Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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3. Fall. 
Anfang Mai 1874 wurde zu Herrn Professor Völckers ein 4jähriger Knabe 
Vom Lande gebracht, der seit 8—14 Tagen ein entzündetes rechtes Auge hatte. 
Es zeigte sich eine bedeutende Schwellung der Conjunctiva palpebrarum, 
schleimig-eitrige Absonderung derselben, am oberen Rande der Cornea eine oberfläch 
lich gelegene Trübung und der entsprechend pericorneale Injection. 
Eine etwa Htägige zweckentsprechende Behandlung blieb erfolglos; im Gegen- 
theil die Schwellung und Absonderung der Conjunctiva nahm zu, und an der Stelle 
des Infiltrates der Cornea befand sich jetzt ein Ulcus, während in der vordem Kammer 
ein schmales Hypopyon sichtbar war. Die Geschwulst des oberen Augenlides war 
besonders in seiner innern Hälfte auffallend, wo der tastende Finger dicht unter dem 
Orbitalrande über dem Bulbus eine bohnengrosse harte Geschwulst fühlte. Jetzt fing 
auch das Allgemeinbefinden des Knaben an zu leiden, er fieberte, sein Appetit ward 
geringer, hin und wieder trat Erbrechen ein, und er zeigte eine auffallende Neigung 
«um Schlafen. Die Application eines Eisbeutels verschaffte ihm grosse Linderung. 
Damals, wie auch schon früher würde sehr genau auf einen Fremdkörper 
Versucht, nnd die sehr sorgsamen Eltern über die Möglichkeit einer Verletzung 
e Xaminirt, doch nichts deutete darauf hin. Es wurde also angenommen, dass es sich 
hier um eine Periostitis der pars orbitalis des Stirnbeins handle. Etwa acht Tage 
lai >g hielt sich der Zustand so unter Anwendung von Eis und Atropin, die Ulceration 
<ler Cornea war etwas ausgedehnter, das Hypopyon wechselnd. 
Da wurde noch einmal, um eventuell den Abscess zu eröffnen, eine genaue 
Revision der Umschlagsfalte, von wo aus die Eröffnung am leichtesten schien, vor- 
genonnnen. 
Es zeigte siel» nun hierbei im innern Winkel eine erbsengrosse Geschwürs- 
bäche, in deren Mitte die eindringende Sonde einen Widerstand fand; es war also 
^ Vorhandensein eines Fremdkörpers doch wahrscheinlich, und Versuche mit der 
Sor ‘de hatten den Erfolg, dass eine 1,5 Ctm. lange Borste eines Piassava - Besens zu 
*age gefördert wurde. Einige Tropfen Eiters entleerten sich sofort, und von Stund 
11 B'ät die regelmässige Besserung ein. 
ln diesem Falle hat also wohl das eine Ende der Barste bei jedem Lidschlage 
8e gen die Conjunctiva angestochen und so anfangs dort eine Ulceration erzeugt, all- 
j nii hl>ch aber hat es die Conjunctiva an der Stelle ganz durchbohrt, ist in das da- 
llri ''erliegende Zellgewebe eingedrungen und hat dort zur Bildung eines Abscesses 
ülassung gegeben. Von diesem Abscesse kam auch der Eiter in der Conjunctiva 
‘»dem derselbe einfach an der Borste längs sickerte. Die Spannung des Abscesses 
und der Druck, den er auf den Bulbus und die Weichtheile der Orbita ausübte 
'Süchten die Schmerzen und die Störungen des Allgemeinbefindens. 
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