Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Fall 2. Mühlbeck erzählt in der Abhandl. d. k. k. Josephin. med. ehir. 
Acädemie zu Wien 1788 Bd. 1. p. 225, einen ähnlichen Fall. 
Susanne Nehibin, Frau eines Unteroffieiers, wurde, nachdem sie vor zwei Jahren 
von einem Mädchen glücklich entbunden war, wieder schwanger. Etwa um die Mitte der 
Schwangerschaft fühlte sie mehrmals schwache Bewegungen der Frucht, die aber 
allmählig schwächer wurden und dann ganz aufhörten; zugleich hatte sie die Empfindung, 
als ob sich ein schwerer Körper in ihrem Leibe heruntersenkte, der bei veränderter 
Körperhaltung seine Lage wechselte. Im elften Monat stellten sich Wehen ein, die 
drei Tage lang dauerten, aber kein Kind zu Tage förderten. Der Regimentschirurg, 
der hinzugerufen war, fand die Frau sehr erschöpft; der Mann und die Hebamme 
sagten ihm, dass das Wasser schon vor 24 Stunden abgegangen sei, und das die 
Wehen, die gleich Anfangs nicht stark gewesen, jetzt ganz aufgehört hätten, und die 
Kranke’ sehr über Schmerzen an ihren Geschlechtsteilen klagte. Er fand den Leib 
noch sehr ausgedehnt und kein Anzeichen einer bevorstehenden Geburt. Bei Be 
sichtigung der Geschlechtsteile zeigte sich die Scheide vorgefallen, entzündet und 
sehr angeschwollen; dieser Vorfall war von der Hebamme hervorgebracht worden, 
die, als sie das Kind gewaltsam hervorziehen wollte, nur die Scheide erfasst hatte. 
Mühlbeck verordnete Ruhe und Umschläge auf die Genitalien und einige Löffel Wein. 
Die Kranke trank darauf fünf Seidel guten starken Weins, wonach sie sehr ruhig 
schlief Andern Morgens traf M. sie wachend und völlig schmerzlos; am folgenden 
Tage wurde der Scheidenvorfall reponirt, und konnte die Kranke am fünften Tage 
schon wieder im Zimmer umhergehen und ihre häuslichen Geschäfte besorgen. Von 
da an war die Frau immer gesund, klagte nie über Schmerzen und konnte alle 
Arbeiten verrichten. Die Regel zeigte sich nicht wieder. 14V« Jahr nachher starb 
sie an einem „Faulfieber' 4 . 
Der Sektionsberieht, wie ihn Mühlbeck giebt, lautet: 
Zwischen dem Mastdarm und der Harnblase fand sich in der Beckenhöhle die 
Gebärmutter ungleich grösser als im natürlichen nnbeschwängerten Zustand, weil der 
foetus darin enthalten war. Von aussen war die Gebärmutter von einem weissen, 
sellulösen Wesen o-anz eingeschlossen. Als dieses Geweb hinweg war, sah man die 
eigentliche Gebärmutter ganz verhärtet, vier Linien dick, weissbläuhch, nach der 
form des Foetus eingeschrumpft und im Schneiden sehr sähe. Neben dem Grunde 
der Gebärmutter sah man beiderseits membranose, unkenntliche Anhänge, welche 
vermuthlich die Mutterbänder ausmachten, die aber gleichfalls ausgeartet und ver 
trocknet waren üeberhaupt waren die Eierstätte und Muttertrompeten ganz un 
kennbar, so eingeschrumpft war Alles. Als man in den oberen Theil der Gebär 
mutter einen kleinen Einschnitt machte, bemerkte man deutlich an dem Kopf der 
Leibesfrucht kleine anhangende Kopfhaare, die man jetzt noch sehen kann. Von dem 
Mutterkuchen war keine Spur zu finden. Der Rücken der Leibesfrucht ging in
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.