4
Mit der Entdeckung der Infusorien auf mikroskopischem Wege schienen die Vermuthungeu
über kleinste Thiere als Krankheitserreger sich zu bestätigen, und als vollends durch die Entdeckung
der Saamenkörperchen, die man der beobachteten Bewegungen wegen für Saamenthierchen hielt,
das Vorkommen lebender Organismen im menschlichen Körper für ausgemacht galt, da wähnte
man über die Antiologie vieler Krankheiten bald im Klaren zu sein. Allein auch die besten
Forscher kamen über die einfachsten Entdeckungen nicht hinaus, während andererseits zum grossen
Naehtheile für die Wissenschaft einige Schriftsteller zur Veröffentlichung der thörigsten und
lächerlichsten Ansichten sich hinreissen Hessen. Einer derselben empfahl allen Ernstes Trommeln
und Kanonenschüsse zur Vertreibung der bei schweren Krankheiten als Ursache derselben in den
Lüften umherfliegenden kleinsten Thierchen in Anwendung zu bringen, während Andere ihren ebenso
abenteuerlichen Beschreibungen noch sogar die schreckenerregendsten Abbildungen von Thieren
beifügten.
Ist es daher zu verwundern, und muss man es nicht vielmehr sehr natürlich finden, wenn
selbst gewissenhafte Forscher, welche sich der neuen Lehre geneigt zeigten, in Folge der unzu
reichenden instrumcntellen Hülfsmittel und der geringen Ausbildung hothwendiger Hülfs Wissenschaften
in den Ruf der Lächerlichkeit kamen?
Nach vielfach wechselndem Schicksale hat sich nun endlich die Lehre von dem contagium
vioum Bahn gebrochen, und seit mehr als 10 Jahren denkt der grösste Theil wissenschaftlicher
Autoritäten nicht mehr daran, sich absolut gegen dieselbe zu erklären. Es giebt zu viele sicher
constatirte Thatsachen, die auch von dem nüchternsten Beobachter nicht geläugnet werden können,
und wenn auch mancher mit der .Deutung dessen, was er gesehen, äusserst vorsichtig zu Werke
geht, so muss er doch gestehen, dass viele Erscheinungen, was sowohl die Antiologie einer
Krankheit angeht als die anatomischen Veränderungen, welche dieselbe im Organismus hervorruft,
■am umgezwungensten durch die Gegenwart kleinster Organismen erklärt werden.
Das Interesse, welches dieser Gegenstand für den Anatomen, Kliniker und Arzt, auch
Botaniker und Zoologen nothwendig gewinnen musste, hat daher leichtverständlich die Literatur
über diesen Gegenstand so enorm an wachsen lassen, dass man sehr zufrieden sein kann nur Alles
gelesen zu haben; wenn ich mich aus diesem Grunde bei jetzt folgender Besprechung auf die
wichtigsten Thatsachen beschränke, glaube ich damit für eine Arbeit von dem Umfange der
vorliegenden genug gethan zu haben. Zugleich halte ich es für angemessen das, was über Pilz-
Krankheiten an Pflanzen und Thieren bekannt ist in Kürze ebenfalls zu erwähnen. Ich habe schon
eben das Wort Pilz gebraucht und will nur kurz bemerken, dass ich darunter kleinste Organismen
verstehe, mögen sie nun pflanzlicher oder thierischer Natur sein, welche ihr ganzes Leben oder
gewisse Perioden desselben auf oder in anderen lebenden Organismen zubringen, um von denselben
Nahrung zu ziehen, oder sich auf ihnen zu entwickeln.
Mit absoluter Sicherheit sind Pilze nun als die alleinige Ursache nachgewiesen bei gewissen
an bestimmte Gegenden gebundenen krankhaften Affectionen der Weintrauben. Diese theils grosse
Verheerungen anrichtende Erkrankung entsteht durch den von H, v. Mohl als Oidium Tuckeri
benannten Pilz:
Die für manche Gegenden so verhängnissvolle Kartoffelkrankheit, welche vor Anfang der
vierziger Jahre in Europa ganz unbekannt war, wird durch Peronospora infestans hervorgerufen,
nach de Barry.
Der Rost des Waizens und anderer Getreidearten, welcher oft ungeheuren Schaden anrichtet
beruht auch auf Pilzvegetation.
Grösser ist schon die Zahl der bei Thieren durch Pilze erzeugten Krankheiten.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.