Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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nicht rein entfernt werden kann ohne Mitwegnahme des Armes. Es wird daher 
zur Unterbindung der Subclavia geschritten. Vom oberen Wundwinkel also vom 
Acromion an wird ein Schnitt der Richtung des Schlüsselbeins folgend durch die fossa 
supraclavicularis bis zum äusseren Rande des m. sternocleido-mastoideus gemacht; 
die dabei biosgelegte A. transversa-scapulae wird sogleich unterbunden. Dann wird 
in die Tiefe gedrungen bis auf den Plexus brachialis; die ihn bildenden Nerven 
stränge erscheinen "stark gespannt und ihr Verlauf ist ein abweichender; anstatt 
schief von oben nach unten und aussen durch die fossa supraclavicularis zu ziehen, 
sind sie durch den Tumor medianwärts gedrängt und verlaufen fast senkrecht von 
oben nach unten. Eine eben solche Richtung hatte die A. subclavia, zugleich lag 
dieselbe weo-en des Hinaufgedrängtseins des Schlüsselbeins so tief, dass vorder 
hand an eine Unterbindung derselben nicht zu denken war. Deshalb wird ein 5,5 
Centimeter langes Stück der clavicula subperiostal resecirt, der m. subclavius durch 
schnitten die nun zunächst vorliegende vena subclavia doppelt unterbunden und 
zwischen den Unterbindungsstellen durchschnitten; in derselben Weise wird die bis 
unter das mediane Drittel der Clavicula verschobene und enorm gespannte Art. 
subclavia unterbunden. . 
Es wird dann zur Exstirpation der Scapula übergegangen, mit der die Ge- 
schwulst verwachsen zu sein scheint. Zu dem Zwecke wird an der Unteren Sette 
der Schulter ein gleichfalls halbkreisförmiger Schnitt geführt, welcher von dem 
inneren oberen Winkel der Scapula beginnend, über die Convex,tat der Schulter hm- 
weg bis an den unteren Winkel der Scapula verlauft, der Hautlappen zurückpräpanrt 
<md nun das Schulterblatt unter rotirenden Bewegungen des Armes vom m. serratus 
änt. mal. losgelöst und nach Durchschneidung der übrigen Muskelansätze mit dem 
Arme entfern! Da die ersparten Hautlappen viel zu gross ersehenen, so wtrd von 
dem vorderen Lappen ein grosses Stück weggeschnitten, und der hintere Lappen so 
»eit „ach vorn geschlagen, dass die Hautränder sich ohne Spannung aneinander 
legen. Um Verhaltung des Wundsecrets zu verhüten, wurden ,m Grunde des 
grossen Rückenlappens dort, wo die basis scapulae gelegen zwei Incts.onen ge 
macht, durch welche Drainröhren nach vorn zur grossen Wunde herausgeleitet 
»erden. Nach Ausspülung der ganzen Wundhöhle mit verdünnter Salzsäure (,%) 
»ird ein Druckverband mit Feuerschwamm, Charpiewatte, Firn.sspapter und Fla- 
aellbinden über die ganze Operationsstelle geleg.. 
Während der ganzen Operation war das Hauptaugenmerk darauf gerichtet, 
möglichst wenig Blut zu verlieren. Es wurde dies m sehr vollkommener Weise 
Reicht, dadurch dass man den Arm in der oben angegebenen Weise so viel wie 
möglich blutleer machte die Arteria und Vena subclavia unterband und ausserdem 
»ährend der Operation jedes blutende Gefäss sofort unterband oder torqmrte. So 
»urde diese sonst fast immer mit bedeutenden Blutverlusten verbundene grossartige
	        

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