Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Demnach beruht das Ausbleiben der Uteruscontractionen nach dem Tode der 
Frucht wahrscheinlich auf örtlichen Veränderungen, sei es der Uterusnerven, sei es 
der Muskulatur. Diese können schon seit längerer Zeit vorbereitet sein, und möglicher 
weise schon die Ursache des Todes der Frucht sein, oder auch sie treten erst nach 
dem Tode ein, und sind dabei die Vorgänge in Betracht zu ziehen, die in dem Uterus 
statt haben, sowohl die Veränderungen in der Placenta als auch die Circulations- 
störungen, die in Folge des Todes der Frucht auftreten. Sistirt der foetale Kreislauf 
in der Placenta, so beginnt die Zersetzung des Blutes in den foetalen Gefässen, der 
Blutfarbstoff wird aufgelöst, er transsudirt durch die Gefässwände, und wird in das 
mütterliche Gefässsystem aufgenommen. Der ganze Ernährungsverkehr zwischen 
Mutter und Kind ist plötzlich aufgehoben. Dazu kommt, dass durch die nach Ver 
minderung des Uterusinhaltes eintretenden Contractionen die Gefässe theilweise 
geknickt, theilweise comprimirt werden; die ganze Ernährung des Organs findet also 
unter sehr ungünstigen Umständen statt. Zugleich wirkt der Uterusinhalt auf den 
selben immer wieder als fremder Körper. Welcher Art die Veränderungen sind, die 
da vor sich gehen, darüber lässt sich vor der Hand noch Nichts sagen, es sind noch 
keine Untersuchungen der Art gemacht. Die Degenerationen, wie wir sie in den 
Sectionsberichten geschildert finden, geben uns ja gar keinen Anhalt, da sie doch 
jedenfalls erst sekundär sind. 
Auffallen muss es uns, wenn wir die Krankengeschichten durchsehen, dass unter 
den 19. Kranken sich nur zwei Frauen finden, die noch nicht geboren haben (bei 
dreien ist es nicht angegeben). Es scheint demnach die Annahme sehr gerechtfertigt, 
dass der Uterus, der schon einmal die Metamorphose in Schwangerschaft und Puerperium 
durchgemacht hat, eher zu solchen Abnormitäten neigt. 
Wie soll man sich nun als Arzt in solchen Fällen verhalten, wo bei unver 
letzten Eihäuten die Ausstossung nicht bald nach dem Tode der Frucht folgt? Zu 
nächst ist natürlich das exspectative Verfahren einzuschlagen, da gewöhnlich die 
Ausstossung nach einiger Zeit spontan erfolgt. Bleibt diese aber über eine gewisse 
Frist hinaus aus, so wird es darauf ankommen die Atonie des Uterus zu bekämpfen 
durch wehenerregende Mittel, und ist da in erster Linie zu nennen die Douche und 
der Tampon als die mildest und sicherst wirkenden; die Einführung des Katheters 
in den Uterus ist jedenfalls mit grosser Vorsicht zu handhaben, damit die Eihäute 
nicht zerreissen und Fäulniss der Frucht eintritt, wodurch die Prognose viel schlecter 
werden würde. Hat sich bereits ein Lithopädion gebildet, so wird man sich natürlich 
jedes Eingriffs enthalten, und nur bei etwa auftretenden Entzündungen oder Absee- 
clirungen therapeutisch Vorgehen. 
Ist die Eiblase geplatzt, so wird man sofort mit wehentreibenden Mittel, mit 
Douche, Tampon oder Einlegung eines Katheters auf alle Weise die Geburt zu fördern 
suchen, um einerseits die Mutter vor der Gefahr der Infection mit den Zersetzungs-
	        

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