Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Herrn Geheimerath Esmarch zur Veröffentlichung in dieser meiner Inaugural' 
Dissertation gütigst überlassen. 
Erster Fall. 
Exstirpation der Scapula mit Erhaltung des Armes wegen eines 
Medullar sarkoms. 
E. R-1 33 J- Buchdrucker aus Burg auf Fehmarn, wurde wegen einer 
Geschwulst an der linken Schulter ins hiesige Friedrichshospital, damals als chirur 
gisches Clinicum benutzt, aufgenommen. 
Die Anamnese ergab Folgendes: Patient behauptet von gesunden Eltern 
abzustammen und sollen in seiner Familie nie besondere Krankheiten erblich o-e- 
ö 
wesen sein. Er selbst hat immer in günstigen Verhältnissen gelebt und will nie 
erheblich krank gewesen sein. Im Herbste vorigen Jahres traten ohne bekannte 
Veranlassung heftige reissende Schmerzen im Vorderarm, besonders an der Dorsal- 
seite desselben auf; dieselben hielten jedoch nicht beständig an, sondern es traten 
öfters tagelange Remissionen ein. Allmälich breiteten sich die Schmerzen auch auf 
den Oberarm und hier besonders an der Innenseite desselben aus. Mehrmals 
wiederholte Applikationen^von Schröpf köpfen vermochten zwar die heftigsten Schmerz- 
paroxysmen zu mildern, aber keine dauernde Besserung herbeizuführen. Kurze Zeit 
vor Neujahr zeigte sich an der Uebergangsstelle vom Acromion zur Spina scapulae 
der linken Schulter eine etwa nussgrosse Geschwulst, welche langsam aber beständig 
wuchs. Der behandelnde Arzt verordnete Einreibungen von Ungt. Kal. jodat., 
welche aber ohne Wirkung blieben. In den ersten Tagen des Februar stellte sich 
plötzlich ein rapides Wachsthum der Neubildung ein, ohne dass die Schmerzen 
heftiger auftraten und bewog dies endlich den ängstlich gewordenen Kranken sich 
zur Consultation und etwaigen Operation ins hiesige Hospital aufnehmen' zu lassen- 
Status praesens am 4. Mai. Patient ist ein grosser kräftig gebauter Mann 
von gesundem Aussehen. Bei der Besichtigung desselben wird die Aufmerksamkeit 
sogleich auf eine beträchtliche Geschwulst der linken Schulter gelenkt. Dieselbe 
hat ungefähr die Grösse eines Mannskopfes; nach unten reicht sie bis zur Spitze 
des Schulterblattes, nach rechts bis nahe an die Wirbelsäule, nach aussen bis auf 
2,5 Centimeter Entfernung vom Oberarmkopfe, nach oben wird sie durch das 
Schlüsselbein begrenzt. Der grösste Durchmesser der Geschwulst beträgt von rechts 
nach links 27 Centimeter, von oben nach unten 22 und von innen nach unten aussen 
24 Centimeter. Mit der Scapula scheint der Tumor vollständig verwachsen zu sein, 
denn beim Heben des Armes macht er die Bewegungen derselben mit; an eine 
Verbindung mit den Rippen ist so nicht zu denken. Indessen scheint die NeubiT 
dung das Schulterblatt durchbrochen zu haben und gegen die Thoraxwand gewu 
chert zu sein, da der untere Winkel der Scapula ungefähr 2 Finger breit von den
	        

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