe. Auch Nass Hoff***) führt dasselbe an. 
Meine Blutuntersuchungen habe ich natürlich weiter geführt. .Die beste Gelegenheit dazu 
boten mir drei Fälle von Diphtheritis im Sommer 1872, welche in demselben Hause, iu dem auch 
ich wohnte vorkamen. Diese Fälle haben in mehr als einer Hinsicht Interesse und ich werde 
noch später 1 Gelegenheit haben, darauf zurückzukommen. Vorläufig will ich nur über das Verhalten 
des Blutes berichten. Von allen drei Kindern habe ich täglich das mit grösster Sorgfalt durch einen 
Nadelstich gewöhnlich aus dem Arme entnommene Blut untersucht. Obgleich nun das eine Kind am 
8. Tage an hochgradiger Rachen- und Nasendiphtheritis starb, das zweite bis zum 12. Tage schwer 
erkrankt war, so dass eine Allgemeinerkrankung nicht geleugnet werden konnte, während das dritte 
nur leicht erkrankte, so habe ich doch zu keiner Zeit einen irgend auffallenden Unterschied des Blutes 
bezüglich der Molekularkörperchen oder möglichen Pilze finden können. Sehr angenehm ist es mir 
gewesen, dass ich einen Autor anführen kann, der in diesen Untersuchungen nicht glücklicher war. 
Eberthf), der sich durch seinen Ausspruch: „Ohne Mikrokokken keine Diphtherie,“ 
doch gewiss nicht als Gegner der von Oertel vertretenen Ansicht kennzeichnet, sagt in derselben 
Schrift: (Seite 8) „Im Blute, in der Leber und den Nieren habe ich, weder hei den 
an Rachendiphtherie verstorbenen Menschen, noch bei den Versuchstieren, 
denen diese Krankheit durch Impfung übertragen worden war, Mikrokokken 
ano-etroffen.“ Trotzdem habe ich meine Untersuchungen noch bis jetzt fortgesetzt, so dass sich 
dieselben im Ganzen auf über 30 meistens letal verlaufende oder doch schwere Fälle erstrecken: 
unter allen diesen sind nur zwei, in denen ich eine grössere Anzahl vielleicht als Mikrokokken zu 
deutende, runde, sich bewegende Körperchen fand; allein eine die Blutkörper um das 0 — 8 fache 
übertreffende Zahl habe ich nie gefunden; auch keine Stähchenbacterien. Hier möge noch angeführt 
sein, dass ich unter 6 Fällen von tödtlich verlaufender Puerperalerkrankung in einem Falle — Tod 
am 12. Tao-e, Periton. univ., Param., Endom. septica -- sowohl. Kugelbacterien als auch Stähchen 
bacterien in grösserer Anzahl im Blute beobachtet habe, und zwar während des Lebens. 
*' Wien med. Presse Nr. 13 ~ 1S6K 
**\ M. Schulze, Arch, für mikrosk. Anatom. Band i. 1. Aufs. 
Uefoer j. Wesen d. Diphtherie. Virclv Arch. L. 1. p. 550 ff. 1870. 
+; Zur Kenntniss <1. bacteritischen Mykosen. 
2*
	        

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