Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Fremdkörper habe das Auge wieder verlassen, daher kommt es, dass sie Wochen und 
Monate lang dort verborgen bleiben und die verschiedenartigsten Veränderungen her- 
vorrufen. 
Es findet sich da entweder nur hypertrophische Wucherung des den Fremd 
körper umgebenden Gewebes, oder der Conjunctiva des oberen Lides, so dass dieses 
mit zahlreichen papillären Wucherungen besetzt, ganz rauh und dunkelroth erscheint; 
oder es bilden sich schwammige Answüchse an der Conjunctiva palpebrae oder an 
der Uebergangsfälte selbst. Einigemale ist der Fremdkörper in polypöse Wucherungen 
eingehüllt gefunden worden, oder es gingen von seinen Enden aus polypöse Excres- 
cenzen der Conjunctiva hervor. Sitzt er so, dass sein eines Ende fortwährend bei 
den Bewegungen des Lides in die Conjunctiva einbohrt, so entsteht auf dieser eine 
Ulceration, die zum Abscess werden und als solcher sogar nach aussen durchbrechen 
kann Natürlich nimmt die Cornea an all diesen Veränderungen mehr oder weniger 
Theil. Durch die pericorneale Injection kann es zur Infiltration der Cornea mit Eiter 
körperchen, zur Bildung eines Ulcus und einer Hypopyonkeratitis kommen. 
In Zander und Geisslers Buch „die Verletzungen des Auges“ sind eine Meng e 
derartiger Fälle zusammengestellt; so einer, wo sich ein schwammiger Auswuchs über 
dem Fremdkörper gebildet hatte; 2 Eälle, bei denen eine warzenförmige lappige Ge- 
schwulst aus der Lidspalte herabhing und Ptosis des oberen Lides bedingt hatte; dann 
auch ein Fall von einem kleinen Mädchen, bei dem ein weicher rother Tumor am 
oberen Lide hing, der abgetragen wurde, nach 3 Wochen aber wieder erschien, um 
abermals und zugleich mit einem an seinem Stiele sitzenden Fremdkörper entfernt 
werden. 
Einen analogen Fall habe ich selbst hier in der Klinik mitbeobachtet, während 
Herr Professor Voelkers die Güte hatte, mir einen anderen, wo von beiden Enden 
des Fremdkörpers polypöse Excrescenzen ausgingen, mitzutheilen, ebenso wie einen 
dritten Fall, in welchem durch einen Fremdkörper ein Abscess hervorgerufen worden 
war, der zur Verwechselung mit einer Periostitis des Orbitaldaches'führen konnte. 
Zur Vervollständigung der Casuistik will ich diese 3 Fälle hier folgen lassen. 
1. Fall. 
Am 1. November 1873 kam ein 58 Jahre alter Tagelöhner aus Grammdorf i fl 
die Augenklinik und klagte, dass er seit einem halben Jahre eine Entzündung Jeö 
linken Auges habe, die seit September schlimmer geworden sei und jetzt öfter heftig® 
Schmerzen in Stirn und Schläfe verursache. Er war sehr lichtscheu, die Lider »t a, ' k 
geschwollen und geröthet, das obere an der innern Seite mit zahlreichen papilla 11 
Wucherungen besetzt bei Berührung sehr schmerzhaft, das untere um 3 mm. everti«*- 
16 rage ’ ob lhm etwas in ’ s Au o e geflogen sei, verneinte er ganz entschieden. ßs
	        

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