Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Da nun ausserdem auch die mikroskopische Untersuchung nicht immer zum Ziele führt, 
weil sie einmal schwer zu handhaben und nur von sehr geübten Untersuchem mit einiger Sicherheit 
in Anwendung gebracht werden kann, andererseits aber gerade da, wo man ihrer nothwendig zu 
bedürfen glaubt, am häufigsten im Stiche lässt, so könnte mann leicht missmuthig werden und in 
dem Glauben, dass doch nichts dabei herauskomme, von jeder weitem Forschung abstehen. Allein 
so schlimm steht denn doch die Sache nicht, besonders für den Untersucher, der sich begnügt, den 
Pilz da zu finden, wo er in grösserer Menge und Anhäufung vorkommt, so dass er zu wirklichen 
Functionsstörungcn Veranlassung gieht, oder doch leicht ersichtlich geben kann. ü o dies aber der 
Fall ist, wo z. B. der Mikrokokkus um das 6- bis 8fache die Zahl der rothen Blutkörperchen 
im Blute übertrifft, wo er in grösserer Menge in einer Endarterie, einem Lymphgefässe, Nieren 
kanälchen sich findet, wo er zwischen die Hornhautfassem emdiingt u. s* w«, da ist er durch seine 
Anordnung, seine eigentümliche Kleinheit, durch den Glanz seiner einzelnen Elemente meist leicht 
zu erkennen. Wer einmal eine Pilzemholie unter dem Mikroskope gesehen hat, wird das so charae- 
teristische Bild kaum jemals vergessen können, vielmehr häufig nach Analogie desselben auf den 
ersten Blick im gegebenen Falle die richtige Entscheidung, ob Pilz oder nicht, zu geben im. Stande 
sein. Ich hatte schon lange mit Aufwendung vieler Zeit die Nieren von Diphtherie 
leichen, von inficirten Kaninchen, von an febris puerperalis Gestorbenen auf Pilze untersucht, bevor 
ich eine mit Bacterien ausgestopfte Nierenarterie zu Gesichte bekam, und hin nachträglich sehr 
froh darüber gewesen; hätte ich nämlich schon zu Anfang meiner Untersuchungen eine Ausstopfung 
von Blutgefässen und Nierenkanälchen gesehen, so würde ich lange nicht so genau die auf den 
ersten Blick zweifelhaften Bilder betrachtet haben, wie jetzt, wo ich die nicht zu verkennende 
Eigentümlichkeit einer Pilzembolie noch nicht in mich aufgenommen hatte. 
War ich früher über die Deutung der mikroskopischen Bilder häufig im Unklaren geblieben, 
so wusste ich nun mit einem Male, dass ich bis dahin Pilzanhäufung von einige] Bedeutung in der 
Eiere noch niemals gefunden habe. 
Daher, glaube ich kann auch ein weniger Geübter getrost an diejenigen Untersuchungen 
gehen, welche sich darauf beschränken den Pilz da aufzufinden, wo er nicht gut verkannt werden 
kann. Nach Oertel gehören mikroskopische Bilder, wie er sie seiner Schrift in Abbildungen 
beigefügt hat, nicht zu den Seltenheiten, und bei dem characteristischen Gepräge derselben, wird 
es desshalb nur von dem Fl eis se des Untersuchenden abhängen, ob er dasselbe Resultat erzielt 
oder nicht. 
In diesem Sinne bin ich an die Untersuchungen gegangen, habe mich zunächst durch 
Aufsuchen des Pilzes an den local diphtheritisch inficirten Stellen, und besonders in den Membranen, 
wo man sicher ist denselben in grosser Menge zu finden, mit seiner Gestalt und seinen Formen 
bekannt zu machen gesucht. Dann bin ich an die Untersuchungen des Blutes sowohl am Lebenden 
als auch in der Leiche gegangen, habe den Harn vorgenommen und hei den Sectionen die meisten 
Organe regelmässig durchuntersucht, ganz besonders einzelne. Gleichzeitig habe ich Impfungen an 
Kaninchen vorgenommen, über deren Resultate ich alsdann berichten werde. Da ich auf das Ver 
halten des Pilzes in den Membranen später bei den Berichten über die Impfungen in jedem 
einzelnen Falle noch wieder zurückkommen muss, die vorangegangene Beschreibung des Mikrokokkus 
aber nach seinem Vorkommen in und auf den local erkrankten Stellen gemacht ist, so kann ich 
hier davon Abstand nehmen.
	        

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