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Entzündung erregend, in nicht genau zu bestimmender Zeiteinheit eine Allgemeinerkrankung des
ergriffenen Organismus.
Diese seine Ansicht hat Oertel durch umfangreiche, planmässige Untersuchungen und
Experimente zu begründen gesucht.
Ich habe nun versucht, so viel es mir möglich war, auf ähnlichem Wege zu einem Schlüsse
zu kommen; den zum Theil wiederholten Versuchen O erteis habe ich noch einige andere hinzugefügt.
Bevor ich indess zur Schilderung meiner Befunde übergehe, habe ich noch einen wichtigen
-Gegenstand abzuthun, die Beschreibung des in Frage kommenden Pilzes und das Auffinden desselben.
Am zahlreichsten ist derselbe enthalten in den diphtheritischen Membranen oder den ober
flächlichen Schichten der primär affieirten Gewebe. Schon Buhl*) wurde 1867 auf das Vorkommen
eines Pilzes an den genannten Stellen aufmerksam, schrieb ihm aber keine weitere Bedeutung zu.
sondern sagt nur, er lasse es dahingestellt, ob es derselbe sei, welcher als Leptothrix buccalis
benannt stets in der Mundhöhle vorkomme, oder ob es ein anderer sei. Oertel nennt ihn
Mikrokokkus und fügen wir noch hinzu diphtheriticus, so haben wir damit die ihm von
Cohn gegebene Bezeichnung; letzterem folgen wir überhaupt am besten in der Eintheilung und
Beschreibung,
Nach ihm gehört der Diphtheriepilz zu einer Classe von pflanzlichen Organismen, die
dadurch, dass sie an der Gränze des Sichtbaren stehen, in ihrer Zusammensetzung und Beschaffenheit
nocli sehr wenig bekannt sind und unter dem Gattungsnamen Vibrio, Bacterium, Zoogloea
zusammengefasst werden. Von den als Bacterien benannten Organismen unterscheidet Cohn wieder
4 besondere Abtheilungen, und zu einer derselben, den Kugelbacterien, gehört der mikrokokkus
diphthericus; begleitet wird derselbe in grösserer oder geringerer Anzahl von dem bact. termo zu
den Stäbcheubacterien gehörig. Ausserdem kommen nach dem Orte der diphtheritischen Entzündung
noch Schraubenbacterien und unbestimmte Formen hinzu, die sieh durch Schwingfäden und schlauck-
förmige Fortsätze auszeichnen.
Der Mikrokokkus — lassen wir den Zusatz der Kürze wegen künftig weg — kommt
nun sowohl einzeln als auch in üolonieform und in sog. Gallertmassen vor: alle Formen bestehen,
aus kleinsten Bacterien; die Colonien aus blosser Aneinanderlagerung einzelner Mikrokokken, während
dieselben in den Gallertmassen noch durch eine Zwischensubstanz zusammengehalten werden. Aus
diesem Grunde bleiben letztere auch stets hei Theilungen kleinere oder grössere Klümpchen, sie
werden durch die Intercellularsubstanz zusammengehalten, während die Mikrokokkenschwärme sich
unter geeigneten Verhältnissen in einzelne oder doch zu nur zweien und dreien verbunden, auflösen
können. Zwischen den einzelnen Mikrokokken und den in grosser Anzahl zusammenliegenden be
steht noch der Unterschied, dass jene sich stets in bald stärkerer bald schwächerer Bewegung befinden,
während diese ein ruhiges Verhalten zeigen. Da nun die einzelnen Mikrokokken an der Grenze des
Sichtbaren stehen, und daher ihre Structur nicht genauer zu erkennen ist, ihre Bewegungen aber
meist nichts Characteristisches haben, so sind sie von vielen gleich kleinen, ebenfalls Bewegungen
ausführenden Molekularkörperchen äusserst schwer, gewöhnlich überhaupt nicht zu unterscheiden;
organische und anorganische Substanzen in molekularen Niederschlägen, sg, Detritus, Moleküle
körnig degenerirter Epithelien, Fette und Eiweissstoffe in feinster Vertheilung, alle können ein©
kugelförmige Gestalt, eine glatte, scharf markirte Begrenzung zeigen, und dies zusammen mit dem
ihnen eigenthümlichen Tanzen stellt es häufig dem Ermessen des einzelnen Beobachters anheim,
welche Deutung er dem mikroskopischen Bilde gehen will.
'■ Zeitschr. f. Biologie ill, 4. 1867.

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