Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

22 
ständige Entleerung des Uterus ohne besonderen Schaden für die Kranke statt 
finden wird. 
Um uns über die Momente, welche bei dem Ausbleiben der Geburt, sei es 
nur eine Zeit lang über die normale Schwangerschaftsdauer hinaus, sei es bis zum 
lode der Mutter, in Betracht kommen, klar zu werden, müssen wir uns zunächst 
sowohl die Veränderungen in’s Gedächtniss zurückrufen, welche die abgestorbene Frucht 
im Uterus durchmachen kann, als auch die Ursachen, welche am normalen Ende der 
Schwangerschaft oder nach dem eingetretenen Tode des Foetus die Ausstossung des 
selben bewirken. Stirbt die Frucht aus irgend welchem Grunde, der ja ganz ver 
schiedener Natur sein kann, ab, und bleiben die Eihäute unverletzt, so ist die ge 
wöhnliche Folge, dass dieselbe im Fruchtwasser macerirt wird, und nach längerer 
oder kürzerer Zeit Uteruscontractionen eintreten, welchen die Ausstossung alsbald 
folgt. Es kann aber auch zuerst das Fruchtwasser resorbirt werden, und schrumpft 
dann der Foetus einfach zusammen und wird muinificirt (foetus papyraceus). In diesen 
1 ällen erfolgt meist nach längerer Zeit noch die spontane Ausscheidung. In seltenen 
Fällen erfährt der Foetus eine lipoide Umwandlung (Hecker und Buhl I. pag. 327), 
und scheint dies die Vorstufe der Lithopädionbildung zu sein. Mitunter wird auch hier 
noch die Frucht spontan ausgestossen. Bleibt sie aber eine längere Zeit im Uterus 
zurück, so lagert sich nach Meckel zuerst in den Umhüllungen und den äussern 
und allmählig auch in den innern Theilen eine fettig-kalkige Masse ab, nachdem eine 
einfache F ettentartung durch Ranzigwerden des Fettes und Bildung von Fettsäure und 
Kalkseifen vorangegangen ist. Ist diese Veränderung bis zu einem gewissen Grade 
gediehen, so bleibt die Frucht wohl stets bis zum Tode der Mutter im Uterus zurück. 
Ganz anders gestalten sich die Verhältnisse, wenn gleich nach dem Tode der 
Frucht oder vielleicht auch als Ursache desselben eine Zerreissung des Eissackes er- 
folgt. Treten nicht alsbald energische Uteruscontractionen auf, welche eine sofortige 
Entleerung des Uterus bewirken können, so geht die Frucht bei dem Zutritt der 
atmosphärischen Luft in Fäulniss über, die VVeichtheile werden aufgelösst und fliessen 
ab, und bleiben nur die resistenten Knochen im Uterus zurück. Damit sind aber die 
Verhältnisse für die Austreibung sehr ungünstige geworden, da die Uteruscontractionen 
keinen ordentlichen Angriffspunkt mehr haben. Während sie bei der macerirten Frucht 
sowohl als auch bei der mumificirten doch immer noch auf den Uterusinhalt als 
Ganzes wirken können, müssen sie hier eine Menge einzelner nicht mehr zusammen 
hängender Theile austreiben. Dadurch wird die Elimination eine sehr langwierige 
und kann sich über-Jahre hinziehen; es wird, wenn der Muttermund nachgiebig genug 
ist, ein Knochen nach dem andern ausgestossen, doch findet anscheinend nach allen 
angeführten Fällen dieser Art eine vollständige Entleerung nie spontan statt. Ist hin 
gegen im Cervix ein Hinderniss vorhanden, so kann der wenn auch schwache aber 
dauernde Druck gegen die entblössten Knochen, von denen vielleicht einer mit einer
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.