Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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fast verstrichen. Die rechte Schulter ist bedeutend in die Höhe gedrängt, was 
besonders bei hinterer Ansicht auffällt. Das Acromion steht rechts 4 Centimeter 
höher wie links, der untere Winkel der rechten Scapula 7 Centimeter höher, wie 
auf dei gesunden Seite. Von Acromion zu Acromion durch die Achselhöhle ge 
messen beträgt der Umfang rechts 55,5 Centimeter zu 39 der linken Seite. Die 
Geschwulst hat von vorn nach hinten einen Durchmesser von 16 Centimeter. Vom 
Acromion nach der Achselhöhle gemessen beträgt die Entfernung 19 Centimeter zu 
8 der gesunden Seite, vom unteren Winkel der Scapula bis zum proc. coracoideus 
rechts 19,5, links 18 Centimeter. Die Basis der Geschwulst hat an der vorderen 
Seite der Achselhöhle eine Breite von 7, an der hinteren eine solche von 3 Centi- 
metern. Der rechte Arm ist von dem Thorax stark abducirt, die Entfernung der 
inneien Fläche desselben von der Thoraxwand beträgt an der Basis der Neubil 
dung 9 Centimeter, der Abstand des unteren Winkels der Scapula von der äusseren 
Fläche des Armes ist rechts 23, links 16 Centimeter. 
Mit der Brustwand ist der T umor nicht verwachsen, dagegen steht er in 
Verbindung mit dem Schulterblatte, dessen Bewegungen er beim Versuch den Arm 
zu heben folgt; der m. pectoralis maj. spannt sich hierbei stark an. Rotationen 
lassen sich ausführen, ohne dass sich die Geschwulst mitbewegt. Der Arm ist öde- 
matös geschwollen, das Gefühl auf dem Rücken des ersten und zweiten Fingers 
abgestumpft (N. radialis). Die A. subclavia ist wegen des Hinaufgedrängtseins der 
clavicula durch den Tumor nur ganz in der Tiefe und sehr undeutlich zu fühlen. 
Geschwollene Lymphdrüsen waren in der Umgebung nicht zu entdecken 
Die. Diagnose wurde auf Sarkom gestellt und die demnächstige Entfernung 
desselben in Aussicht genommen. 
Operation. 
8. VII. Heute wird dieselbe in tiefer Morphiumchloroformnarkose von Herrn 
Geheimerath Esmarch in folgender Weise vorgenommen: zunächst wird der rechte 
Arm von unten an mit einer elastischen Binde fest eingewickelt und so das Blut 
aus demselben herausgedrängt, sodann wird die Blutzufuhr zum Arme mittelst eines 
dicht unterhalb der Geschwulst fest umgeschnürten elastischen Schlauches abge 
schnitten. An der vorderen Seite der Schulter wird nun entsprechend dem äusseren 
Umfange des Tumors ein halbkreisförmiger Schnitt vom Acromion bis an die 
Brustwand geführt und der so umschnittene halbrunde Lappen zurückpräparirt. 
Der jetzt vorliegende m. pectoralis maj, wird nahe an seiner Ansatzstelle am Hu 
merus durchschnitten,, worauf die Geschwulst nur bedeckt von dem dünnen atrophi 
schen m. pectoralis min., welcher straff darüber weggespannt ist, frei zu Tage tritt. 
Sie wird sodann, soweit wie möglich von ihrer Umgebung isolirt, was ziemlich leicht 
geschieht, da sie abgekapselt ist. Hierbei zeigt sich, dass die grossen Nerven 
stränge und Gefässe der Achselhöhle den Tumor durchsetzen und dass derselbe
	        

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