Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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eine ungewöhnliche Menge der schmutzigsten und übelriechendsten Flüssigkeit ent 
leert wurde, und der Uterus kaum mehr die Grösse wie bei einer sechsmonatlichen 
Schwangerschaft darbot. Die Kranke fühlte sich sehr erleichtert, die Wehen wurden 
schwach und selten. In den nächsten 24 Stunden änderte sich der Zustand nicht 
wesentlich, nur bemerkte man, dass aufgelöste Gehirnmassen abgingen. Bei der Unter 
suchung wurden in dem hoch stehenden und eng zusammengezogenen Muttermunde 
die entblössten Scbädelknochen gefühlt. Man beschloss die Wendung auf die Füsse 
zu machen und die Frucht zu extrahiren, musste jedoch davon abstehen, da die Ein 
führung der Hand bei der Enge des innern Muttermundes, der sich bei Berührung 
nur noch fester zusammenzog, nicht möglich war. Man schritt nun zur Extraktion 
.der einzelnen Knochen, und wurden in den nächsten drei bis vier Wochen särnmt- 
liche Schädelknochen und fast alle Knochen des Oberkörpers entfernt. Während dieser 
Zeit erholte sich Pat. sehr; sie wurde dann auf ihren Wunsch entlassen. Sie lebte 
noch mehrere Monate in dem Zustande einer stets getrübten Gesundheit; periodisch 
kamen neue Reizungen, übelriechende Ausflüsse, und bald darauf soll sie am Zehr’- 
fieber gestorben sein. 
Fall 14. M’ Clintock bespricht in Dublin Quart. Journ. Febr. 1864 einen Fall, 
den ich leider nun in der etwas sehr kurzen Mittheilung in Canstatts Jahrb. 1864 I\, 
p. 395 habe bekommen können. 
Es war bei einer zum vierzehnten Male Schwangeren, welche früher immer 
ausgetragen, im siebenten Monat der Foetus abgestorben; die Schwangerschaft aber 
ging weiter; im neunten Monat ging unter Wehen eine blutig wässerige Flüssigkeit 
ab, die Wehen sistirten dann, traten fünf Wochen später wieder zwei Tage lang ein, 
wo dann von einem Arzte Knochen (Rippen) aus der Scheide entfernt wurden. Vf. 
sah 62 Wochen hernach die Frau; er fand den Uterus von einer dem vierten Schwan 
gerschaftsmonat entsprechenden Grösse, reichlichen Ausfluss stark foetider Flüssigkeit, 
und erkannte im Uterus Knochentheile. Er erweiterte den Cervix mit Pressschwamm, 
und entfernte mehrere Knochenstücke; innerhalb fünf Wochen wiederholte er dies 
sieben Mal, später wegen entzündlicher Erscheinungen seltener; nach der letzten 
Operation starb die Kranke unter den Zeichen einer akuten Pyärnie. Sektion wurde 
nicht gemacht. 
Fall 15. Fr. Alonso machte nach 22monatlicher Intrauterinschwangerschaft den 
Kaiserschnitt mit glücklichem Erfolge. (El siglo med. 236. Jul. 1858. Schmidts Jahrb. 
1859. 101. p. 63). 
Eine 35jährige, schwächliche, immer regelmässig menstruirt gewesene Frau, 
hatte bereits vier normale Geburten und einen Abortus überstanden, und glaubte sich 
seit neun Monaten wieder schwanger. Zur Zeit der erwarteten Entbindung trat indess 
lebensgefährliche Metrorrhagie auf, um deren willen die Frau in’s Lazareth aufge 
nommen wurde. Die Blutung kehrte mehrmals, wenn auch schwächer, wieder, und
	        

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