Ueber das Vorkommen von Pilzen bei der Diphtherie.
Seit etwas länger als einem Jahrzehnte hat die medicinische Wissenschaft wohl keinen Gegenstand
aufzuweisen, über den so lebhaft discntirt worden, der keinen Augenblick wieder von der Tages
ordnung verschwunden, sondern immer und immer wieder zu neuen, wenn auch oft wenig lohnenden,
mühsamen Untersuchungen angestachelt hat als die Frage über Vorkommen und Bedeutung kleinster
Organismen bei verschiedenen Krankheiten. Trotzdem sind die Beobachtungen der einzelnen
Forscher und namentlich die Deutungen, welche sie denselben geben, so weit auseinandergehend,
dass gewiss noch viel Zeit darüber vergeht, noch unendlich viel mühevolle Arbeit erforderlich
werden wird, bis man zu einem definitiven Abschlüsse in dieser Frage gekommen sein wird.
Zwar ist der Gedanke, die Vermuthung, dass kleinste Organismen durch massenhafte
Einwanderung in den menschlichen Körper hier grosse Veränderungen anrichten und zur Ursache
mancher namentlich epidemischer Krankheiten werden könnten nicht erst in der Neuzeit entstanden..
Schon römische Aerzte im Alterthum sprachen in ihren Schriften die Vermuthung aus, dass gewisse
Krankheiten namentlich manche Arten von Malaria durch die Einwanderung kleinster Organismen
in den Körper erzeugt würden. Allein bei dem gänzlichen Mangel der für die Beweisführung
dieser Ansicht absolut nothwendigen Hülfsinstrumente, ward die Vermuthung bald wieder aufgegeben,
und viele Jahrhunderte lang wurde von keinem Menschen eine ähnliche Ansicht auch nur
ausgesprochen. Um das epidemische Auftreten gewisser Krankheiten und Seuchen zu erklären,
begnügte man sich mit den abenteuerlichsten Vorstellungen. In dem Blüthezeitalter der astronomischen
Mystik wurde das Auftreten besonderer Seuchen stets durch Veränderungen an Sonne und Mond
oder durch die verschiedenen Constellationen der Gestirne erklärt. Später wurde alles, was sich
nicht erklären Hess einem umhergehenden genius epidemicus auf die Schultern geladen, der sich
dann und wann durch besondere Abarten, wie constitutio pestilens und dgl. mehr vertreten lassen
konnte. Naturerscheinungen aller Art, grosse Kriege, überhaupt alles Besondere musste Rückwir
kungen auf den menschlichen Organismus zeigen.
Aufgetaucht ist die Ansicht, dass Organismen die Ursache von Krankheiten sein möchten
indess doch noch wieder, bevor man mit dem Mikroskope zu operiren begann, und zwar hinsichtlich
der Aetiologie der Pest.

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