Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Operation fast ohne Blutung — es gingen vielleicht einige Unzen verloren — in 
überraschend glücklicher Weise vollendet*). 
9. VII. Patient hat die Nacht gut geschlafen. Temperatur 41,2 0 C. Am 
Steissbeine zeigt sich ein kleiner Decubitus. Ord. 2 Gramm Chinin. 
10. VII. Der Verband wird heute gewechselt wegen Durchtränkung dessel 
ben mit Wundsekret. Die Wunde sieht gut aus; Verband mit Carbolöl-Gazestrei- 
fen. Abends Temp. 41 0 C. 
12. VII. Das Befinden des Kranken ist im Ganzen ein gutes, nur fühlt er 
sich noch etwas schwach. Die Wunde secernirt stark. Der Decubitus greift nicht 
um sich. Temp. 40,0 0 C. Ord. 2 Gramm Chinin. 
I 5- VH- Nachts treten bisweilen Delirien ein; im Uebrigen Status idem. 
Temp. 40,0 0 C. Ord. 2 Gramm Chinin. 
19. VII. Die Delirien dauern noch fort; die Wunde sieht gut aus; die 
Eiterung wird geringer. 
21. VII. Patient delirirt nicht mehr, seine Kräfte nehmen zu. 
24. VII. Der hintere grosse Lappen hat sich schon angelegt. Temp. 39,0° C. 
27. VII. Im unteren Pheile der durch den hinteren Lappen gebildeten 
Tasche ist geringe Eiterverhaltung eingetreten; es wird eine Incision gemacht. Der 
Decubitus ist nicht grösser geworden und beginnt jetzt sich mit Granulationen zu 
bedecken. 
30. VII. Die Kräfte des Kranken haben sich bedeutend gfehoben. Die 
Wunde granulirt schön. Temp. 38,5 0 C. 
31. VII. Befinden befriedigend. Der Lappen hat sich in grösserer Aus 
dehnung angelegt. Temp. 38,4 0 C. 
i. VIII. Der Kranke fühlt sich kräftig; die Schmerzen sind fast ganz ver 
schwunden. Der Decubitus wird kleiner. Temp. 38,4 0 C. 
Der bis jetzt gute Verlauf lässt hoffen, dass Patient in einiger Zeit geheilt 
entlassen werden kann ; ob er freilich vor Recidiven sicher ist, lässt sich nicht be 
stimmen, doch darf man es hoffen, da alles Krankhafte durch die Operation soweit 
möglich entfernt zu sein scheint. 
) In der so eben erschienenen Nr. 18 des Centralblatts für Chirurgie wird ein Fall von 
E. Bouque und H. Leboucq mitgetheilt, in welchem wegen eines Sarkoms der Arm exarti- 
culirt und ein Iheil der Scapula (das Acromion) mit entfernt werden musste, und wo das Es 
march sehe Verfahren nicht in befriedigender Weise ausgeführt werden konnte, so dass ver 
mutlich in Folge des Blutverlustes der Patient auf dem Operationstisch starb. 
Bei dei relativ grossen Zahl von Exarticulationen und Resectionen des Humeruskopfes, 
die wir auf der hiesigen chirurgischen Klinik fast ohne Blutverlust haben ausführen sehen, kön 
nen wir nicht andeis als den Schluss ziehen, dass eine nicht ganz zweckmässige Anwendung des 
Verfahrens die Ursache des Misserfolges gewesen sei.
	        

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