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Fremdkörper habe das Auge wieder verlassen, daher kommt es, dass sie Wochen und
Monate lang dort verborgen bleiben und die verschiedenartigsten Veränderungen her-
vorrufen.
Es findet sich da entweder nur hypertrophische Wucherung des den Fremd
körper umgebenden Gewebes, oder der Conjunctiva des oberen Lides, so dass dieses
mit zahlreichen papillären Wucherungen besetzt, ganz rauh und dunkelroth erscheint;
oder es bilden sich schwammige Answüchse an der Conjunctiva palpebrae oder an
der Uebergangsfälte selbst. Einigemale ist der Fremdkörper in polypöse Wucherungen
eingehüllt gefunden worden, oder es gingen von seinen Enden aus polypöse Excres-
cenzen der Conjunctiva hervor. Sitzt er so, dass sein eines Ende fortwährend bei
den Bewegungen des Lides in die Conjunctiva einbohrt, so entsteht auf dieser eine
Ulceration, die zum Abscess werden und als solcher sogar nach aussen durchbrechen
kann Natürlich nimmt die Cornea an all diesen Veränderungen mehr oder weniger
Theil. Durch die pericorneale Injection kann es zur Infiltration der Cornea mit Eiter
körperchen, zur Bildung eines Ulcus und einer Hypopyonkeratitis kommen.
In Zander und Geisslers Buch „die Verletzungen des Auges“ sind eine Meng e
derartiger Fälle zusammengestellt; so einer, wo sich ein schwammiger Auswuchs über
dem Fremdkörper gebildet hatte; 2 Eälle, bei denen eine warzenförmige lappige Ge-
schwulst aus der Lidspalte herabhing und Ptosis des oberen Lides bedingt hatte; dann
auch ein Fall von einem kleinen Mädchen, bei dem ein weicher rother Tumor am
oberen Lide hing, der abgetragen wurde, nach 3 Wochen aber wieder erschien, um
abermals und zugleich mit einem an seinem Stiele sitzenden Fremdkörper entfernt
werden.
Einen analogen Fall habe ich selbst hier in der Klinik mitbeobachtet, während
Herr Professor Voelkers die Güte hatte, mir einen anderen, wo von beiden Enden
des Fremdkörpers polypöse Excrescenzen ausgingen, mitzutheilen, ebenso wie einen
dritten Fall, in welchem durch einen Fremdkörper ein Abscess hervorgerufen worden
war, der zur Verwechselung mit einer Periostitis des Orbitaldaches'führen konnte.
Zur Vervollständigung der Casuistik will ich diese 3 Fälle hier folgen lassen.
1. Fall.
Am 1. November 1873 kam ein 58 Jahre alter Tagelöhner aus Grammdorf i fl
die Augenklinik und klagte, dass er seit einem halben Jahre eine Entzündung Jeö
linken Auges habe, die seit September schlimmer geworden sei und jetzt öfter heftig®
Schmerzen in Stirn und Schläfe verursache. Er war sehr lichtscheu, die Lider »t a, ' k
geschwollen und geröthet, das obere an der innern Seite mit zahlreichen papilla 11
Wucherungen besetzt bei Berührung sehr schmerzhaft, das untere um 3 mm. everti«*-
16 rage ’ ob lhm etwas in ’ s Au o e geflogen sei, verneinte er ganz entschieden. ßs

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