Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Bassi hat zuerst nachgewiesen, dass bei der Mus cardine der Seidenwüriner sich die 
sg. Botrytis bassiana zu Millionen auf genannten Thieren als Schmarotzer niederlässt, wodurch 
dieselben gleichsam ausgesogen zu Grunde gehen. 
Aehnliche Entdeckungen machten bei Stichlingen und Tritonen Hannover u. G Manicus, 
wobei letzterer, ähnlich wie der Zeit He ule, auf die Abhängigkeit der später als zymotisch 
bezeichneten Krankheiten von der in Luft und Wasser verbreiteten mikroskopischen Orga 
nismen hinwies. . 
De Barry hat verschiedene Pilzformen bei Baupenepidemien aufgefunden. Er sah, wie 
die auf den Leib der Thiere gelangten Sporen sehr rasch keimten, wie die Keim schlauche ins Innere 
des Thieres hineinwucherten, und wie hier die Weiterentwickelung bis zur Bildung eines neuen 
befruchtenden Keimes vor sich ging. . 
Eine der häufigsten Thierkrankheiten dieser Art sehen wir namentlich im Herbste last 
täglich in einigen Exemplaren an unsern Stubenfliegen. Die Empusa muscae entsteht in Gestalt 
zahlreicher kleiner heller Zellchen im Blute der Fliege, welche sich schnell vergrössernd entweder 
ihre rundliche oder ovale Gestalt behalten, oder auch zu langen Schläuchen auswachsen; 8-10 
Stunden nach dem Tode des Thieres durchbrechen die Pilze den stark aufgeschwollenen Hinterleib 
der Fliege und schnüren eine Spore ab, die bis 3 Ctm. weit fortgeschleudert das todte Thier mit 
einem weissen Hofe umgiebt. Schon Goethe machte auf diese eigenthümhche Erscheinung 
CS Von besonderem Interesse ist die Entdeckung der Bacterien im Blute der an Milzbrand 
erkrankten Thiere da bekanntlich diese Krankheit auch auf Menschen übertragen werden kann. 
Davaine der die Bacterien als kleine Körperchen im Blute Milzbrandkranker sab, hielt 
sie für bedeutungslos. 
Pollender land sie ebenfalls, ohne ihre Bedeutung zu erkennen. 
Braueil*) fand die Körperchen kurz vor dem Tode der milzbrandkranken Thiere, hielt 
sie aber weder für die Träger des Contagiums, noch schreibt er ihnen eine ätiologische, sondern 
nur eine prognostische Bedeutung zu. . . 
Del,fond erkennte die Pilze als das Contaginm, ond Damme wies spater den 
Zusammenhang der Milzbr.ndbacterien mit dem Milzbrände selbst dnrch Impfungen nach V . rohen 
bat mehrfach das constaute Vorkommen „ngebenre, Mengm von Baotone» beim M.lzbr.nde nach 
gewiesen und zwar noch in letzter Zeit, wo eine Milzbrandepidemie unter Hirschen eines Wald- 
districtes ausgebrochen war. , .... , 
Kl ob suchte die Abhängigkeit der Botzkrankheit, von der bekanntlich besonders Pferde 
befallen werden, die sich aber auch auf Menschen übertragen lässt, durch die Anwesenheit von 
Pilzen zu erklären, und die Wahrscheinlichkeit spricht jedenfalls dafür. 
Von den durch Pilze hervorgerufenen Krankheiten des Menschen sind zuerst die Haut 
krankheiten zu nennen: Pityriasis versiculor, Favus, Eczema marginatum, Sycosis 
parasitica, auch der Soor der Mundschleimhaut gehören hierher, und seien nur kurz erwähnt. 
Schon 1850 stellte Panum die Behauptung auf, dass die Entwickelung eines besonderen 
Pilzes in' einem specifischen Verhältnisse zur C h o 1 e r a a s i at i c a stände, während Cohn, Thome, 
Virchow es geradezu als ausgemacht ansehen, dass die Ursache der genannten Krankheit in 
mikroskopischen Organismen zu suchen, sei. 
* N i Virch. Arch. 1857. XL pag. 132.
	        

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