Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Ueber das Vorkommen von Pilzen bei der Diphtherie. 
Seit etwas länger als einem Jahrzehnte hat die medicinische Wissenschaft wohl keinen Gegenstand 
aufzuweisen, über den so lebhaft discntirt worden, der keinen Augenblick wieder von der Tages 
ordnung verschwunden, sondern immer und immer wieder zu neuen, wenn auch oft wenig lohnenden, 
mühsamen Untersuchungen angestachelt hat als die Frage über Vorkommen und Bedeutung kleinster 
Organismen bei verschiedenen Krankheiten. Trotzdem sind die Beobachtungen der einzelnen 
Forscher und namentlich die Deutungen, welche sie denselben geben, so weit auseinandergehend, 
dass gewiss noch viel Zeit darüber vergeht, noch unendlich viel mühevolle Arbeit erforderlich 
werden wird, bis man zu einem definitiven Abschlüsse in dieser Frage gekommen sein wird. 
Zwar ist der Gedanke, die Vermuthung, dass kleinste Organismen durch massenhafte 
Einwanderung in den menschlichen Körper hier grosse Veränderungen anrichten und zur Ursache 
mancher namentlich epidemischer Krankheiten werden könnten nicht erst in der Neuzeit entstanden.. 
Schon römische Aerzte im Alterthum sprachen in ihren Schriften die Vermuthung aus, dass gewisse 
Krankheiten namentlich manche Arten von Malaria durch die Einwanderung kleinster Organismen 
in den Körper erzeugt würden. Allein bei dem gänzlichen Mangel der für die Beweisführung 
dieser Ansicht absolut nothwendigen Hülfsinstrumente, ward die Vermuthung bald wieder aufgegeben, 
und viele Jahrhunderte lang wurde von keinem Menschen eine ähnliche Ansicht auch nur 
ausgesprochen. Um das epidemische Auftreten gewisser Krankheiten und Seuchen zu erklären, 
begnügte man sich mit den abenteuerlichsten Vorstellungen. In dem Blüthezeitalter der astronomischen 
Mystik wurde das Auftreten besonderer Seuchen stets durch Veränderungen an Sonne und Mond 
oder durch die verschiedenen Constellationen der Gestirne erklärt. Später wurde alles, was sich 
nicht erklären Hess einem umhergehenden genius epidemicus auf die Schultern geladen, der sich 
dann und wann durch besondere Abarten, wie constitutio pestilens und dgl. mehr vertreten lassen 
konnte. Naturerscheinungen aller Art, grosse Kriege, überhaupt alles Besondere musste Rückwir 
kungen auf den menschlichen Organismus zeigen. 
Aufgetaucht ist die Ansicht, dass Organismen die Ursache von Krankheiten sein möchten 
indess doch noch wieder, bevor man mit dem Mikroskope zu operiren begann, und zwar hinsichtlich 
der Aetiologie der Pest.
	        

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