Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Bei der Sektion fand sich ein mit dem Uterus verschmolzenes, zum grösseren 
Theil verknöchertes Kind. Der Kopf mit dem wohl zu erkennenden Gesicht bildete 
das breitere gegen den fundus uteri gekehrte Ende der Geschwulst. Rumpf und un 
tere Extremitäten waren von der Scheere zerstört. Kind und Gebärmutter zeigten 
»ich zusammen verknöchert, an Letzerer waren nirgends Adhäsionen in Folge voran- 
gegangener Entzündung bemerkbar. 
Fall. 4. (von Cheston beobachtet und von Lawrence zuerst mitgetheilt in rned. 
chir. transact, publish, by the med. and chir, society of London 1814 Vol. V. p. 104.) 
Mrs. Cowles hatte drei Jahre nach ihrer letzten Entbindung das Ende ihrer 
vierten Schwangerschaft erreicht ohne irgend besondere Zufälle während der Zeit der 
selben. Es traten Wehen ein, die aber gleich schwach waren (lingering) waren, und 
die Geburt nicht förderten. Der hinzugerufene Arzt erklärte, die Wehen seien zu 
schwach, um die Geburt vollenden zu können, diese könne nur mit Instrumenten be 
endigt werden, was die Frau entschieden verweigerte. Nachdem die Wehen noeh 
einige male wiedergekehrt waren, hörten sie nach 3 Tagen gänzlich auf. Drei Monate 
lang kränkelte die Frau, erholte sich dann aber vollkommen, und hatte nie über irgend 
Welche Beschwerden zu klagen. In ihrem 80 Jahre bekam sie einen Schlaganfall, 
Und starb bald darauf an einer von einem Fussgeschwür ausgehenden Gangrän. 
Bei der Sektion fand sich eine mit den sie bedeckenden dünnen Gedärmen 
und dem grossen Netz fest verwachsene Geschwulst, welche von den Adhärenzen be 
freit, eine vollständig knöcherne Oberfläche zeigte, und mit dem Uterus zu einer Masse 
verschmolzen war. Die verdünnten Wandungen des über zwei Zoll langen Gebär- 
üiutterhalses Hessen an der Innenfläche deutlich die ihnen in der ^orm zukommende 
Faltenbildung erkennen. Der Hals des Uterus endete mit einer Oeffnung, eben weit 
genug, um einer dünnen Bonde den Durchgang zu gestatten, welche von hier aus in 
gerader Richtung nach einwärts drang. Als man den Gebärmutterhals spaltete, kam 
eine scharf gezeichnete, etwa zwei Zoll lange Furche zum Vorschein, welche in eine 
blind endende Höhlung von dem Umfange einer Erbse auslief. Die vasa spermatica 
waren auf der rechten Seite an den oberen Theil des in die Länge gezogenen Uterus 
angeheftet, deutlich zu erkennen, von dem Eierstock jedoch war Nichts zu sehen. Der 
rechte Eileiter zeigte das Ansehen eines derben Stranges von der Dicke eines Feder 
kiels, am linken war nichts Besonderes zu bemerken, wogegen die Anwesenheit des 
linken Eierstockes nicht mit Sicherheit ermittelt werden konnte. Die Geschwulst hatte 
eine rundliche Gestalt, und war mit Ausnahme der Stelle, wo die im Gebärmutterhals 
befindliche Furche endete, ganz verknöchert. Hier fand sich eine „mit steomatoser 
oder Talgartiger Materie“ erfüllte Oeffnung; eine in sie eingeführte Sonde drang einen 
halben Zoll weit vor, und stiess sodann auf einen festen Körper. Die Geschwulst ent 
hielt einen wohlerhaltenen ausgewachsenen Foetus, der überall fest mit der Innen-
	        

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