Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

diese Geschwulst mit langem Stiele in der oberen Uebergangsfalte haftete. Der Polyp 
wurde mit der Pincette gefasst, nach abwärts gezogen und sein Stiel hart an der 
Basis abgeschnitten. Gegen den bestehenden massigen Catarrh wurde zinc. sulf. 
verordnet 
Schon nach einigen \\ ochen kam der Knabe wieder. Jetzt ragten sowohl an 
der alten Stelle, als auch nahe am Canthus internus je eine erbsengrosse polypöse 
Wucherung unter dem Augenlid hervor. 
Diesmal wurde der Knabe chloroformirt, das obere Augenlid umgeklappt und 
der Tarsus mit dem Daviel’schen Löffel erhoben, um die Uebergangsfalte scenau durch- 
mustern zu können. Diese zeigte sich stark gewulstet; sowohl im äussern als im 
innern Winkel inserirte sich der dünne Stil des aus der Lidspalte herabhängenden 
Polypen. Es wurde nun, um die Basis desselben sorgfältig abzutragen, die Schleim 
haut der Umgebung mit der Cooper sehen Scheere abgeschnitten; dabei sah man, als 
durch das Erheben des Polypen die Wulstungen der Umschlagsfalte sich glätteten, die 
Spitze eines Fremdkörpers unter der geschwollenen Conjunctiva verborgen. Schnell 
wurde er nun mit der Pincette gefasst und hervorgezogen; erbestand aus einem Stück 
Spiere von einer Roggenähre und hatte genau die Länge der Entfernung der beiden 
Polypenstiele von einander. 
Der Vater erinnerte sich nun, dass der Knabe mehrere Wochen vor seinem 
ersten Hiersein, während der Ernte, Getreide zugefahren und am Abend über das 
Gefühl eines Fremdkörpers im Auge geklagt hatte. 
^‘ e Sdeia und Cornea hatten nur wenig Theil genommen, erstere war leicht 
mjicirt, wahrend letztere in ihrem obersten Segment eine ganz schwache Trübung 
zeigte. Und so heilte das Auge in kurzer Zeit nach Entfernung des Fremdkörpers. 
Zweifellos waren in diesen beiden Fällen die polypösen Wucherungen durch 
den andauernden Reiz entstanden, den die scharfen Enden des Fremdkörpers auf die 
Conjunctiva ausgeübt hatten, indem sie hier zunächst eine Ulceration hervorriefen.' 
Während im ersten Falle eine starke papilläre Hypertrophie des oberen Lides und 
eine so tief gehende Zerstörung der Cornea entstand, dass eine Perforation nach der 
ammer im erfolgte, trat im letzteren nur eine geringe circumscripte Trübung de*' 
wir 0 '" 7 ’ WCl1 hier di<i Il, j ection und der Conjunctivaleatarrh nur ein massiger 
Eite77 ° rt > Hh T die gUnze Con j unctiva stark geröthet, geschwollen und reichlich 
hatten S ° n f , n er8chlen ’ also die günstigsten Bedingungen zu einer Keratitis ötlltt
	        

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