Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

andern Hand einen Eimer Wasser tragend, rücklings eine Treppe hinunter, ohne sich 
jedoch bedeutend dabei zu verletzen. Im neunten Monat sah sie dann eines Tages 
z Wei Reiter auf sehr grossen Pferden, die ihre lebhafte Aufmerksamkeit erregten. 
Andern Morgens fühlte sie sich krank und klagte über einen schweren Traum, der sie 
beim Erwachen noch ängstigte; sie träumte, dass sie von den beiden Pferden verfolgt 
s ei, und dass sie dabei in die linke Seite gebissen sei. Von da an fühlte die Frau 
kein Lebenszeichen des Kindes mehr. Es stellte sich ein blutiger Ausfluss aus der 
Vagina ein. Als Wageninge zur Kranken kam, stand die Blutung, und, da Wehen 
Vorhanden waren, glaubte er die weitere Aufsicht der Hebamme überlassen zu könnend 
vine innere Untersuchung wurde der Blutung wegen nicht gemacht. Den zweiten 
Tag trat abermals eine Blutung auf, die wieder bei Ankunft des Arztes stand; bei 
einer vorgenommenen Exploration zeigte sich Alles ganz normal, nur war keine Dila 
tation des Muttermundes wahrzunehmen. Die Wehen nahmen darauf ab, und die 
Brüste fielen ein. Mit Ausnahme einiger geringfügigen Blutungen, die jedes Mal einem 
gelinden Adstrigens wichen, war Pat. dann ganz gesund. Nach 3—4 Jahren sah 
die Frau zuerst wieder, und klagte sie ihm, dass sie seit einem Jahre an fauligen 
Diarrhoen litte, die sie mit den Worten schilderte: „gerade wie Wasser, und als ob 
* c h einen todten Menschen im Leibe hätte,“ Dabei war sie sehr abgernagert. Es 
Vüirde Wein und Chinin verordnet und der Frau anbefohlen, genau auf ihren Stuhl- 
Sang zu achten. 
Als sechs Jahre seit der Befruchtung verflossen waren, brachte, dann der Mann 
Gnen Schenkelknochen, der mit dem Stuhl abgegangen war. Eine Untersuchung 
vrgab nichts Besonderes, da es bei völlig geschlossenem Muttermunde unmöglich war, 
*üit dem Finger in den Uterus einzudringen; bei der exploratio per anurn zeigte sich 
*n des Höhe von etwa drei Zoll an der vorderen Mastdarmwand eine Oeffnung, durch 
die der Finger in eine mit breiigen Massen und Knochen gefüllte Höhle gelangte, 
kfie Oeffnung war rund und schien einer ziemlich beträchtlichen Ausdehnung fähig. 
k>ei genauerer Untersuchung überzeugte sich Verb, dass es die Gebärmutterhöhle sei, 
Welche diesen Inhalt berge. Die Schädelknochen bildeten eine Kapsel, in der die 
übrigen Knochen zusammengeballt lagen wie in einer Schachtel. Es wurden darauf 
^nerhalb zweier Monate zu verschiedenen Malen 136 Knochen entfernt, und in der 
Zwischenzeit fleissige Injectionen mit Olivenöl gemacht. Der Uterus zog sich nach 
Entleerung seines Inhaltes gut zusammen. Die Mastdarmuterusfistel schloss sich rasch 
*nit Hinterlassung einer später deutlich fühlbaren Narbe. Die Frau erholte sich sehr 
bald und erlangte ihr früheres blühendes Aussehen wieder. Die Menstruation stellte 
Geh wieder ein und war bis mehrere Jahre nachher immer regelmässig. 
Fall 11. Vondörfer. Oestr. Jahresb. 1848, Jan. s. 51 (berichtet in Canstatt’s 
J ahrb. 1848 III. p. 325.) 
Eine 49jährige Person, welche bereits zweimal geboren hatte, ward vor elf
	        

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