Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

gerader Richtung vorwärts gegen die Schambeine gelagert hinab, mithin stand das 
Gesicht und die vordere Gegend des Kindes nach rückwärts gegen den Mastdarm zu. 
Die untere Gegend der Gebärmutter und der Muttermund waren gänzlich verknöchert. 
Der Muttermund stellt nämlich einen langen hornähnlichen Kegel vor, ist verbeinert 
und ragte sehr tief in die Mutterscheide hinab, so dass man diesen Körper durch 
die Mutterscheide fühlen konnte. Dieser Kegel besteht aus dem Zusammenwuchs der 
unteren Gliedmaassen. 
Bei der weiteren genauen Beschreibung des Foetus wird gesagt, dass sowohl 
die Uteruswand mit den Eihäuten, Amnion und Chorion, als auch diese mit der Ober 
fläche der Frucht fest verwachsen gewesen seien, so dass das ganze nur eine Hülle 
zu sein schien. 
Fall 3. Den von Coldwell beobachteten und in Edinb. medic, and surgic. 
Journal 1866 Sol. II p. 22 mitgetheilten Fall gebe ich nach Kieser (a. a. 0. p. 18.) 
Mary Delap, seit 26 Jahren verheirathet, ohne Kinder zu bekommen, wurde 
im Juni 1805, im Alter von 60 Jahren, ohne bekannte Ursache von heftigen Schmer 
zen im Bauch und Becken, vergesellschaftet mit hartnäckiger Verstopfung und er 
schwertem Wasserlassen, befallen. Kurz nach ihrer Verheirathung hielt sie sich für 
schwanger, und hatte damals einen reichlichen Ausfluss aus dem Uterus, welchen man 
für eine Fehlgeburt erklärte. Seit jener Zeit blieb die Menstruation regelmässig bis 
zum 50. Jahre und die Gesundheit der Frau, zeitweise eintretende colikartige, mit Ver 
stopfung und Beschwerden beim Wasserlassen, vergesellschaftete Schmerzen abgerech 
net, ungetrübt, bis im Jahre 1805 die schon erwähnten Zufälle eintraten. Auf An 
wendung von Klystiren und Abführmitteln erfolgte Stuhlgang und Urinentleerung. Die 
injicirte Masse wurde durch eine in der Vagina fühlbare, umfangreiche, dem Kopfe 
eines Kindes zu vergleichende Geschwulst verhindert, weit in dem Mastdarm vorzu 
dringen. Die Schmerzen hielten an und wurden mehr wehenartig, ohne dass der Ge 
bärmutterhals seine Gestalt veränderte. Der gegen das Schambein gekehrte Muttermund 
stand tief, und war nur so weit geöffnet, dass er einem Katheter den Eingang ge 
stattete, welcher durch den 1—2 Zoll langen Gebärmutterhals hinaufgeführt auf einen 
festen Körper von knochenartiger Härte stiess. Da Schmerzen und Urinverhaltung 
andauerten, so wurde der erhärtete Muttermund durch einen Kreuzschnitt erweitert, 
was der Kranken nicht die geringsten Schmerzen verursachte. Man fühlte nun in 
dem Gebärmutterhals eine membranartige Substanz vor der knochenharten Geschwulst 
liegend. Da die Zange nicht weit genug eingeführt werden konnte, so wurden Scheeren 
und Klammern angewandt. Die Scheere konnte nur mit grosser Kraftanstrengung in 
der harten Masse herumbewegt werden, und bewirkte in derselben eine nicht bedeu 
tende Höhlung. Nach mehrstündigen Anstrengungen überzeugte man sich, dass es 
unmöglich sei, die Geschwulst zu zerstückeln oder durch die Vagina herauszubefördern. 
Die sehr erschöpfte Kranke bekam mehrmals Ohnmächten und starb den folgenden Tag-
	        

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