Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Rippen abgehoben ist. Die Haut' über der Geschwulst ist anscheinend normal, 
kann überall in Falten erhoben werden, nur ist sie von ausgedehnten bläulich durch 
schimmernden Venen durchzogen. Die Consistenz ist im Ganzen derb, nur nach 
unten und aussen erhält man beim Betasten das Gefühl von Fluctuation. Schmerzen 
empfindet Patient weder spontan in dem Neoplasma, noch können sie durch 
Druck hervorgerufen werden. Die vorhandenen Schmerzen beschränken sich auf 
den Arm, wo sie bisweilen bis in die Fingerspitzen ausstrahlen; gegen früher haben 
sie bedeutend an Intensität verloren. Während der Reise hierher will Patient auch 
schmerzhafte Empfindungen zwischen den Schulterblättern gehabt haben, welche 
aber jetzt wieder verschwunden sind. Die Bewegungen des Armes sind frei und 
die Empfindung nicht vermindert, nur tritt nach verhältnissmässig geringer Anstren 
gung schon Ermüdung ein. Das Allgemeinbefinden ist nicht gestört, Fieber nicht 
v orhanden. 
Der angegebene Befund deutete auf eine Neubildung iecht schlimmer Art 
kin; die Diagnose wurde aufSarkoma medulläre gestellt und diese durch die später 
vorgenommene mikroskopische Untersuchung bestätigt. Die Prognose musste hier 
nach sehr ungünstig ausfallen, da, wenn auch die totale Exstirpation ohne allzugrosse 
Schwierigkeit ausgeführt werden konnte, doch sehr ungünstige Momente in der Nei 
gung des Markschwammes liegen, an mehreren Stellen zugleich aufzutreten, oder 
doch kurze Zeit nach der Entfernung zu recidiviren. Die einzige Möglichkeit der 
Rettung bestand trotz dieser ungünstigen Aussichten in totaler Entfernung der Neu 
bildung unter Mitnahme der Scapula. 
Operation. 
Am 9. Mai wird von Herrn Professor Esmarch die Operation in folgender 
Weise ausgeführt. Nachdem der Patient tief chloroformirt ist, wird zuerst ein Schnittt 
c[uer über das Acromion und das Schultergelenk gemacht, wodurch letzteres er 
öffnet Avird; sodann wird die Gelenkkapsel dicht am Oberarmknopf abgetrennt, 
Vorauf der Humerus aus der Gelenkhöhle luxirt wird. Der erste Schnitt wird 
darauf längs der spina scapulae bis zum inneren Rande derselben verlängert; \ r on 
hier wird ein Schnitt längs des inneren Randes der Scapula bis zum unteren Winkel 
geführt. Der so angedeutete dreieckige Lappen wird nun von der Geschwulst ab- 
P r äparirt, wobei sehr zahlreiche Gefässe bluten und unterbunden werden müssen, 
hierauf wird das Schulterblatt von unten her vom serratus anticus major abgelöst; 
hierbei zeigte sich, dass die Neubildung* die Scapula fast überall durchbrochen hatte, 
So namentlich am collum scapulae, welches bei der zuerst vorgenommenen Exarti- 
c Hation des Oberarmes abbrach. Der musc. serrat. ant. maj. erschien vollkommen 
gesund. Nachdem die Scapula von unten soweit wie möglich losgetrennt war, 
Werden die sie oben noch befestigenden Pheile durchschnitten, die Clavicula in
	        

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