Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Bei der Oeffnung fand sich im Unterleibe eine weisse, ungleiche, runde und 
beträchtlich harte Geschwulst, die einen Theil der Nabel- und die ganze hypogastrische 
Gegend einnahm. Nach vorn zu war sie fest mit dem Bauchfelle verwachsen, und 
^wischen diesen Verwachsungen befanden sich mehrere speckartige Geschwülste, von 
denen die grösste etwa einen Theelöffel Materie enthielt. Die abgesonderte Geschwulst 
batte neun Zoll im Durchmesser und wog ö 1 /* Pfd. Nur mit Mühe Hessen sich einige 
Stückchen von der knorpelig-knöchernen Kapsel absondern, die sie umgab, und zu 
gleich mit dieser kamen einige Rippen, ein Hüftbein und einige Wirbelbeine zum 
Vorschein Es folgt dann die Beschreibung des ziemlich wohlerhaltenen Fostus. An 
der linken Seite des Uterus nach hinten, zwischen ihm und dem Mastdarme, fühlte 
man eine sehr harte Geschwulst. Sie war oval, knochig, von der Grösse eines Hühner- 
Ges, und hing mit dem Körper des Uterus zusammen, der in der Gegend dieser Ver 
bindung ausserordentlich dünn, zerrissen und durchlöchert war. Auch die Geschwulst 
War in der Gegend, wo sie an dem Uterus hing, offen, und man erblickte die Knochen 
Gner ungefähr dreimonatlichen Frucht darin, welche mit einem dicken schwarzrothen 
Schleim umgeben waren. Die Mutterscheide war mit dem Mutterhalse eins, so dass 
man das in die Scheide vorragende Segment der Gebärmutter gar nicht finden konnte; 
r bese war nur dicker und enger an dieser Stelle. 
Hier möchte ich zweier Fälle gedenken, über die ich nur eine ganz kurze 
Notiz in Voigteis Handb. der patholog. Anatomie Bd. III. pag. 519 habe finden können, 
bs heisst daselbst: 
Fall 7. Merklain J ) sah von einer Frau bei der monatlichen Reinigung nach 
l md nach mehrere kleine Knochen abgehen; und 
Fall 8. Schulz 2 ) sah nach einer neunjährigen Schwangerschaft 128 Knochen zu 
v erschiedenen Malen aus dem Muttermunde, den man vorher verschlossen fand und 
<Vch lange fortgesetzte erweichende Einspritzungen eröffnet hatte, hervorkommen. 
Wenngleich diese Mittheilungen ihrer Kürze wegen nicht verwerthet werden 
können bei der Erklärung, zumal es nicht eimal feststeht, dass einfache Uterinschwan 
gerschaft Vorgelegen hat, so habe ich sie doch der Vollständigkeit halber erwähnen 
Wollen. 
In den eben daselbst erwähnten Fällen von Wenck (Miscell. Nat. Cur. Dec. III. 
A m IV. obs. 67) und Bartholin (Hist, an at. rar. Cent. IV. hist. XIV. Tom. II. p. 238) 
bandelt es sich um sogenannte Superfeetation, wo also bei Zwillingsschwangerschaft 
Wahrscheinlich die eine Frucht in früheren Monaten abgestorben ist, deren Knochen 
( ^ a nn mit der ausgetragenen anderen Irucht ausgestossen wurden. 
Fall 9. (Prael: de fetu duodetriginta annos in utero detento. Dissert. Göt- 
tingen 1821). 
’) Miscell. Nat. Cur. Dec. I. An. VIII. obs. 68. 
2 ) Kongl. Vetenschap. Academ. Handling 17 67 Volum. XXVIII p. 25 7. (üebersetzt von Kästner).
	        

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