Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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liau N., 36 Jahre alt, hat zweimal ohne Schwierigkeiten geboren, zuletzt vor 
zehn Jahren; Ende Juli erwartet sie ihre dritte Niederkunft. Eine Woche vor diesem 
lerrnin stellten sich Ziehen und Schmerzen im Unterleib ein, die ihr jedoch erlaubten 
umherzugehen; fünf Tage darauf Hessen sich ßlutspuren sehen. Am 30. stellten sich 
gute kräftige Wehen ein, die zwei Stunden anhielten, ohne einen Einfluss auf die 
Erweiterung des Muttermundes auszuüben, und die dann in Krampfwehen übergingen. 
Nachdem sie 24 Stunden gedauert hatten, und der Muttermund sich noch nicht 
genügend erweitert hatte, hörten die Wehen plötzlich auf, und bekam Pat. ein heftiges 
Erbrechen von scheusslich riechenden Massen. Das Erbrechen wiederholte sich 
mehrmals während der Nacht. Wie die Frau sich die ersten Stunden nachher 
befunden hat, muss dahingestellt bleiben, da der Mann zu dem weit entfernt wohnenden 
Geburtshelfer gegangen war, der ihm Etwas aufschrieb, und ihn tröstete, dass die 
Geburt bald glücklich von Statten gehen würde. Als der Mann zurückkam, befand 
sich Pat. ziemlich wohl mit unbedeutenden Schmerzen; Kindsbewegungen hatte sie 
seit dem Aufhören der Wehen nicht mehr gefühlt. Einige Tage nach dem Eintritt 
der Wehen wurde sie von einem Unwohlsein befallen, welches mit Frösteln eingeleitet 
und von trockener Hitze begleitet wurde. Am zehnten Tage bemerkte man eine 
blutig-wässerige Flüssigkeit, die aus den Genitalien abfloss in nicht unbedeutender 
Menge. Von jetzt an nahm der Ausfluss einen putriden Geruch an, der zuletzt so 
stark wurde, dass das ganze Haus danach roch; der herbeigeholte Arzt meinte, man 
könne die Ausstossung der Frucht ruhig abwarten. 15 Wochen nach Eintritt der 
Wehen wurde dann Dr. Mordhorst gerufen, nachdem fünf oder sechs Kippen nebst 
einigen Wirbelkörpern durch den Darm entleert waren. Pat. ist sehr anämisch, ab ge 
magert und klagt über Schmerzen im Becken. Der untersuchende Finger stiess 
gleich in der Scheide auf einen Schädelknochen, der theils noch im Uterus sass, und 
theüs denselben unten und hinten durchschnitten hatte, so dass er in die Vagnia 
vorragte. Es wurden nun möglichst viele Knochen entfernt; doch war Pat. durch 
diese Operation so erschöpft, dass eine Untersuchung per anura nicht mehr unter 
nommen werden konnte. Die Frau erholte sich dann allmählig wieder, und klagte 
nur über Abgang flüssigen Koths, der durch die Vagnia absickerte, und unverdaute 
1 heile der kurz vorher genossenen Speisen enthielte. Nachdem noch einzelne Knochen 
entfernt waren, schloss sich die Fistel langsam, und gingen acht Monat nach der 
misslungenen Geburt nur noch nach der Menstruation geringe Kothrnengen durch die 
Vagnia ab, (Es bestand nach Mordhorst’s Untersuchung eine Communication zwischen 
der Uterushöhle und der Mitte des Dünndarms). 
Ich lasse hier die Beschreibung des von Herrn Prof. Litzmann beobachteten 
1 alles folgen. 
Fall 19. Frau H., ca. 30 Jahre alt, hat dreimal rechtzeitig geboren, zuletzt vor 
zwei Jahren. Im Dec. 1870 oder Anfang Jan. 71 wurde sie zum vierten Male schwanger
	        

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