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Eine Frau von 40 Jahren, die sich stets einer ziemlich ungestörten Gesundheit
erfreut hatte, war zum zweiten Male schwanger, als ihr erstes Kind im zweiten Le
bensjahre starb. Weil sie glaubte, selbst die Veranlassung des Todes ihres Kindes
gegeben zu haben, verfiel sie in eine tiefe Melancholie, die zwei Jahre lang anhielt.
Ihre Gesundheit wurde mit vielen Mitteln einigermassen wiederhergestellt; die Schwan
gerschaft schritt aber nicht fort, und veränderte der Tumor im Leibe sich nicht an
Grösse, und im siebenten Schwangerschaftsmonat begannen die Brüste zu erschlaffen.
So blieb dann der Zustand einige Jahre. Darauf traten profuse Menstruationen auf»
dje mit den klimakterischen Jahren allmählich aufhörten. Der Gesundheitszustand der
Frau war dann, mit Ausnahme häufiger Stuhlverstopfungen, ein erträglicher. Der Tumor
neigte sich mehr und mehr nach rechts. 27 Jahre nach der verfehlten Geburt er
krankte Pat, an einem gastrisch-rheumatischen Fieber, von dem sie genas. Bald
stellten sich aber nach langem Gehen Taubheit und Schwellung des rechten Fusses
ein. Im folgenden Jahre bekam Pat. ein heftiges Fieber mit Coliken und Schmerzen
im Kreuz; dabei war der Leib gegen Druck sehr empfindlich. Es wurden Abführmittel
gegeben, die anfangs ohne Erfolg waren, bis sich plötzlich eine grosse Menge übel
riechender Flüssigkeit in das Bett ergoss; aber weder die Kranke noch die Umstehen
den konnten angeben, ob dieselbe per anurn oder per vaginam abgegangen sei. Dieses
wiederholte sich dreimal und fühlte sich Pat. dadurch sehr erleichtert. Ein dünn'
flüssiger eitriger Ausfluss dauerte fort, dem kleine Knochenstückchen beigemischt
waren. Das Fieber nahm dann einen hektischen Charakter an, es stellten sich Husten
und Decubitus ein, und bald darauf starb die Frau.
Bei der Sektion fand man einen Tumor im Leibe, der als der Uterus erkannt
wurde. Die Scheide war angefüllt mit einer stinkenden Flüssigkeit, der kleine Knochen
beigemengt waren; übrigens war sie gesund. Der Muttermund war scirrhös verhärtet
und für einen Federkiel eben durchgängig. Der Cervix war kurz und hart. Vorn
und links am corpus uteri befand sich ein Steatom von Faustgrösse, ein ähnliches,
etwas kleineres rechts und hinten, und ein drittes, das kleinste, hinten und unten;
sie alle waren angefüllt mit Knäueln von zusammengeballten Haaren. Der Uterus
hatte die Grösse des Kopfes eines dreijährigen Kindes; der Fundus war knorpelich,
weiss und durchscheinend, welche Veränderungen sich nach dem Cervix zu all-
mählig verloren. Eine abnorme Communication des Uterus mit andern Organen war
nicht zu entdecken. In der Gebärmutterhöhle befand sich ziemlich viel blutig-eitrige
Flüssigkeit mit Knochen aller Grössen vermischt.
Fall 10. Wageminge (Nederlandsch Lancet 1840. Jaarg. II. p. 578. mitgetheilt
in Schmidt’s Jahrbüchern Bd. 28 pag, 77.
Joh, de Bruin wurde drei Jahre nach einer glücklichen Entbindung zum zweite»
Male schwanger. Im siebenten Monat fiel sie mit ihrem Kinde auf dem Arm, in der

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