14
Untersuchung eine knorpelartige, platte Masse, die für die veränderte Placenta gehalten
werden konnte. Die Scheide wurde tamponirt, und kalte Einspritzungen gemacht.
Die Wehen dauerten noch zwei Tage ohne irgendwie auf den Muttermund einzuwirken.
Es stellte sich dann später heraus, dass jene scheibenartige Masse nicht die Placenta,
sondern die vordere Lippe des Muttermundes gewesen war. (que ce qui paraissait
etre un placenta malade etait la levre anterieure de l’orifice interne). Der Zustand
blieb mehrere Monate lang derselbe, der Uterus wurde etwas kleiner und härter, und
zeigte weniger deutlich Fluktuation. Es traten dann Harnbeschwerden auf, und im
November erlag Pat. einer subakuten Peritonitis.
Bei der Sektion land man eine allgemeine Peritonitis, die am fundus uteri be
sonders stark ausgeprägt war. Beim Anschneiden der Gebärmutterhöhle entwich eine
geringe Menge sehr stinkenden Gases; in derselben lag ein zusammengedrückter
Foetus. Die Placenta war viel fester und grösser als sie gewöhnlich zu sein pflegt;
daneben befand sich etwas foetide Flüssigkeit. Die Muttermundslippen waren knor
pelartig hart, bläulich-weiss, und erstreckte sich diese Veränderung ebenfalls auf das
untere Viertel des Uteruskörpers; die Muskulatur w r ar hier fast gänzlich verschwunden.
Bei mikroscopischer Untersuchung des Gewebssaftes entdeckte man viele polygonale
Zellen.
Fall 13, In dem Wochenblatt der k. k, Gesellschaft der Aerzte zu Wien, Juli
1855 Nr. 31 p. 500 giebt Prof. Götz eine sehr ausführliche Krankengeschichte, die
ich im Auszuge wiedergebe.
Eine 32jährige gesunde Frau, die vor zwei Jahren ein gesundes Kind geboren,
wurde zum zweiten Male schwanger, und diente als Magd bis zum siebenten Monat
ohne erhebliche Beschwerden, als sie eines Morgens ihre Bettwäsche ganz blutig fand.
Sie arbeitete dann noch einen Monat weiter, bis abermals eine Blutung eintrat, die
so heftig war, dass sie von einer Ohnmacht befallen wurde, und einige Tage das
Bett hüten musste. Sie erholte sich einigermassen wieder, fühlte sich aber noch sehr
schwach. Nach Verlauf von 14 Tagen verlor ;sie plötzlich sehr viel mit Blut ver
mischtes Wasser, dem gleichfalls wieder Blut folgte, wodurch sie veranlasst wurde in
der Anstalt Hülfe zu suchen. Der wässerig blutige Ausfluss bestand fort, und hatte
den gewöhnlichen Geruch des Fruchtwassers. Lebenszeichen des Kindes konnten nicht
mit Sicherheit ermittelt werden. Der Muttermund stand hoch, war äusserlich aufge
lockert, der innere weniger geöffnet und ein Kindestheil kaum zu erreichen. Geburts
wehen waren nicht vorhanden; der übrige Befund zeigte nichts Besonderes, Nach
drei Pagen stellten sich Wehen ein, der innere Muttermund wurde eröffnet, und
samrnt dem jetzt erkennbaren Kopfe tiefer herabgepresst; dabei fühlte man rechts im
Muttermunde einen weichen schwammigen Körper, der für den losgetrennten Mutter
kuchen gehalten werden konnte; der Ausfluss wurde übelriechend, und schien der
Bauch bei unregelmässigen Wehen an Umfang zuzunehmen, bis in der Nacht plötzlich

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.