Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

(sie kann die Zeit der letzten Menstruation nicht genau angeben); Kindsbswegungen 
glaubt sie gefühlt zu haben, weiss aber nicht zu sagen, wann sie zuerst aufgetreten. 
Im Mai bekam sie nach einem Schreck eine unerhebliche Blutung, die sich zeitweilig 
mit Abgang von Wasser und Schleim wiederholte. Am vierten Juni floss dann eine 
grosse Menge Wasser ab, wobei angeblich der Muttermund geschlossen war. Es wur 
den vom Hausarzte Sekale und Einspritzungen in die Scheide verordnet, wonach nur 
sehr schwache Wehen eintraten. Am 12. Juni gingen mehrere grössere Coagula ab; 
°b Theile der Placenta dabei gewesen, lässt sich nicht ermitteln. Seit einiger Zeit be 
merkt Pat., dass dem eitrigen Ausflusse und der Scheide kleine Knochen beigernengt 
sind, was möglicherweise schon früher unbemerkt der Fall gewesen ist. 
Bei der ersten Consultation am 26. Juni 72 waren leichte gastrische Störungen 
Vorhanden, die jedoch der Kranken erlaubten zeitweise ausser Bett zu sein. Die Wan 
gen sind echauffirt, Zunge roth, nicht trocken, auf der Unterlippe sieht man einige 
Hache in der Heilung begriffene Geschwüre. Der Puls ist klein und frequent (100— 
120 Schläge in der Minute). Pat. empfindet keinen Schmerz weder spontan noch bei 
Druck. Die Gedärme sind stark von Luft aufgebläht ohne bedeutende Spannung der 
Dauchdecken, Der Uterus steht handbreit über der Symphyse, ist nicht empfindlich. 
Die Scheide ist heiss, die kurze Vaginalportion steht in der Mittellinie des Beckens 
massig tief. Der Muttermund ist für den Finger gut durchgängig, rund geschwellt; 
m der oberen Oeffnung des kurzen Cervikalkanals fühlt inan deutlich kleine, rauhe 
Knochenstücke, die fest gegen dieselbe gepresst sind. Der Uterus ist bimanuell leicht 
beweglich, Ausfluss unbedeutend gelblich, ohne auffälligen Geruch. Während früher 
Diarrhöen vorhanden gewesen, war heute keine Oeffnung erfolgt. Die bisher abge 
gangenen Knochen (Metacarpalknochen, Wirbelbogenhälften und Bruchstücke eines 
kchädelknochens) gehören ihrer Grösse nach einem Kinde von kaum sechs Monaten an. 
19. VII. Nach einem Bericht, des behandelnden Arztes befindet sich Pat. ziem 
lich wohl, ohne Fieber, und ist seit längerer Zeit ausser Bett. Der Ausfluss, der in 
zwischen übelriechend geworden, dauert fort. Es sind wieder mehrere schwärzlich 
gefärbte Knochen, (Rippen, Fibula und libia) abgegangen. Nachdem ihm die Ein 
führung einer Sonde in den Uterus misslungen war, hatte er sich begnügt, von der 
Hebamme Injectionen mit einer Lösung von Carbolsäure resp. alum. acet. in die Scheide 
machen zu lassen. Eine Untersuchung hatte er nicht wieder vorgenommen. 
19. XI. Pat. ist mit häuslicher Arbeit beschäftigt. Das Aussehen ist wohl 
üur noch etwas blass; subjectives Befinden gut. Die Menstruation ist bereits viermal 
^gelmässig wiedergekehrt (also etwa seit Ende Aug. oder Anfang Sept.), zuletzt in 
Voriger Woche, wobei ein Femur abgegangen war; wie viele Knochen überhaupt zum 
Vorschein gekommen sind, lässt sich nicht sicher feststellen. Der übelriechende Aus 
fluss dauert fort. Bei der Untersuchung zeigt sich der Uterus erheblich kleiner, etwa 
drei Finger breit über der Symphyse, die Oberfläche ist platt, fühlt sich hart an, u.
	        

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