Fall 2. Mühlbeck erzählt in der Abhandl. d. k. k. Josephin. med. ehir.
Acädemie zu Wien 1788 Bd. 1. p. 225, einen ähnlichen Fall.
Susanne Nehibin, Frau eines Unteroffieiers, wurde, nachdem sie vor zwei Jahren
von einem Mädchen glücklich entbunden war, wieder schwanger. Etwa um die Mitte der
Schwangerschaft fühlte sie mehrmals schwache Bewegungen der Frucht, die aber
allmählig schwächer wurden und dann ganz aufhörten; zugleich hatte sie die Empfindung,
als ob sich ein schwerer Körper in ihrem Leibe heruntersenkte, der bei veränderter
Körperhaltung seine Lage wechselte. Im elften Monat stellten sich Wehen ein, die
drei Tage lang dauerten, aber kein Kind zu Tage förderten. Der Regimentschirurg,
der hinzugerufen war, fand die Frau sehr erschöpft; der Mann und die Hebamme
sagten ihm, dass das Wasser schon vor 24 Stunden abgegangen sei, und das die
Wehen, die gleich Anfangs nicht stark gewesen, jetzt ganz aufgehört hätten, und die
Kranke’ sehr über Schmerzen an ihren Geschlechtsteilen klagte. Er fand den Leib
noch sehr ausgedehnt und kein Anzeichen einer bevorstehenden Geburt. Bei Be
sichtigung der Geschlechtsteile zeigte sich die Scheide vorgefallen, entzündet und
sehr angeschwollen; dieser Vorfall war von der Hebamme hervorgebracht worden,
die, als sie das Kind gewaltsam hervorziehen wollte, nur die Scheide erfasst hatte.
Mühlbeck verordnete Ruhe und Umschläge auf die Genitalien und einige Löffel Wein.
Die Kranke trank darauf fünf Seidel guten starken Weins, wonach sie sehr ruhig
schlief Andern Morgens traf M. sie wachend und völlig schmerzlos; am folgenden
Tage wurde der Scheidenvorfall reponirt, und konnte die Kranke am fünften Tage
schon wieder im Zimmer umhergehen und ihre häuslichen Geschäfte besorgen. Von
da an war die Frau immer gesund, klagte nie über Schmerzen und konnte alle
Arbeiten verrichten. Die Regel zeigte sich nicht wieder. 14V« Jahr nachher starb
sie an einem „Faulfieber' 4 .
Der Sektionsberieht, wie ihn Mühlbeck giebt, lautet:
Zwischen dem Mastdarm und der Harnblase fand sich in der Beckenhöhle die
Gebärmutter ungleich grösser als im natürlichen nnbeschwängerten Zustand, weil der
foetus darin enthalten war. Von aussen war die Gebärmutter von einem weissen,
sellulösen Wesen o-anz eingeschlossen. Als dieses Geweb hinweg war, sah man die
eigentliche Gebärmutter ganz verhärtet, vier Linien dick, weissbläuhch, nach der
form des Foetus eingeschrumpft und im Schneiden sehr sähe. Neben dem Grunde
der Gebärmutter sah man beiderseits membranose, unkenntliche Anhänge, welche
vermuthlich die Mutterbänder ausmachten, die aber gleichfalls ausgeartet und ver
trocknet waren üeberhaupt waren die Eierstätte und Muttertrompeten ganz un
kennbar, so eingeschrumpft war Alles. Als man in den oberen Theil der Gebär
mutter einen kleinen Einschnitt machte, bemerkte man deutlich an dem Kopf der
Leibesfrucht kleine anhangende Kopfhaare, die man jetzt noch sehen kann. Von dem
Mutterkuchen war keine Spur zu finden. Der Rücken der Leibesfrucht ging in

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