Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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ging nach und nach in einen rein serösen Ausfluss über. Pat. fühlte ausser etwas 
Spannung in der Weichen- und Lendengegend beim Stehen und Gehen, sowie etwas 
unregelmässig wiederkehrendem stechendem Schmerze im Leibe nichts Lästiges. Die 
bis drei Querfinger über den Nabel reichende, nach dem kleinen Becken hin sich 
verlierende, bimförmige, selbst bei Druck nicht schmerzhafte und in allen Richtungen 
bewegliche Geschwulst im Leibe war fibrös-cartilaginöser Resistenz. Der Uterus konnte 
nur bei bimanueller Untersuchung mit dem Finger innerlich erreicht werden; Mutter 
mund stand vorn, sonst nichts Besonderes. Man meinte es mit einem Uterusflbroid 
zu thun zu haben; bis zum vierten Juni trat bei einem resolvirenden Verfahren keine 
Veränderung ein. Durch ein Versehen rieb sich Pat. den Leib mit Wiener Aetzpaste 
ein, wovon grosse Geschwüre die Folge waren. Mit der durch den Muttermund ein 
geführten Sonde stiess man in einer Höhe von zwei Zoll auf einen harten Gegenstand. 
Um diesen zu entfernen, führte man Pressschwamm in den Muttermund ein, ver 
ordn ete Vaginaldouchen von lauem Wasser, und Belladonnasalbe an den cervix uteri. 
Bei Entfernung des Schwammes entleerte sich fast stets Eiter in verschiedener Menge 
und übelriechendes Gas; übrigens war kein Erfolg zu sehen, und machte die Ein 
führung des Schwammes der Kranken immer Schmerzen. Dabei stellte sich vom 7. 
Juni an leichtes Fieber, Nachtschweiss, Diarrhoe, Exkoriation der Vulva und Scheide 
und neben dem erwähnten Eiterabflusse der Abgang von Knöchelchen (Phalangen) 
ein. Um den Foetus zu entfernen, setzte man den Gebrauch des Pressschwamms und 
der Vaginalinjectionen fort, und liess Allgemeinbäder nehmen. Bald konnte man mit 
dem Finger soweit in die Gebärmutter eindringen, dass man darin glatte mit über 
einander geschobenen und gezahnten Rändern versehene Knochen erkennen konnte, 
und einige kleinere Knöchelchen entfernen. Der Uterus selbst zeigte nicht die geringste 
Contractionsbestrebung trotz fortgesetzten Gebrauchs von secal. cornut. Eine auf dem 
Bauche entstandene Blase entleerte viel Eiter. Inzwischen verminderte sich zwar der 
Eiterabfluss per vaginam, doch blieb der übrige Zustand beim Alten; namentlich ge 
lang die Erweiterung des Gebärmutterhalses nicht über den bisherigen Grad hinaus 
und scheiterte an der Rigidität seiner Wände. Dabei wurde das Allgemeinbefinden 
bedenklich. Man entschloss sich, den Kaiserschnitt zu machen, für den man viel Vor 
theil von der deutlich erkannten Verwachsung des Uterus mit der vorderen ßauch- 
wand erwartete. Bei Eröffnung der Bauchhöhle zeigte sich denn auch jene Verwach 
sung. Aus dem Uterus trat stinkendes Gas aus, und wurde der sonst ganz von Weich- 
theilen entblösste Foetus extrahirt. Pat. befand sich in Besserung, so dass man mit 
einigem Grunde auf einen glücklichen Ausgang hoffen durfte. 
Fall 16. Dr, Buzzell (North American med. chir. review Sep. 1860. p. 901) 
mitgetheilt in der Gazette hebdomadaire de med. et de chir. VIII. 1861 Nr. 39. 
Eine Frau von 42 Jahren, die mehrmals rechtzeitig geboren und einige Male 
abortirt hatte, wurde von neuem schwanger, und im April 1858 schien die Geburt zu
	        

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