Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Ehe ich zur Literatur übergehe, möchte ich noch über die Fälle von intra 
uteriner Lithopädionbildung sagen, dass, obgleich immer angegeben wird, dass die 
Frucht im Uterus gelegen sei, doch in den Sectionsberichten häufig keine zwingenden 
Gründe vorhanden sind, dieses wirklich anzunehmen. Auch bei Extrauterinschwanger 
schaft findet man oft den Foetus mit einer dicken Kalkschale umgeben und mit dem 
Uterus verschmolzen, so dass eine Entscheidung über die ursprüngliche Entwicklungs 
stätte oft sehr schwierig ist. Jedenfalls lassen einige dieser Fälle Zweifel zu, ob es 
sich wirklich um Uterinschwangerschaft gehandelt hat. 
Fall 1. Die älteste hierhergehörige Krankengeschichte ist mitgetheilt in Spachii 
Gynaecia 1597 (in Hippocr. lib. I. de muliebr. comment. VII. p. 740). 
Columba Chatry, seit 48 Jahren verheirathet, starb in ihrem 68 Lebensjahre, 
und fand man in dem Uterus eine versteinerte Frucht. Sie war bis vor 28 Jahren 
immer gesund gewesen, als sich zum ersten Male die sicheren Zeichen einer Schwanger 
schaft einstellten. Die Menses, die immer regelmässig gewesen waren, hörten auf, 
Leib und Brüste fingen an zu schwellen, und deutlich fühlbare Kindsbewegungen 
traten auf. Zur rechten Zeit stellten sich Geburtswehen ein, Wasser und Blutgerinsel 
gingen ab, es erfolgte aber keine Ausstossung einer Frucht, sondern die Wehen hörten 
allmählig auf, und die Brüste fielen ein. Drei Jahre lang war die Kranke an’s Bett 
gefesselt, und klagte bis zu ihrem Tode über Leibschmerzen und eine harte schwere 
Geschwulst, die sich je nach ihrer Körperhaltung hin und herbewege. 
Bei der Section fand man die Wandungen des Uterus runzlich, verdickt und 
verhärtet, dem Messer bedeutenden Widerstand entgegensetzend. Nachdem sie mit 
vieler Mühe durchtrennt waren, kam ein zu einer Kugel zusammengekrümmter Foetus 
weiblichen Geschlechts zum Vorschein. Er lag quer im Uterus, und wurde von den 
in eine derbe, dicke Membran verwandelten Eihäuten umschlossen. Die linke Hand 
zeigte sich in einen steinharten Klumpen verwandelt, an welchem nur seichte Furchen 
als Andeutungen der Finger sich bemerken Hessen. Beide Füsse waren mit den 
zugekehrten Plantarflächen zusammengewachsen, und in einen Steinklumpen verwandelt, 
an welchem eine Scheidung in einzelne Zehen nirgends bemerkt werden konnte. Die 
wohl erhaltenen Schädelknochen lagen unter der noch an vielen Stellen mit Haaren 
besetzten Kopfhaut. Der von normaler Haut bedeckte Rumpf hatte seine Formen 
ziemlich unverändert beibehalten. Die Eingeweide, Herz und Gehirn, waren sehr 
hart, boten jedoch sonst nichts Eigentümliches In einer Alveole des Kiefers steckte 
ein Zahn. An den Extremitäten zeigten sich die zwischen den compacten, stellen 
weise entblössten Knochen liegenden Muskeln in eine gypsartige Masse von der Härte 
festen Kalks verwandelt (Barthol. hist. anat. rarior. cent II. obs. 100). Thomas 
Bartholinus, der das Präparat genau untersuchte, beschreibt dasselbe ausführlich, und 
giebt eine Zusammenstellung der Ansichten seiner Zeitgenossen über die Ursachen 
der Versteinerung.
	        

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