Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Jahren von neuem geschwängert; im achten Monat stellten sich nach einer bedeutenden 
körperlichen Anstrengung Kreuzschmerzen ein, unter deren Steigerung das Wasser in 
bedeutender Menge abfloss. Eine Pfuscherin liess die Gebärende volle vier Tage 
liegen, und wendete dann mittelst eines um den Leib angelegten Leintuches einen 
Druck an, um so gleichsam den Inhalt der Gebärmutter herauszupressen, was natür 
lich nicht zum Ziele führte. Die Unglückliche war wieder auf die Hülfe der Natur 
verwiesen Vierzehn Tage dauerten die Schmerzen noch fort, dann Hessen sie etwas 
nach. In der dritten Woche soll eine starke Metrorrhagie eingetreten sein, welche 
aber auf Anwendung gewöhnlicher Volksmittel gehoben wurde. Von dieser Zeit soll 
Pat. von allen Schmerzen verschont und nur von einem reichlichen eiterigen stinkenden 
Scheidenausflusse belästigt worden sein. Dann gingen zwei einer Foetusrippe ähnliche 
Knochenstücke ab. Aehnliche Zufälle wiederholten sich in den folgenden Jahren; es 
geschah die Ausscheidung der Knochen in grossem Intervallen, und im elften Jahre 
ihrer Krankheit fingen ihre Kräfte an zu sinken, so dass sie das Bett hüten musste. 
Hier sah der Verfasser die Leidende; er fand den Unterleib in der regio hypogastrica 
hervorgetrieben, daselbst mittelst der Palpitation den Uterus zwei Zoll unter dein 
Nabel stehen, der stellenweise schmerzhaft war. Aus den Genitalien floss eine miss 
farbige, äusserst stinkende, jauchige Flüssigkeit; der Muttermund stand nach hinten, 
war nur der Spitze des Zeigefingers zugänglich, welcher daselbst an ein sehr spitzes, 
fest eingekeiltes Knochenstück stiess, welches das weitere Eindringen in den Uterus 
hinderte. Unter den Symptomen der Pyämie starb die Leidende. 
Die Sektion ward angestellt, und bei dem behufs der Eröffnung der Bauch 
höhle geführten seichten Längsschnitte stiess das Skalpell drei Zoll unter dem Nabel 
an eine harte Stelle, zu dessen möglichster Schonung zuerst der quere Bauchschnitt 
vollführt wurde, um auf diese Weise die daselbst mit dem unterliegenden Uterus durch 
ein derbes, knorpelartiges, mehrere Linien dickes Gewebe verwachsene Bauchwand 
von der Seite loszupräpariren. Auf dem bei zwei Zoll unter den Nabel reichenden 
freien fundus uteri bemerkte man eine silbergroschengrosse, mit zackigen, schwam 
migen Rändern versehene, durch eine dünne missfarbige Jauche verlegte Oeflhung, 
unter welcher die derbe Verwachsung des Uterus mit der vorderen Bauchwand be 
gann. Durch diese Oeflhung gelangte man mit dem Hefte des Skalpells in die Höhle 
des Uterus. Bei Eröffnung derselben fand man die Knochen einer siebenmonatlichen 
Frucht in einer jauchigen Flüssigkeit liegen. Es folgt die Aufzählung der Knochen. 
Die Hinterwand des Uterus war ganz frei, der mittlere und untere Theil der vorderen 
Wand mit den Bauchmuskeln und der Harnblase, die Seitenwandungen mit den Tuben, 
Ovarien und breiten Mutterbändern fest verwachsen, seine »Substanz am fundus und 
dem freien oberen Theile der vorderen Wand grünlich missfarbig, matsch, so dass 
ein mässiger Fingerdrnck selbe ganz durchbrach; der übrige Theil der Vorderwand 
sowie die Seitenwandungen aus einem derben, resistenten, weissgelblichen, faserigen
	        

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