Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Untersuchung eine knorpelartige, platte Masse, die für die veränderte Placenta gehalten 
werden konnte. Die Scheide wurde tamponirt, und kalte Einspritzungen gemacht. 
Die Wehen dauerten noch zwei Tage ohne irgendwie auf den Muttermund einzuwirken. 
Es stellte sich dann später heraus, dass jene scheibenartige Masse nicht die Placenta, 
sondern die vordere Lippe des Muttermundes gewesen war. (que ce qui paraissait 
etre un placenta malade etait la levre anterieure de l’orifice interne). Der Zustand 
blieb mehrere Monate lang derselbe, der Uterus wurde etwas kleiner und härter, und 
zeigte weniger deutlich Fluktuation. Es traten dann Harnbeschwerden auf, und im 
November erlag Pat. einer subakuten Peritonitis. 
Bei der Sektion land man eine allgemeine Peritonitis, die am fundus uteri be 
sonders stark ausgeprägt war. Beim Anschneiden der Gebärmutterhöhle entwich eine 
geringe Menge sehr stinkenden Gases; in derselben lag ein zusammengedrückter 
Foetus. Die Placenta war viel fester und grösser als sie gewöhnlich zu sein pflegt; 
daneben befand sich etwas foetide Flüssigkeit. Die Muttermundslippen waren knor 
pelartig hart, bläulich-weiss, und erstreckte sich diese Veränderung ebenfalls auf das 
untere Viertel des Uteruskörpers; die Muskulatur w r ar hier fast gänzlich verschwunden. 
Bei mikroscopischer Untersuchung des Gewebssaftes entdeckte man viele polygonale 
Zellen. 
Fall 13, In dem Wochenblatt der k. k, Gesellschaft der Aerzte zu Wien, Juli 
1855 Nr. 31 p. 500 giebt Prof. Götz eine sehr ausführliche Krankengeschichte, die 
ich im Auszuge wiedergebe. 
Eine 32jährige gesunde Frau, die vor zwei Jahren ein gesundes Kind geboren, 
wurde zum zweiten Male schwanger, und diente als Magd bis zum siebenten Monat 
ohne erhebliche Beschwerden, als sie eines Morgens ihre Bettwäsche ganz blutig fand. 
Sie arbeitete dann noch einen Monat weiter, bis abermals eine Blutung eintrat, die 
so heftig war, dass sie von einer Ohnmacht befallen wurde, und einige Tage das 
Bett hüten musste. Sie erholte sich einigermassen wieder, fühlte sich aber noch sehr 
schwach. Nach Verlauf von 14 Tagen verlor ;sie plötzlich sehr viel mit Blut ver 
mischtes Wasser, dem gleichfalls wieder Blut folgte, wodurch sie veranlasst wurde in 
der Anstalt Hülfe zu suchen. Der wässerig blutige Ausfluss bestand fort, und hatte 
den gewöhnlichen Geruch des Fruchtwassers. Lebenszeichen des Kindes konnten nicht 
mit Sicherheit ermittelt werden. Der Muttermund stand hoch, war äusserlich aufge 
lockert, der innere weniger geöffnet und ein Kindestheil kaum zu erreichen. Geburts 
wehen waren nicht vorhanden; der übrige Befund zeigte nichts Besonderes, Nach 
drei Pagen stellten sich Wehen ein, der innere Muttermund wurde eröffnet, und 
samrnt dem jetzt erkennbaren Kopfe tiefer herabgepresst; dabei fühlte man rechts im 
Muttermunde einen weichen schwammigen Körper, der für den losgetrennten Mutter 
kuchen gehalten werden konnte; der Ausfluss wurde übelriechend, und schien der 
Bauch bei unregelmässigen Wehen an Umfang zuzunehmen, bis in der Nacht plötzlich
	        

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