Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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wand der verknöcherten Cyste verwachsen war. Der Foetaltheil des Nabelstranges 
sass an dem Körper des Kindes fest, sein Placentartheil war nirgends zu entdecken. 
Fall 5. De la Vergne erzählt in dem Journal de Medic. 1761 Tom, XIV p* 
440 folgende Krankengeschichte: 
Eine Weinverkäuferin bekam etwa in der 30 Woche ihrer Schwangerschaft, 
nachdem sie mit Appetit eine Mahlzeit verzehrt hatte, plötzlich heftiges Erbrechen, 
Man holte eine Hebamme, die die Kranke ruhig arbeiten hiess. Andern Morgens fand 
ich sie sehr erschöpft von der nächtlichen Arbeit; der Muttermund war noch voll 
ständig geschlossen Bald darauf wurde ich wiederum zur Kranken gerufen, und wurde 
mir gesagt, dass viel Wasser auf natürlichem Wege abginge, was ich für Fruchtwasser 
erklärte. Nach acht Tagen befand Pat. sich wieder vollständig wohl, so dass sie ihre 
häuslichen Geschäfte verrichten konnte. Als so etw-a 22 Monate seit dem Unwohlsein 
verflossen waren, musste die Frau, um Wein zu verladen, einen Weg von 3 Meilen 
machen; unterwegs bekam sie plötzlich beim starken Auftreten des Pferdes heftige 
Schmerzen im linken Hypogastrium, Andern Tages stellte sich ein stinkender Aus 
fluss und Schmerzen in der Nabelgegend ein, die so intensiv waren, dass nicht ein 
mal der Druck des Hemdes vertragen wurde. An dieser Stelle bildete sich dann ein 
Abscess, der bald aufbrach und mit dem Eiter Knochen eines Kindes entleerte, All- 
mählig erholte sich Pat. wieder bis zum völligen Wohlbefinden, nur floss von jetzt 
an das Menstrualblut durch jene Oeflhung in der Nähe des Nabels ab. 
Bei der Kürze der Beschreibung lässt es sich in diesem Falle bezweifeln, ob 
zur Zeit der Entstehung des Abscesses die Frucht sich überhaupt noch im Uterus be 
fand, oder ob nicht vielmehr bei dem ersten Anfall von Unwohlsein und Erbrechen 
eine Uterusruptur mit Austritt des Kindes in die Bauchhöhle stattgefunden hat, der 
dann die Abscedirung folgte. 
Fall. 6. Seiler berichtet in seiner Abhandlung in der Zeitschrift für Natur- 
und Heilkunde, Dresden 1820 Bd. 1 Heft 2 p. 215 eine Beobachtung, die von Moreau 
gemacht und in der Gazette salutaire de Bouillon 1790 veröffentlicht wurde: 
Eine gesunde Frau wurde nach acht glücklichen Wochenbetten abermals schwan 
ger; den 8. März 1752 fanden sich zur rechten Zeit die Geburtswehen ein; aber, nach 
dem man lange vergebens gewartet hatte, fand die Hebamme bei der Untersuchung 
den Muttermund fest verschlossen. Ein Accoucheur konnte ebenso wenig ausrichten. 
Es folgten die schmerzhaftesten Wehen, wobei die Wasser abgingen, und von nun an 
hatte sie nur die Empfindung schwacher Nachwehen. Der Blutabgang dauerte sechs 
Wochen lang. Nach und nach schien sie sich zu erholen und bis zu Ende des Jahres 
blieb sie gesund. Da entstanden abermals Schmerzen von der heftigsten Art mit Blut 
stürzen begleitet, fünf bis sechs Wochen darauf legten sich die Zufälle, und ihr Zu 
stand wurde sehr leidlich, doch bekam sie ihre Reinigung nie wieder. Von der Zeit 
an lebte sie noch 32 Jahre und genoss im Ganzen eine gute Gesundheit,
	        

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