Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Z e u k e r *) fand bei einer ausgebreiteten Encephalitis zahlreiche kleine schart umschriebene 
Eiterpiinktchen, welche sieh mittelst einer Nadel im Zusammenhänge herausheben Hessen und unter 
dem Mikroskop Klümpchen von Pilzfäden, rings von einer dünnen Eiterlage umhüllt, zeigten. Die 
Schleimhaut der Zunge und des Schlundes war mit Soormassen bedeckt. 
In den letzten Jahren sind mehrere rasch tödtlich verlaufende Erkrankungen beobachtet 
worden, deren Wesen hei Lebzeiten der Patienten nicht erkannt wurde, während die makroskopische 
und mikroskopische Untersuchung der Leiche ergab, dass es sich um eine dem Milzbrände analoge 
primäre Erkrankung des menschlichen Organismus handle. Es sind dies die Fälle von mycosis 
intestinalis. Autoritäten wie Virchow, Waldeyer, v. Recklinghausen, BuhJ, Wagner, 
Leute und Andere bürgen dafür, dass auch hei dieser Krankheit als wesentlicher Befund zahlreiche 
Vibrionen und Bacterien im Blute, im Magen in und auf der Darmschleimhaut, in den Lymphgefiisseu 
und in andern Organen aufgefunden wurden. 
Was über die meisten acuten Infectionskrankheiten gesagt und vermuthet ist, übergehe ich 
vollständig, weil es mich viel zu weit führen würde. 
Obermeyer hat zuerst die als Recurrensfädeu bezeichneten Pilze heim typhus recurrens 
beschrieben, und man kann jetzt mit der grössten Leichtigkeit aus den constant verkommenden 
Pilzen die Diagnose mit Sicherheit stellen. 
Davaine der zugleich fast unglaubliche allerdings später von Andern constatirte, aber 
neuerdings wieder stark angezweifelte Versuche und Resultate betreffend die Multiplication der Pilze 
oder wenigstens des putriden Giftes mittheilte, dann Klebs, Cohn, Hueter, um nur einige von 
den Vielen zu nennen, sprachen sich für das bedeutungsvolle Vorkommen von Pilzen im Blute und 
überhaupt im Organismusse Pyämischer und Septicämischer aus. Ja schon ging man soweit anzu 
nehmen, dass die Pyämie der Einwanderung oder Entwicklung von Kugelbacterien ihre Entstehung 
verdanke, während die Stäbchenbacterien beschuldigt wurden, in demselben Verhältnisse zur Septi- 
■eämie zu stehen, als in allerneuester Zeit eine Autorität wie Pan um die anscheinend dem Ab 
schlüsse nahe Anschauung wieder ziemlich schwach begründet erscheinen Hess. 
, Pan um durchaus kein Gegner der Lehre, dass die Aetiologie mancher Krankheiten auf 
Pilzvegetation beruhe, stellte sich hinsichtlich der Pyämie und Septicämie die Frage: Stehen die 
In faulen Flüssigkeiten bei gewöhnlicher Entstehung und Darstellung immer 
vorkommendeninikroskopisclien Organismen mit der als putride oder septische 
Infection bezeichneten Symptomengruppe in einem solchen Zusammenhänge, 
dass diese nicht zu Stande kommen könnte, wenn die mikroskopischen Orga 
nismen entfernt oder getödtet wären.“ 
Nachdem er nun zur Beantwortung dieser Frage aus. putriden Flüssigkeiten durch Filtriren 
die Bacterien entfernte, so dass er in dem Filtrate keine Spur derselben auf mikroskopischem 
Wege nachweiseu konnte, nachdem er andererseits durch stundenlanges Kochen die Organismen 
sicher getödtet, konnte er dennoch mittelst derselben Flüssigkeit in meist unveränderter Heftigkeit, 
hei Thieren eine septische Infection zu Stande bringen. Dies berechtigte Panum zu dem Schlüsse 
dass kleinste Organismen nicht nöthig seien zur Entstehung putrider Infection. 
Ich habe mit den letzten Erwähnungen in der Zeit etwas vorgegriffen, indem ich noch 
garments über die Diphtherie gesagt habe, während doch schon seit einer Reihe von Jahren bei 
*) Jahresber. cl. Ges. f. Natur- und Heilkunde in Dresden 1861—62. pag. 51. u. folg.
	        

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